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Interview mit David Jensen

21.01.2019  |  Mike Gleason
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Diese Knappheit trat nicht von einem Moment zum anderen auf. Der CEO von Johnson Matthey, eine der weltweit größten Raffinerien von Platingruppenmetallen, warnte den Markt 2017. Er meinte, dass es ein Jahrzehnt lang tiefsitzende oder strukturelle Defizite gab, während dem man oberirdische Bestände durch ein Angebotsdefizit erschöpfte.

Und er fügte hinzu, dass die Vorräte noch nicht vollständig verschwunden seien, doch dies sicherlich der Fall sein wird, wenn wir so weitermachen wie bisher. Tatsächlich bemerken wir nun diese äußerst hohen Leasingraten, die uns signalisieren, dass es ein echtes Angebotsproblem gibt.

Und die Knappheit, Mike, kann nicht sofort behoben werden. Üblicherweise braucht es ein Jahrzehnt, bis eine Mine zur kommerziellen Produktion hin entwickelt worden ist. Mehrere Jahrzehnte lang wurde die Preisfeststellung des Metalls in London vorgenommen, wo sich der für die Bergbauunternehmen primäre Preismarkt für Edelmetalle befindet. Sie benutzen diese nicht allokierten Kontrakte - in Wirklichkeit ist das der Handel mit Schuldbriefen - zwischen den Bullionbanken, um den Preis auf täglicher Basis festzulegen.

Man braucht das Metall also nicht zu besitzen, um damit zu handeln. Und der Handel wurde von diesen Bullionbanken dominiert, die dazu in der Lage waren, den Preis so festzulegen, wie sie das wollten. Das Problem ist jedoch, dass die Preise zu niedrig gesetzt worden. Das kann durchaus passieren... Und wenn diese Einmischungen stattfinden, ist das tatsächlich eine Art von zentraler Planung... Wenn der Preis zu niedrig angesetzt ist, folgen ein systematischer Überkonsum und eine systematische Unterproduktion des Metalls.

Wir befinden uns derzeit also in einer Situation, die sich über mehrere Jahrzehnte hinweg entwickelt hat. Es gibt keine schnelle Lösung. Und Palladium, das die geringsten oberirdischen Bestände besitzt, signalisiert zuerst, wenn es ein Problem gibt. Doch tatsächlich können wir auch eine äußerst rasche Veränderung an den Platin-, Silber- und Goldmärkten beobachten, die den ähnlichen gehebelten Positionen oder dem gehebelten Handel zuzuschreiben sind, der an den Märkten stattfindet; die Tatsache, dass es nicht allokierte Kontrakte gibt, hinter denen kein Metall steht.

Ein Großteil derjenigen, die diese Kontrakte besitzen, sind auch kommerzielle Nutzer von Silber und vor allem von Platin. Insgesamt 80% des Palladiums wird für den Bau von Katalysatoren in Fahrzeugen verwendet und in diesen Katalysatoren kann man die Kontrakte offensichtlich nicht verwenden. Diejenigen, die Metall benötigen, brauchen das Metall, am besten sofort. Und das bindet diesen Bullionbanken, die in Wirklichkeit nur mit diesen Papierschuldbriefen gehandelt haben, die Hände.

Ich erwarte also, dass sich das auf Silber und anfänglich auf Platin übertragen wird. Letztlich auch auf Gold. Das gelbe Edelmetall besitzt den größten oberirdischen Bestand gegenüber dessen jährlicher Nachfrage, wird jedoch noch immer eng gehalten.


Mike Gleason: Wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann erzählen Sie unseren Zuhörern doch, was der Begriff Backwardation an den Metallmärkten zu bedeuten hat.

David Jensen: Sicher. Backwardation tritt auf, wenn der Spotpreis höher ist als der Forward- oder Futurespreis. Das Gegenteil nennt sich Contango; also wenn der Futurespreis höher ist und die Kosten widerspiegelt. Wenn Sie einen Kontrakt am Futuresmarkt erwerben, dann spiegelt dieser teilweise die Kosten für Lagerung und die Versicherung des Materials für diesen Zeitraum wider.

Eine Backwardation bedeutet, dass die Nachfrage nach sofortiger Lieferung am Spotmarkt so hoch ausfällt, dass diese die Forwardkosten übersteigt. Und tatsächlich wird signalisiert, dass es so wenig Metall am Markt gibt, dass Metallbesitzer nicht in der Lage sind, die Nachfrage mit einem garantierten Gewinn in Fiat-Dollar zu decken.

Wenn Sie Spot verkaufen und einen Futureskontrakt erwerben, wird Ihnen theoretisch garantiert, das Metall zurückzuerhalten, oder es ist zumindest wahrscheinlich, dass Sie es zurückbekommen. Des Weiteren sollten Sie somit in der Lage sein, einen nützlichen Gewinn innerhalb einer kurzen Zeitspanne zu machen.

Wenn Sie diese nachhaltigen Backwardations also erkennen, wie in Palladium, dann ist das ein weiteres Zeichen für das Problem am Markt. Also, dass man nicht genügend Metall beschaffen kann, um den Metallpreis zurück zu seinem normalen Contango zu bringen; also wenn der Futurespreis höher ausfällt als der Spot- oder sofortige Liefermarkt.


Mike Gleason: Wenn wir Lieferausfälle von Palladium beobachten können, was sind Ihrer Ansicht nach dann die Konsequenzen für Gold und Silber? Werden all diese desinteressierten Händler die Verbindung zwischen dem, was dort passiert ist, und dem, was Gold und Silber passieren könnte, herstellen? Und werden Regulierungsbehörden endlich aufwachen und Maßnahmen ergreifen? Wie denken Sie, wird sich das abspielen?


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