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Charles Hugh Smith: Ist dieser Abschwung eine Wiederholung des Jahres 2018?

09.01.2019
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1. Banken begannen, sich mehr auf kurzfristige Kredite als auf Festgeld zu verlassen. Das machte sie anfällig für Finanzierungskrisen, sobald die Kredite versiegten.

2. Wenn kurzfristige Kredite versiegen, entsteht eine Liquiditätskrise: Wenn kreditwürdige Kreditnehmer ihre Fälligkeit nicht verlängern können, werden sie dazu gezwungen, ihre Vermögenswerte zu liquidieren. Daraufhin treten Panikverkäufe auf, die dann wiederum die Bewertungen dieser Vermögenswerte zum Einsturz bringen.

Diese Verkäufe speisen eine sich selbstverstärkende Reaktion, Risiko zu reduzieren, indem Kredite gestrafft und Vermögenswerte verkauft werden. Das verschlimmert die Krise weiter.

3. Um eine Liquiditätskrise zu lösen, muss eine Zentralbank den Währungsswap- und Kredithahn weit aufdrehen; was die Fed getan hat.

Liquiditätskrisen sind demnach relativ geradlinig: Die Bereitstellung von Notfallkrediten löst die anfängliche Krise. Insolvente Gläubiger können dann liquidiert und Verluste in geordneter Weise notiert werden.

Aber nicht jeder Abschwung hängt mit der Liquidität zusammen. Eine konventionelle Rezession innerhalb Konjunkturzyklus tritt auf, wenn marginal kreditwürdigen Kreditnehmern zu viele Kredite gewährt wurden, um Investitionen in überbewertete Vermögenswerte zu finanzieren.

Wenn die Kreditvergabe an marginale Kreditnehmer/Käufer reduziert wird, geht der Wert der Vermögenswerte zurück. Diese beiden Bedingungen - straffere Kredite und abnehmende Bewertungen von Vermögenswerten - lösen Zahlungsausfälle aus, die zu einer weiteren Straffung der Kredite und einem selbstverstärkenden Sell-Off der Vermögenswerte führen.

Mehr kurzfristige Kredite zur Verfügung zu stellen, wird diesen Abschwung des Kredit/Geschäftszyklus nicht aus der Welt schaffen, könnte jedoch kreditwürdige Kreditnehmer davor schützen, in die Insolvenz oder zum Verkauf ihrer Vermögenswerte gezwungen zu werden.

Wenn Kreditgeber im Banken- oder Schattenbankensektor übermäßig kreditgestützt sind und marginalen Kreditnehmern Kredite über überbewertete Vermögenswerte gewährt haben, dann besteht die einzig wahre Lösung darin, die Schulden abzubauen, indem Schuldenausfälle niedergeschrieben und Verluste von Vermögenswerten in Kauf genommen werden, deren Wert abgenommen hat.

Es gibt eine dritte Art der Rezession: Das Platzen von Kreditasset-Blasen wie der Dot-Com-Aktienblase 2000 bis 2002 und die Immobilienblase 2007 bis 2008. Die Fed und andere Zentralbanken hörten nicht mit der Bereitstellung von Liquidität auf; sie kauften Vermögenswerte (hypothekarisch gesicherte Wertpapiere und Staatsanleihen), um den Vermögenswertmärkten einen Boden zu verpassen und eine Reflation von Risikoassets wie Aktien und Immobilien zu unterstützten.

Artikel wie "In a World of Warnings, This is The Biggest Yet" deuten darauf hin, dass es eine große Unsicherheit im weltweiten Finanzsystem gibt. Das wird durch die sprunghafte Volatilität der Aktienmärkte und den Kummer an den Kreditmärkten widergespiegelt.

Das deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer nicht länger zuversichtlich über die von den Zentralbanken gemachten Diagnosen zur Krankheit der Weltwirtschaft und der Effizienz ihrer Reaktion sind. Wenn Zentralbanken und Staaten den aktuellen Abschwung fehldiagnostizieren, dann könnten ihre Reaktionen die Situation verschlimmern. Es ist ebenfalls möglich, dass Maßnahmen, die in der Vergangenheit funktionierten, diesmal scheitern.

