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Ein Zyklus-Trader-Interview mit längerfristigen Aussichten zu Währungen, Edelmetallen etc.

28.12.2018  |  David Smith
- Seite 6 -
Die Menschen hätten ein gewisses Maß an Privatsphäre in ihrem eigenen Leben und die Freiheit, eine Digitalwährung zu kaufen oder diese als Vermögenssicherung anzusammeln und das zusätzlich zum Besitz der Fiat-Währung? Das wäre - nebenbei bemerkt - das, was Zentralbanken bereits versuchen, nämlich in digitale Formate zu wechseln, indem man das Bargeld im allgemeinen loswird. Noch vor ein paar Jahren existierte diese Möglichkeit noch gar nicht. Birgt dies das Potential, sich in eine Realität bei der Blockchain zu entwickeln, also zu einer möglichen mit Gold und/oder Silber abgesicherten, digitalen Kryptowährung?

Eric Hadik: Ich sehe es als eine von mehreren Möglichkeiten. Bei Gold mögen die Herrschenden seine Begrenztheit nicht und damit nicht die Verantwortung, die es bringt. Doch das theoretische Argument, Gold biete eine solidere, stabilere und nachvollziehbarere Deckung ist durchaus richtig. Das kann man nicht wegdiskutieren. Doch ob es so kommt, hängt davon ab, wer und was federführend den Wechsel in die Digitalwährung verursacht.

Es gibt noch zwei andere Dinge, die ich in diesem Zusammenhang anführen möchte. Ich habe die Frage nach dem Dollar als jetzigem Dreh- und Angelpunkt und zukünftiger entmachteter König noch nicht vollständig beantwortet. Ich dachte eigentlich, daß wir das in dieser Phase erleben würden, wahrscheinlich mit einem Kulminationspunkt um das Jahr 2021.

Als ich die Diskussion vor einigen Jahren begann, schaute ich noch nach langfristigen Zyklen in China und Russland, denn ich dachte, daß diese eine große Wende verursachen würden. Ich habe ihren stetigen Verlauf über mehrere hundert Jahre dokumentiert und sie kamen jedes Mal und machten einen großen Schritt vorwärts.

Die nächste Phase hätte meiner Meinung nach in 2016 oder 2017 beginnen müssen. Es ist recht interessant, diese beiden Antagonisten gegen die jetzige US Administration zu sehen und die Handelsattacken - oder weniger abwertend ausgedrückt - den “Handelskrieg” gegen China.

Zwischenzeitlich gibt es eine politische Schlacht mit Russland. Heute hören wir immer öfter Sätze wie "Der Feind meines Feindes ist mein Freund", also Vereinendes zwischen China und Russland.

Ich habe zu diesem Thema schon vor einigen Jahren geschrieben. Also über die großen wirtschaftlichen und finanziellen Wendungen, an dessen Spitze China und Russland stehen, egal ob sie auf die New Development Bank oder die asiatische Infrastruktur-Investment-Bank zurückgehen. Dann die Yuan-Gold-Bindung und die Einbindung des Yuan in die Sonderziehungsrechte des IWF. Es scheint, als ob China - und in einem geringeren Maße auch Russland - alles im Griff hätte. Anscheinend positionieren sie sich für eine große Wende.

Resultierend aus dem 2008er Finanzkollaps im Westen, scheinen China und Russland mit der Errichtung alternativer Finanzoptionen darauf zu antworten. Ich denke, daß sie damit besser aufgestellt sind, sollte den Westen der nächste Schlag - wirtschaftlich oder finanziell- treffen. Russland, China und vielleicht sogar die Anrainerstaaten müssen das tun, um sich auflehnen und aufzeigen zu können, warum es Zeit ist für - zumindest - eine Reduzierung des Dollar-Einflusses und seinem prozentualen Anteil am globalen Handel. Schon eine Reduzierung dieser Rate würde dramatische Auswirkungen auf die USA, ihre Wirtschaft, unsere Zinsen und alles andere haben.

Das andere Thema, das ich in früheren Jahren angesprochen / über das ich geschrieben habe, sind die Sonderziehungsrechte des IWF und einige einzigartige Zyklen. Obwohl die Sonderziehungsrechte erst seit einigen Dekaden bestehen, werden wir erst 2019 oder 2020 sehen können, ob sich die Rolle, die sie spielen, signifikant ändern wird. Da sie mehr von den Herrschenden kontrolliert werden, könnten wir erleben, daß die Sonderziehungsrechte während/nach der nächsten wirtschaftlichen Herausforderung eine noch größere Bedeutung im Digitalwährungsbereich erlangen.


