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Die Falken kapitulieren

08.02.2019  |  Peter Schiff
Man sagt, dass es keine Atheisten in Schützengräben gäbe. In letzter Zeit wurde es auch deutlich, dass es keine geldpolitischen Falken in Bärenmärkten gibt.

In den letzten zehn Jahren haben viele konservative Marktanalysten unsere Abhängigkeit von geldpolitischen Anreizen, um die Wirtschaft und den Aktienmarkt anzukurbeln, angeprangert. Aber in den letzten Monaten im Jahr 2018, angesichts der schlimmsten Marktrückgänge innerhalb von zehn Jahren, gaben viele dieser angeblich pragmatischen Persönlichkeiten ihre Überzeugungen auf.

Als die Märkte kurz ins Bärengebiet eintauchten, verbündeten sich geldpolitische Falken mit den Tauben und Präsident Trump in einem lautstarken Ruf danach, dass die Fed ihre geplanten Zinserhöhungen und Bilanzkürzungen streicht. Und es scheint, als sei die Botschaft bei der Fed angekommen. Fast über Nacht lenkte die Fed ein, was die Wall Street dazu veranlasste, Entwarnung zu geben.

Während der Obama-Administration schienen viele dieser ehemaligen Falken meine Ansicht zu teilen, dass große Defizite ein großes Problem darstellen und dass eine Wirtschaft, die auf 0%-Zinsen, Quantitativer Lockerung (QE) und Defizitfinanzierung basierte, gar keine richtige Wirtschaft war.

Donald Trump griff diese Botschaft 2016 in seinem Wahlkampf auf. Und sie stieß auf die offenen Ohren vieler Amerikaner, die verständlicherweise verärgert waren, dass die Blasen, die durch diese Strategien entstanden, in erster Linie den Reichen zugutekamen. Doch nun, da es einen Republikaner im Weißen Haus gibt (und ein Hauch von Angst an der Wall Street), verflogen diese Sorgen schneller als eine kühle Sommerbrise in Texas.

Aber eines muss klar sein: Es war nichts normal an dem fast zehnjährigen, rekordbrechenden Bullenmarkt des S&P-500-Index, der am 24. Dezember 2018 ein spektakuläres Ende fand. (Während des Bullenmarkts vervierfachte sich der S&P seit Februar 2009 und zog sich nie mehr als um 20% zurück.)

Es war auch nichts normal an seinem spektakulären Ende. Der schlimmste Dezember seit 1931 in der großen Depression wurde durch das größte Heiligabendmassaker abgeschlossen. Die "Weihnachtsmann-Rallye" wurde verschoben, bis der Fed-Grinch es sich anders überlegte.

Wie sich herausstellte, war alles, was die Märkte zu Weihnachten wollten, eine milde Fed. Und als Jerome Powell endlich den richtigen Ton angab, machte das Dezembermassaker schnell Platz für einen großartigen Auftakt ins Jahr 2019 an den Aktienmärkten. Für viele bedeutete der Anstieg, dass wir das Schlimmste hinter uns haben. Aber diese Schlussfolgerung lässt sowohl die Größe der Blase außer Acht, die sich in den letzten zehn Jahren gebildet hat, als auch das Ausmaß von echten Bärenmärkten.

Laut CNBC dauerten die Bärenmärkte seit dem Zweiten Weltkrieg durchschnittlich 13 Monate. Dabei verloren Aktien im Durchschnitt 30,4% an Wert. Mit der bemerkenswerten Ausnahme vom Börsensturz am Schwarzen Montag 1987 (bei dem es nur einen Tag dauerte, um ins Bärengebiet einzutreten), entwickelten sich diese Baissen über mehrere Monate hinweg und dauerten nach dem Durchbruch der 20%-Schwelle an. Die letzten zwei Bärenmärkte dieses Jahrhunderts (der aktuelle Bärenmarkt nicht mitgezählt) liefern schonungslose Beispiele für diese Tendenzen.

Nach einem Rekordanstieg in den späten 1990ern stellten Investoren im März 2000 endlich fest, dass Unternehmen ohne Gewinn oder Umsatz keine guten Investitionen darstellten. Selbst mit dieser entscheidenden Erkenntnis dauerte es elf Monate, bis der Markt von seinem Rekordhoch fiel und in Bärengebiet eintauchte. Danach verliefen die Aktienkurse für weitere 18 Monate abwärts, bis sie Ende September 2002 einen Rückgang von insgesamt 40,3% verzeichneten.

Während des gesamten Bärenmarkts kämpfte Alan Greenspans Federal Reserve gegen die Rückgänge, indem sie die Zinssätze um mehr als 400 Basispunkte kürzte. Ohne einen derart drastischen Anreiz, glaube ich, wären die Verluste um einiges schlimmer gewesen. Schließlich half der Anreiz dabei, eine fulminante Rallye auszulösen, die die Aktien von September 2002 bis Oktober 2007 um 90% nach oben schob. (Der Ausgleich für die Verkürzung eines Aktienbärenmarkts erschuf eine Immobilienblase, die die Finanzkrise 2008 zur Folge hatte, als sie platzte.)

Nur zwei Monate, bevor die große Rezession im Dezember 2007 begann, fing der S&P wieder an zu sinken. Dieses Mal dauerte es zehn Monate, bis der Index im Bärenmarktbereich landete. Aber wie im Dotcom-Fall, war der Rückgang um 20% erst der Anfang. Es dauerte weitere acht Monate, bis der Ausverkauf endlich beendet war. Die Aktien sanken insgesamt um 56% von ihren Höchstständen im Jahr 2007. Dieses Mal reagierte die Fed mit einem noch größeren Anreiz. Fed-Vorsitzender Bernanke kürzte den Tagesgeldsatz um 500 Basispunkte (100 mehr als 2002).


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