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Selbst trainierte Affen könnten es besser machen

23.02.2019  |  James Rickards
Am 15. August 2007 trat ich zum ersten Mal live im Finanzfernsehen auf. Es war ein Gastauftritt bei CNBCs Squawk Box während der anfänglichen Phase der Finanzkrise 2007 bis 2008.

Natürlich wusste damals noch niemand, wie und wann die Dinge ihren Lauf nehmen würden, doch mir war klar, dass ein Zusammenbruch bevorstand; derselbe Zusammenbruch, vor dem ich Regierungen und Akademiker seit 2003 gewarnt hatte.

Seitdem habe ich an 1.000 Live-Interviews teilgenommen, doch das erste ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Carl Quintanilla interviewte mich damals mit Unterstützung von Becky Quick, und beide waren äußerst gastfreundlich.

Die beiden und das Studioteam sorgten dafür, dass ich mich wohlfühlte, auch wenn es mein erstes Mal in einem Studio und mein erstes Treffen mit ihnen war. Joe Kernan blieb während des Interviews hinter der Kamera, hatte uns den Rücken zugekehrt und las die Sportseite der New York Post; aber so ist Joe nun einmal. In den folgenden Jahren interagierten wir während meiner vielen Interviews häufig.

Als ich fertig war, fragte ich mich neugierig, wie viele Gäste CNBC wohl an einem Tag interviewte. Das Live-Interview sorgte dafür, dass ich mich ein wenig besonders fühlte, doch ich wollte wissen, wie besonders es wirklich war, Gast zu sein. Die Antwort war ernüchternd und brachte mich auf den Boden der Tatsachen zurück.

CNBC hat an einem einzigen Tag etwa 120 Gäste, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Viele dieser Gäste werden wiederholt eingeladen, ebenso wie ich während dem Krisenverlauf häufiger eingeladen wurde. Doch ich war nur ein Gesicht von vielen.

Wie nutzten diese Gäste ihre Sendezeit? Nun, größtenteils stellten sie Prognosen auf. Sie prognostizierten Aktienkurse, Zinsen, Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenzahlen, Rohstoffpreise, Wechselkurse, was auch immer.

Die Finanzmedien sind eine große Prognosemaschinerie und das Publikum scheint einen unstillbaren Appetit für diese zu haben. Das ist natürlich. Menschen und Märkte mögen Unsicherheit nicht und jeder, der die Zukunft vorhersagen kann, wird eine Zuhörerschaft gewinnen.

Das wirft die Frage auf: Wie korrekt sind diese Prognosen?

Niemand erwartet Perfektion oder so etwas. Ein Prognostiker, der 70% der Zeit richtig liegt, ist der Menge voraus. Wenn Sie tatsächlich 55% der Zeit richtig liegen, befinden Sie sich ebenfalls bereits in einer Position, in der Sie Geld machen können. Denn sie liegen häufiger richtig als falsch. Wenn Sie Ihre Spekulationen korrekt abschätzen und Verluste reduzieren, wird Ihnen ein Prozentsatz von 55% überdurchschnittliche Gewinne ermöglichen.

Sogar Affen können bei diesem Spiel mitmachen. Wenn man beliebige, binäre Folgen prognostiziert (Aktien steigen oder fallen, Zinsen hoch oder niedrig, etc.), dann wird ein Affe mit 50% der Wahrscheinlichkeit richtig liegen, oder eben falsch. Der Grund dafür ist, dass Affen keinerlei Ahnung haben und einfach zufällig raten.

Beliebige Prognosen über beliebige Resultate werden über eine nachhaltige Zeitspanne hinweg die Hälfte der Zeit "richtig" und die Hälfte der Zeit "falsch" liegen; eine Prognosewahrscheinlichkeit von 50%. Damit werden Sie sicherlich kein Geld verdienen, aber verlieren werden Sie auch nichts.

Wenn 70% Genauigkeit also verblüffend ist, 55% in Ordnung sind und 50% Genauigkeit von trainierten Affen erreicht werden kann, wie sieht es dann mit tatsächlich professionellen Prognostikern aus? Die Antwort: Weniger als 50%.

In anderen Worten: Professionelle Prognostiker sind schlechter als trainierte Affen darin, die Marktentwicklungen vorherzusagen.

Sie wollen Beweise? Jedes Jahr prognostiziert die Federal Reserve das Wirtschaftswachstum auf einer 1-Jahresbasis. Und den Großteil des Jahrzehnts lag sie damit jedes Jahr falsch. Wenn ich "falsch" sage, dann meine ich damit die Größenordnung.

Wenn die Fed ein Wachstum von 3,5% prognostiziert und das tatsächliche Wachstum 3,3% beträgt, dann halte ich das für gut.

Doch, wenn die Fed ein Wachstum von 3,5% prognostiziert und dieses dann in Realität bei 2,2% liegt, dann stimmt das noch nicht einmal im Entferntesten, wenn man bedenkt, dass das Wachstum über den Großteil der Jahre hinweg auf plus oder minus 4% beschränkt ist.

Wenn Sie fehlerhafte oder obsolete Modelle verwenden, dann wird das jedes Mal zu inkorrekten Analysen und schlechter Politik führen. Es gibt kein besseres Beispiel hierfür als die Federal Reserve.


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