David Smith: Eric, Ihre Ausführungen sind beeindruckend, intuitiv und vielleicht weitblickend. Jim Rickards hat sich diesem Argument tatsächlich in ähnlicher Weise genähert.

Nehmen wir an, der Petrodollar (U.S. Dollars, die in Übersee genutzt werden), der momentan 80% der durchgeführten Transaktionen beherrscht, würde, sagen wir, auf einen Anteil von 60 oder 65% fallen. Das würde den Petrodollar zu einem unter vielen machen, würde eine Beschränkung beim uneingeschränkten Drucken erzeugen, die wir vorher noch nie so erlebt haben.

Das Finanzministerium sammelt momentan Rekordsteuern in den USA ein, doch es wird kein Wort darüber verloren, "Wie können wir dieses Geld besser ausgeben? Wie können wir einiges davon für den Schuldenabbau nutzen?" Stattdessen kommen nur Aussagen wie: "Oh, wir haben Rekordsteuereinnahmen, und jetzt geben wir alles aus." Jede Form von Einschränkung/Begrenzung bei der Art und Weise, wie wir Schulden an die Welt verkaufen, könnte großen Einfluß auf unsere Fähigkeit haben, unsere Verschwendung weiterhin finanzieren zu können.


Eric Hadik: Genau, da stimme ich Ihnen voll und ganz zu.


David Smith: Eric, Sie haben einen Fokus auf den Landwirtschaftssektor gesetzt. Wie nehmen Sie das große Ganze wahr? Vor allem im mittelfristigen Zeitrahmen bei der Landwirtschaft im allgemeinen und der weltweiten Nahrungsmittelversorgung im besonderen? Werden wir in diesem Bereich Probleme haben angesichts der Diskussionen um den Klimawandel?


Wie Lebensmittelkrisen in 40-Jahres-Zyklen auftreten

Eric Hadik: Ich höre mich wahrscheinlich wie eine kaputte Schallplatte an, doch bei den Zyklusanalysen, die ich durchgeführt habe, gibt es eine faszinierende Wiederholung von Nahrungsmittelkrisen in einem durchschnittlichen 40-Jahres-Zeitraum. Ich möchte nicht zu alarmierend klingen. Dennoch, solche Krisen oder Herausforderungen - manchmal nur für 1 oder 2 Jahre - können den Impuls für einen großen Wandel geben, vor allem bei den Getreiden.

Ich konnte außerdem Dürre- und Überflutungszyklen erkennen, die langfristig gesehen variieren, doch in einem ähnlichen Zeitrahmen bleiben, so gab es einige dieser Nahrungsmittelkrisen innerhalb der gleichen beschriebenen Sequenz, wie z. B. die späten 1770er und 1810er Jahre.

Die Nahrungsmittelkrisen der späten 1810er Jahre wurden durch den Ausbruch des Mount Tambora und dem sogenannten "Jahr ohne Sommer" ausgelöst. Das hatte schwere Auswirkungen auf die globale Nahrungsmittelproduktion und hielt mehrere Jahre an. In den 1850er Jahren zeigte die Bürgerkriegs-Dürre schwere Auswirkungen. In den 1890er Jahren gab es eine ähnliche Situation bei der Weizenproduktion in Argentinien, was damals bestimmte Banken getroffen hat und beträchtliche wirtschaftliche Konsequenzen nach sich zog.

Dann in den 1930er Jahren folgte eine andere große Finanzkrise auslöst durch Auswirkungen der Staubschüsseln (große, von Sandstürmen verheerte Ebenen in den USA, d.Ü.). In den 1970er Jahren folgte eine Kombination aus mehreren Naturkatastrophen zu Beginn des Jahrzehnts, die noch durch die politischen Auswirkungen der Embargos auf den zusammenbrechenden Dollar verschlimmert wurden, was einen großen Bullenmarkt bei den Getreiden zwischen 1977 und 1980 erzeugte.

Es gab auch bei anderen Rohstoffen große Bewegungen. In den späten 1970ern erfuhren Kaffee, Baumwolle, Zucker und andere Rohstoffe über mehrere Jahre eine 300-400%ige Erhöhung. Eine Reihe von fundamentalen Faktoren können da ins Spiel kommen. Von Dürre bis zu Überschwemmung, von exzessiver Hitze bis zu frühem Frost oder früher Kälte, bis hin zu politischen Themen. Auch wenn der Auslöser unterschiedlich ist, so ist doch immer eine scharfer Anstieg bei den Nahrungsmittelpreisen die Folge.



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