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"Helicopter Money" unvermeidlich!

27.12.2018  |  Uli Pfauntsch
2018 historisches Börsenjahr!

Bald ist es (gottseidank) vorbei - das schlechteste Börsenjahr für Investoren seit 100 Jahren. Wir hatten ein Jahr, in dem nahezu nichts funktionierte. Noch nie seit 100 Jahren wiesen so viele Asset-Klassen, nämlich mehr als 90%, seit Jahresbeginn eine negative Performance aus.

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Chart: S&P 500 seit Jahresbeginn


Auch der Dezember ist auf bestem Weg, in die Geschichte einzugehen. Denn sowohl Dow Jones als auch S&P 500 taumeln ihrer schlechtesten Performance seit der Großen Depression von 1931 entgegen. Der Dow Jones notiert seit Anfang des Monats mit 10,3% im Minus, der S&P 500 mit 10,5%.

Schlimmer war bislang nur das Jahr 1931 mit Verlusten von jeweils 17% und 14,5%. Üblicherweise ist der Dezember ein sehr positiver Monat für die Märkte. Seit 1931 ist der Dow nur 25 Mal in einem Dezember gesunken. Und mit einem durchschnittlichen Anstieg von 1,6% im S&P 500, ist der Dezember sogar der beste Monat für den Markt.

Die letzte Zinsentscheidung der FED zog einige "seltsame" Kursbewegungen nach sich. Die FED hat zwar erwartungsgemäß die Zinsen nochmals erhöht, aber gleichzeitig zwei weitere Zinserhöhungen für 2019 in Aussicht gestellt. Das wollte offenbar niemand hören, denn die Märkte haben daraufhin chaotisch reagiert und zum Teil erheblich widersprüchliche Reaktionen gezeigt.

Die Aktienmärkte tendierten vor der Zinsentscheidung fester, gingen dann aber in den Sturzflug über. So verlor der DOW JONES vom Tageshoch gut 800 Punkte und drehte ebenso ins Minus wie alle anderen Aktienindizes.

Ganz klar: Die Aktienanleger hatten nach den heftigen Korrekturen der Vorwochen und den sich eintrübenden Signalen, welche der Aktienmarkt jetzt bereits als Konjunkturvorläufer vorwegnimmt (üblicherweise preisen die Aktienmärkte Konjunktureinbrüche 6-12 Monate vorher ein), mit einer zurückhaltenden FED-Aussage bezüglich weiterer Zinserhöhungen gerechnet.

Sie hatten sich Unterstützung der FED durch eine Ankündigung eines Endes des Zinszyklus erhofft.

Jedoch dürfte klar sein, dass FED-Chef Powell nach den heftigen Twitter-Attacken von Donald Trump auch ein Zeichen seiner Unabhängigkeit setzen musste.

Denn der Anleihemarkt (üblicherweise agieren dort die "intelligenteren" und weniger emotionellen Anleger als am Aktienmarkt) sendete ein komplett anderes Signal. Dort fielen die Renditen weiter. Man glaubt also am Anleihemarkt nicht an weiter steigende Zinsen, sondern preist bereits fallende Renditen ein.

Bereits vor zwei Wochen sendete der Zinsmarkt bekanntlich ein erstes Warnsignal einer inversen Zinsstruktur, sprich, die zweijährigen Zinsen waren erstmals seit 2007 höher als die 5-jährigen.

Der wahre Feind heißt Deflation. Diese ist aufgrund der demografischen Lage und der untragbaren Verschuldung unvermeidlich. Ökonomen der "Österreichischen Schule" lauben, dass sich Konjunkturzyklen selbst bereinigen müssen. Das ist zwar grundsätzlich richtig, doch die Menschen werden eine Rezession oder Depression, die dazu benötigt wird, nicht akzeptieren. Deshalb wird sich innerhalb der Fed früher oder später die keynesianische Wirtschaftstheorie durchsetzen, dass zur Vermeidung einer Rezession/Depression eine Intervention erforderlich ist.

Doch es wird in einer anderen Form geschehen, als beim letztem Mal. Während QE pumpte die Fed 3,5 Billionen Dollar in die Banken. Geld, das ausschließlich in Anleihen und Aktien floss. Vieles deutet darauf hin, dass "Helicopter Money" unvermeidlich wird. Letztes Mal ging QE an die Banken, diesmal könnte das Geld in große Infrastrukturprojekte oder direkt an die Verbraucher fließen.

Zwischenzeitlich ist ein Vermögenswert auf dem Weg zu seiner besten Performance seit 2007: Cash. Die Befürchtung der meisten Anleger ist nun, dass sich dieser Trend fortsetzt. Doch wie rational ist diese Angst? Wie oft hat sich Cash besser entwickelt als Aktien und Anleihen?

Die jährlichen Daten zu Aktien (S&P 500), Bonds (10-jährliche Anleihen) und Cash (3-monatige Anleihen), gehen zurück bis 1928. Das Ergebnis: Cash war nur in 13% der Kalenderjahre der Top-Performer. Erhöht man die Haltedauer von Cash von einem auf 30 Jahre, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Cash besser entwickelt, von 13% auf 0% (siehe Abb.).

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Das Gegenteil trifft auf Aktien zu, die Top-Performer in 61% über eine Haltedauer von 1 Jahr, in 80% über 10 Jahre und 100% über 30 Jahre waren. Das letzte Mal, als Cash sowohl Aktien als auch Anleihen outperformte, war im Jahr 1994. Das bedeutet vermutlich, dass alle unter 45 etwas Vergleichbares noch nie erlebt haben und alle über 45 sich nicht mehr daran erinnern können.

Fazit: In 2018 war "Cash King", doch es macht selten Sinn, Cash über einen längeren Zeitraum zu halten.


© Uli Pfauntsch
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