Die Krise von 2008 war das Resultat von hyperkohärenten, übermäßig kreditgestützten Banken und überbewerteten Märkten, die durch eine Liquiditätsknappheit der in US-Dollar ausgezeichneten Kredite verschlimmert wurde. Sind diese Umstände verflogen oder noch immer präsent?

Es kann argumentiert werden, dass die Banken ihr Leverage reduziert haben, doch die engen Verbindungen innerhalb der weltweiten Finanzbranche bleiben bestehen. Vielen Maßstäben zufolge sind Bewertungen von riskanten Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien noch immer so erhöht wie 2007 bis 2008. Und eine Vielzahl von Leuten empfindet Dollarknappheiten noch immer als Problem.

Wenn die aktuelle Rezession das Resultat von Krediterschöpfung ist - d.h. Unternehmen und Haushalte können es sich nicht leisten, mehr Kredite aufzunehmen oder möchten das nicht länger tun - wird eine Zunahme der Liquidität nicht effektiv sein.

Wenn der aktuelle Abschwung kein Liquiditätsproblem ist, dann ist nicht klar, was die Zentralbanken tun können, um hohe Bewertungen der Aktien und Immobilien beizubehalten; außer diese Vermögenswerte direkt und in Mengen zu erwerben, die groß genug sind, die Art von Massenliquidität auszulösen, der wir uns nun gegenübersehen.

Direkte Zentralbankenkäufe von Vermögenswerten wie Anleihen und Aktien haben die Assetbewertungen im letzten Jahrzehnt unterstützt. Und nun, da die Federal Reserve die Zinsen erhöht und damit begonnen hat, ihre Bilanz zu reduzieren, endet die bedingungslose Unterstützung der Fed von hohen Vermögenswertbewertungen.

Das Problem, Märkte mithilfe von direkten Vermögenswertkäufen zu retten, wie Tooze zum Ende seines Artikels hin bemerkt, ist, dass Zentralbanken keine unbeschränkte Vollmacht mehr besitzen, um "zu tun, was nötig ist." Er wies auch darauf hin, dass China 2008 an keinem Währungsswap teilnahm und eine Kreditkrise in China demnach schwieriger einzudämmen sei, als die Kredit/Liquiditätskrise 2008 in Europa und den USA.

Bis zum Jahr 2015 - vor nunmehr vier langen Jahren - hatten chinesische Unternehmen bereits Kredite im Wert von 1,7 Billionen Dollar in ausländischen Währungen aufgenommen, wobei die Mehrheit in US-Dollar ausgezeichnet war. Wenn wir annehmen, dass sich dieser Trend bis in die Gegenwart fortsetzt, dann können wir schätzen, dass die Summe nunmehr 2 Billionen Dollar übersteigt - keine triviale Menge, selbst in einer großen Volkswirtschaft wie China.

Es scheint, dass der aktuelle Marktabschwung (und die drohende Rezession) keine Wiederholung der Dot-Com-Rezession (das Resultat einer platzenden Vermögenswertblase, die im Technologiesektor konzentriert war) oder der weltweiten Finanzkrise und Rezession 2008 ist.

Der aktuelle Abschwung besitzt die Eigenschaften drei verschiedener Rezessionen: Das Platzen von Vermögenswertblasen (wie das Platzen der Dot-Com- und Immobilienblasen), die Diskrepanz zwischen Kredit und Währung sowie panische Versuche, das Risiko zu reduzieren (wie der Crash 2008) und eine klassische Konjunkturrezession des Kredits und der Nachfrageerschöpfung. Das wird die Analyse und die Reaktion der Zentralbanken, Unternehmen, Investoren und Haushalte verkomplizieren.


© Charles Hugh Smith



Dieser Artikel wurde am 04.01.2018 auf www.peakprosperity.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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