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Wie sollten wir investieren?

11.02.2019  |  John Mauldin
"Um bei etwas absolut sicher zu sein, muss man alles oder nichts darüber wissen." - Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister

In diesem Monat habe ich einige mögliche Wege für 2019 besprochen. Doch im letzten Jahr habe ich darüber gesprochen, welche Entwicklungen ich für das nächste Jahrzehnt erwarte. Der Begriff, den ich oft verwende, ist Großer Neustart oder Reset. Meiner Ansicht nach ist das jedoch so viel mehr als nur ein Reset der weltweiten Schulden.

Einige ähnlich wichtige Trends, die alle außergewöhnlich ereignisreich sind - teils unglaublich positiv und teils frustrierend negativ - werden, wenn wir sie (wohl oder übel) zusammennehmen, eine Ära herbeiführen, die alles bis dahin Gesehene in den Schatten stellen wird. Ich nenne es das Zeitalter der Transformation.

Wir können in der Geschichte auf Ereignisse hinweisen, die diesen individuellen Trends ähneln. Und wir können argumentieren, dass einige von ihnen relativ simultan stattfanden ... die Betonung liegt auf "relativ." Die Geschwindigkeit dieser Transformation wird atemberaubend sein. Dass all diese Veränderungen in einem einzigen Jahrzehnt stattfinden, ist ein einmaliges Ereignis.

Das wird eine außergewöhnlich (und ich verwende dieses Wort genau) schwierige Zeit für diejenigen werden, die sich in ihrer Investmentplanung auf historische Präzedenzfälle verlassen. Die Phrase "Vergangene Leistung deutet nicht auf zukünftige Ergebnisse hin" hört man öfters und wir müssen erneut untersuchen, was das letztlich bedeutet. Üblicherweise verwenden wir sie, um auszudrücken, dass vergangene Profite einer bestimmten Investition den zukünftigen Profiten nicht unbedingt entsprechen müssen. Es wurde Teil des Juristenjargons und wird typischerweise ignoriert.

Ich denke, wir müssen das genauer analysieren. Wir sollten vielmehr sagen, dass die Umstände, die zu den vorherigen Leistungen führten, in Zukunft nicht mehr dupliziert werden können. In anderen Worten: Diesmal ist es vielleicht anders.

Ich vertrete schon seit einiger Zeit die Ansicht, dass sich diese Umstände im nächsten Jahrzehnt nicht nur keinesfalls wiederholen, sondern auch zutiefst und äußerst anders sein werden. Das bedeutet, dass wir andere Resultate erhalten werden, als die meisten Leute erwarten.

Ich möchte hier deutlich sprechen. Ich bin kein Schwarzmaler. Wenn ich sage, dass wir andere Ergebnisse erhalten werden, als die Geschichte andeutet, dann meine ich, dass wir die Welt aus einem neuen Blickwinkel heraus betrachten müssen, um die Resultate zu erhalten, die wir haben möchten. "Wie gehabt" zu investieren, wird hier nicht helfen. Gute und eventuell solide Profite werden möglich sein, doch nicht mit der alten Weltanschauung.

Ich glaube, dass wir innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Rezession erleben werden. Ray Dalio meint, dass wir uns 2020 in einer Rezession befinden werden. Mark Yusko argumentiert, dass sich die USA zum Ende 2019 in eine Rezession bewegen werden. Mark und Ray sind klüger als ich. Meine Kristallkugel ist ein wenig trüber und nicht in der Lage, das genaue Timing vorherzusagen.

Wie auch immer; es stellt keinen großen Unterschied für Ihr Portfolio dar, ob die Rezession nun 2019 oder 2020 eintritt. Die Benchmarks werden um etwa 40% bis 50% fallen - einige mehr, einige weniger. Ihr Portfolio wird in demselben Ausmaß betroffen sein, in dem sie in Aktien und Finanzmärkte investiert haben.


Die außergewöhnliche Macht der politischen Arena

Lange Zeit hatte die Politik eher kurzfristige Bedeutung für den Markt, doch der langfristige Treiber war eine wachsende, halbfreie und halbkapitalistische Wirtschaft. Des Weiteren führte die Federal Reserve, beginnend mit Volcker, eine Ära außergewöhnlich niedrigerer Zinsen und einfachen Geldes ein, die fast 40 Jahre anhielt. Das verhalf Regierungen und Unternehmen weltweit dazu, ihre Schulden beängstigend schnell wachsen zu lassen. Wie ich in anderen Artikeln demonstriert habe, könnten die weltweiten Schulden in einigen Jahren rasch 500 Billionen Dollar erreichen. Investoren und Unternehmen verhalten sich, als sei das normal und könne sich weiter so fortsetzen.

Irgendwann werden wir eine Rezession erleben, die durch außergewöhnlich hohe Unternehmensschulden verschlimmert werden wird. Genau wie die Subprime-Hypothekenschulden die letzte Rezession auslösten, werden Unternehmensschulden die nächste verursachen. (Ich bin sicher, dass es Kongresssitzungen und weltweite Furcht geben wird. Dann werden neue Regelungen eingeführt werden, die zukünftige Unternehmensschulden eindämmen sollen, während die Regierungsverschuldung ignoriert und sogar erhöht wird. Seufz.)

Diese Unternehmensschulden werden eine Liquiditätskrise herbeiführen und Chaos an allen "nicht zugehörigen" Märkten stiften. Investoren werden erneut lernen, dass alle Vermögenswertklassen weltweit korrelieren, wenn es zur Krise kommt. Es wird wenig Zufluchtsorte geben.

Doch dann wird die Rezession enden - wie alle Rezessionen - und die Erholung beginnen. Denn so verhält es sich nach Rezessionen. Außer, dass es diesmal anders sein wird.

Die Erholung nach der Großen Rezession war die schwächste, die man je verzeichnete. Die nächste Erholung wird noch schwächer sein. Darüber habe ich bereits geschrieben und Lacy Hunt und andere Autoren zitiert. Schulden, die sich nicht selbst finanzieren, begünstigen den zukünftigen Konsum. Aktuell genießen wir Konsum und Wachstum, wie es sie in Zukunft nicht mehr geben wird. Dann stellen Schulden einen Widerstand für das zukünftige Wachstum dar, und die weltweite Schuldenmenge einen monströsen Widerstand für das zukünftige Wachstum. (Beachten Sie die Unterscheidung von Schulden für den aktuellen Konsum und Schulden für die zukünftige Produktion. Das ist ein enormer Unterschied.)


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