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Interview mit David Jensen

21.01.2019  |  Mike Gleason
- Seite 3 -
David Jensen: Nun, ich denke, Mike, dass die Möglichkeit eines Domino- oder Übertragungseffektes auf die Märkte besteht. Ich bin noch immer skeptisch, was die LBMA angeht, wenn man bedenkt, dass diese 1987 von der Bank of England gegründet wurde. Seitdem haben wir während dieser Zeitspanne über mehrere Jahrzehnte hinweg - wie wir durch die Arbeit von Dmitri Speck gesehen haben - beobachten können, dass der Preis während der beiden Preisfestlegungen, die jeden Tag stattfinden, nach unten gedrückt wird.

In London behauptet man, dass es 1,7 Milliarden Unzen Silberpositionen in verschiedenen Kontraktformen gibt. Und die industriellen Silbernutzer können diese nicht allokierten Kontrakte, ähnlich wie die Katalysatorproduzenten (die physisches Palladium erwerben), nicht in ihren industriellen Verfahren verwenden. Sie brauchen tatsächlich physisches Metall. Palladium ist meiner Ansicht nach also dabei, die Aufmerksamkeit innerhalb des Marktes auf dieses Problem zu lenken: die fehlerhafte Marktstruktur nach jahrzehntelanger Preisdrückung durch Verwendung nicht allokierter Kontrakte. Durch die große Anzahl an Positionen am Silbermarkt sehe ich hier Potenzial. Bei Platin wissen wir die genaue Zahl leider nicht, diese werden nicht veröffentlicht. Aber ich sehe definitiv Potenzial für Silber und für eine übergroße Bewegung.

Wie diejenigen, die das Metall benötigen, zu sagen pflegen: "Angesichts dessen, was wir am Palladiummarkt beobachten können - das Problem der nicht allokierten Kontrakte - möchten wir das Metall jetzt geliefert bekommen, um unser Angebot zu sichern." Und Leverage in Silber, Gold und Platin gibt es dort auch. Man braucht nur einen geringen Prozentsatz von Haltern, um eine übergroße Bewegung am Markt zu verursachen.


Mike Gleason: Ja. Was die Leute im Gedächtnis behalten sollten: Auch Palladium und Silber haben eine Menge industrieller Nutzer. Dazu sind diese Metalle primär dar. Vor allem Palladium. Im Jahr 2000 sahen wir, dass die Autohersteller besorgt darüber waren, physisches Angebot aus Russland zu erhalten, also horteten sie das Metall.

Der Palladiumpreis stieg daraufhin. Man sollte meinen, dass so etwas auftritt, wenn sich einige dieser industriellen Nutzer darum sorgen, was passiert, wenn sie das physische Metall nicht für Rohmaterialien erhalten und dann keine Produkte mehr herstellen können. Sie werden sich selbst nicht in eine derartige Position bringen, sondern tun, was auch immer notwendig ist, um das Metall zu bekommen, richtig?


David Jensen: Ja. Typischerweise stellen diese Edelmetalle nur einen relativ geringen Prozentsatz der Kosten von produzierten Gütern dar. Und während vernünftige Lieferkettenmanager diese Situation betrachten, werden sie meinen: "Wir sind uns dem Problem der nicht zugewiesenen Kontrakte bewusst. Das Signal wurde gesendet und wir wollen uns nicht in eine Position bringen, in der wir nicht in der Lage sind, die Güter aufgrund einer Kostenkomponente zu verschicken, die einen kleinen Prozentsatz des tatsächlich fertigen Preises widerspiegelt, bei dem wir diese kleinen Elemente nicht beschaffen können und demnach eingeschränkt sind."

Hierbei denke ich an Handy-Hersteller und andere Unternehmen. Photovoltaikanlagen und Elektrogeräte. Ich denke also, dass sich dieses Bewusstsein auf dem Markt ausbreiten wird. Bis hin zu dem Punkt, an dem man sich von der Just-In-Time-Lieferung und dem Halten von relativ großen Spotkontrakten entfernt und dies zu einem sicheren mehrmonatigen Bestand wird, um kontinuierliche Materialflüsse sicherzustellen.

Aufgrund des Leverage am Markt, wie ich zuvor erwähnte, kann ich mir denken, dass das eine Außenwirkung haben kann; eine Situation, in der es mehr Forderungen am Markt gibt, als tatsächliches Metall. Also braucht man eine geringe Anzahl an Forderungshaltern zu Konvertierung von physischem Metall, um einen unordentlichen Markt oder einen gestörten Markt wirksam werden zu sehen.


Mike Gleason: Ja. Knappheiten erzeugen mehr Knappheiten, wie man immer sagt. Und das könnte zu einem echten Wahnsinn werden, wenn die Leute versuchen, das Metall in ihre Hände zu bekommen.

Wir haben hier bereits über kaputte Märkte gesprochen, wenn es um diese Futuresbörsen geht. Wenn wir einige Jahre zurückgehen, dann hatten wir da die Finanzkrise 2008, 2009. Sie läuteten die Alarmglocken, bevor das alles begann. Sprechen Sie doch hierüber. Danach möchte ich einen Vergleich zu heute ziehen und Ihre Gedanken dazu hören, wie die Unsicherheit, die Unmengen an Schlingerkursen und die Volatilität an den Aktienmärkten möglicherweise zum nächsten finanziellen Zusammenbruch führen könnten. Vermitteln Sie uns doch Ihre Einblicke.


David Jensen: Sicher. Im Jahr 2007 setzte ich mich wieder mit dem Gouverneur der Bank of Canada, David Dodge, in Verbindung, der ein ehemaliger Gastdozent meiner Universität war, als ich dort meinen Master of Business Administration 1998 und 1999 machte. Er hatte gerade eine Rede hier am Vancouver Board of Trade in Vancouver gehalten und meinte, dass die Störungen, die wir am Markt für gedeckte Commercial Papers sehen würden, nur ein Signal für Risikoanpassungen sei und die Dinge an sich in Ordnung seien.


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