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Jetzt kommt die Bankenkrise

06.01.2019  |  Manfred Gburek
Von noch keiner offiziellen Seite vorhergesagt und dennoch so sicher wie kaum ein anderes Ereignis rund um den schnöden Mammon: Uns erwartet eine europäische Bankenkrise, von der wir nur wissen, dass sie in absehbarer Zeit kommen wird. Ob in einigen Monaten oder bereits in einer Woche - niemand kann es genau vorhersagen. In welchem Umfang sie Eigendynamik entwickeln und außer Banken auch andere Branchen in die Tiefe reißen wird, bleibt vorerst im Dunkeln. Und welche Rettungsschirme aufgespannt werden müssen, um ein allgemeines Chaos zu vermeiden, ist in erster Linie der Weitsichtigkeit der Mannschaft um EZB-Chef Mario Draghi überlassen.

Derweil bleibt offen, ob nicht bereits die jüngste italienische Bankaffäre den Beginn der neuen Branchenkrise markieren könnte: Die EZB musste die Carige Bank aus Genua unter ihre Fittiche nehmen, nachdem deren Manager eine Kapitalerhöhung vermasselt hatten. Dieser Schritt der EZB ist einmalig. Jetzt braucht man sich nur vorzustellen, sie würde von den 119 Banken, die sie beaufsichtigt, weitere unter ihre Fittiche nehmen. Ausgeschlossen ist das nicht, denn Europas Banken befinden sich insgesamt im Umbruch: Mal mangelt es am Kapital, mal an grundlegenden Reformen, und immer schrumpfen die Gewinne.

Folglich muss etwas her, was sie in die Lage versetzt, überhaupt noch Zinsgeschäfte mit Gewinn abzuschließen. Aber was? Solange Differenzen zwischen Soll- und Habenzinsen die tragende Säule der europäischen Banken bilden, müssten sich die überforderten Banker speziell dazu etwas Neues einfallen lassen. Doch dazu fehlt ihnen offenbar die Phantasie.

Also verbeißen sie sich noch tiefer als ohnehin schon in die Fristentransformation (aus kurz mach lang), indem sie die Erträge daraus bis zum letzten Euro ausschöpfen, ohne gleichzeitig für adäquate Risikoaufschläge zu sorgen. Doch wehe, wenn das Zinsniveau steigt und damit nicht nur dieses Geschäftsmodell konterkariert, sondern auch Kreditnehmer, etwa zahlreiche Mittelständler und Bauherren, an die Grenzen ihrer Finanzierungsmöglichkeiten bringt.

Claudia Buch, Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, zieht aus alldem in aller Öffentlichkeit Schlussfolgerungen, die aufhorchen lassen:

"Das deutsche Finanzsystem ist in der langen Wachstumsphase und bei niedrigen Zinsen verwundbarer geworden gegenüber unerwarteten negativen Entwicklungen. Anders als in den vergangenen Jahren überwiegen mittlerweile die Abwärtsrisiken für die Konjunktur. Ein starker Konjunkturabschwung könnte dazu beitragen, dass die Preise für Immobilien, Aktien und Anleihen sinken. Die stark gestiegenen Immobilienpreise bergen die Gefahr, dass die Werthaltigkeit von Kreditsicherheiten überschätzt wird. So zeigt ein Stresstest der Bundesbank, dass ein Konjunktureinbruch und fallende Immobilienpreise die Wohnimmobilien-Kreditportfolios deutscher Banken teilweise empfindlich treffen würden."

Ja nimmt denn niemand Notiz von solchen Warnungen? Die Ignoranz der sogenannten ökonomischen und politischen Elite gegenüber der drohenden Bankenkrise zeugt jedenfalls von einer Dummheit, die sich kaum überbieten lässt. Dabei braucht man nicht mal die Warnungen von Claudia Buch heranzuziehen, um zu erkennen, wie dramatisch sich die Konjunktur in Deutschland und im übrigen Euroraum entwickeln wird. Dazu genügt allein schon ein Blick in die Kurs-Charts mit dem desaströsen Dax-Absturz um 18,3 Prozent allein im Jahr 2018 als Vorbote der Konjunktur 2019. Die kurzfristige Kurserholung vom vergangenen Freitag sollte nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen.

An dieser Stelle ist eine kurze Bestandsaufnahme zum vergangenen Jahr fällig, weil sie offenbart, dass der Dax mit seinem Minus nicht allein ist, sondern sich in schlechter Gesellschaft befindet. Zur Veranschaulichung sei auf die Daten des Börsendienstes wellenreiter-invest.de zurückgegriffen, der sie in Dollar veröffentlicht hat, sodass der Dax hier sogar ein Minus von 23,2 Prozent ausweist (Rang 42 von 50 erfassten Börsen). Die rote Laterne gebührt der Türkei mit 43,5 Prozent Miesen. Beachtenswert ist Chinas Börse an Stelle 46 mit einem Minus von 29,3 Prozent. Und wo bleiben die positiven Daten? Bitteschön: Singapur plus 14,8 Prozent, Katar plus 14,1 Prozent und Saudi-Arabien plus 10,4 Prozent, das war's.

Aus all diesen und vielen weiteren Daten folgt, dass wir es anno 2019 mit einer rückläufigen Weltkonjunktur zu tun bekommen. Und dass die europäische Bankenkrise ein Teil von ihr sein wird - ein negativer, nicht zu unterschätzender Teil, weil Banken gewissermaßen den Kreislauf der Wirtschaft bestimmen. Und die EZB? Sie wird im Zweifelsfall überall dort eingreifen, wo Feuer unterm Dach ist, wie bei der Carige Bank in Italien. Aber wie? Daran bastelt zurzeit ein Team hinter verschossenen Türen. Von einem konkreten Ergebnis ist noch nichts bekannt. Jedenfalls müssen wir uns auf Überraschungen gefasst machen.

In so einem Umfeld - zumal auch die amerikanische Konjunktur ins Stocken gerät - fliehen Anleger mit Weitsicht erfahrungsgemäß gern in Sicherheit. Deshalb haben sie zuletzt Gold als Anlageklasse wiederentdeckt, deshalb werden sie ihm in diesem Jahr weiter treu bleiben und es um Silber ergänzen. Spekulative Anleger dürften entweder Minenaktien oder Derivate favorisieren. Die Entwicklung der Preise beider Edelmetalle wie auch der Minenaktienkurse lässt sich zwar im Trend abschätzen. Aber weder das kurzfristige Auf und Ab im Zuge dieses Trends noch ein Preis- bzw. Kursziel kann seriös vorhergesagt werden.

Jede(r) Anleger(in) ist gut beraten, sich eigene Gedanken zu machen, statt den zum Teil obskuren Vorhersagen von Daytradern oder Gurus zu folgen. Dies allein schon deshalb, weil die Geldanlage - ganz egal, worin investiert wird -eine individuelle Angelegenheit ist. So dürfte ein Multimillionär in der Regel mit 5 oder 10 Prozent Anteil vom gesamten Vermögen an physischem Gold (Barren und Anlagemünzen) zufrieden sein, während ein zyklischer Anleger mit der Absicht, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, womöglich erst zufrieden ist, wenn er 20 oder 30 Prozent seines Vermögens in Minenaktien investiert hat.

Zum Schluss sei daran erinnert, dass in turbulenten Zeiten wie jetzt ein relativ hoher Barbestand nicht zu verachten ist, am besten verteilt auf drei bis vier Banken bzw. Sparkassen und angelegt auf Tagesgeldkonten jeweils unter Beachtung der 100.000-Euro-Grenze pro Kunde und Institut (gesetzlicher Anlegerschutz ). Solche Anlagen sind auf dem aktuellen Zinsniveau zwar real im Minus, aber sie eignen sich für die Schnäppchenjagt, sobald die Aktienkurse tief genug abgestürzt sind. In diesem Sinn viel Erfolg beim späteren Timing!


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

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