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Axel Merk: Fed in "unerforschten Gewässern"

12.02.2019  |  Mike Gleason
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Axel Merk: Nun, das war meine Meinung, ja. Und natürlich zählt meine Meinung nicht. Es zählt nur, was Powell denkt, da er derjenige ist, der die Entscheidungen trifft, richtig? Nicht ich. Ich habe hierzu nur einige Gedanken. Offensichtlich hat Powell deutlich zurückgerudert. Dabei gibt es zwei Faktoren zu beachten. Die Zinskurve und dann diese wunderbare Maßnahme, die sich quantitative Straffung schimpft. Lassen Sie uns doch zuerst hierüber sprechen.

Erinnern Sie sich daran, als Yellen damals über Farbe sprach, die an der Wand trocknete. Im Großen und Ganzen entschieden sie, dass die Fed-Bilanz zu groß sei und diese reduziert werden müsse. Das ist alles, was man entschied. Sie dachten nicht darüber nach, wohin dieser Pfad sie führen würde. Meiner Ansicht nach dachten sie, sie hätten bis Ende dieses Jahres Zeit, bis sie entscheiden müssen, wie niedrig sie die Bilanz halten möchten. Tatsächlich tobte der Markt und Powell meinte daraufhin: "Okay, wir müssen etwas tun."

Doch während des FOMC-Treffens sagte er nur etwas wie: "Wir haben immer noch keine Ahnung." Er benutzte nicht genau diese Worte, sondern erklärte "Ja, wir ziehen in Betracht, etwas zu tun." Und das zeigt tatsächlich, dass die Fed keinerlei Plan mit der quantitativen Straffung verfolgt. Sie befinden sich in unentdeckten Gewässern und es gibt keine akademischen Rahmenbedingungen, keinen vorgefertigten Rahmen, nachdem man sich richten könnte.

Man kann dem Markt nur zuhören und das ist gefährlich. Denn die Fed muss bestimmen, was der risikofreie Vermögenswert ist. Die regulatorischen risikofreien Staatsanleihen. Und wenn die Fed also nur meint "Hey, lassen wir das den Markt bestimmen", dann schafft das ein interessantes Hin und Her. Ich möchte nicht andeuten, dass es nicht besser wäre, wenn der Markt alles bestimmen würde, doch in Kombination mit der Fed schafft das ein Wirrwarr merkwürdiger Dynamiken.

Wir befinden uns noch immer in "neutralem" Gebiet. Doch die Arbeitslosenzahlen sanken und die Gehälter stiegen. Irgendwann wird das nicht länger funktionieren und ich denke, dann werden wir den Fuß noch mehr vom Gaspedal nehmen müssen. Denn noch geben wir Gas. Obwohl wir einige Probleme in den Schwellenländern hatten - in denen der Zugang zu Krediten zählt - sind die finanziellen Umstände in den USA in Ordnung. Es geht darum, die Zinsen zu erhöhen, um die finanziellen Konditionen zu straffen.

Das trat nicht ein; mit Ausnahme von Schwellenländern und einigen schlechten Gegenden. Aber in Mainstream-Amerika wurden diese Bedingungen nicht gestrafft und das ist meiner Meinung nach der Grund, warum sie ihre Haltung im späteren Jahresverlauf überdenken werden. Womöglich sogar bereits diesen Sommer. Denn da die Zinserhöhungen aktuell vom Tisch sind, gab es Rallys an den Märkten, Rallys in den Metallen. Die Leute denken: "Vielleicht wird die Wirtschaft irgendwann schwächer."


Mike Gleason: Ja, die glücklichen Tage scheinen zumindest kurzfristig wiedergekehrt zu sein. Einer der Gründe, warum es so gut ist, Sie bei uns zu haben, ist, dass Sie auch ein genaues Auge auf die internationalen Märkte werfen. In Europa und China geht eine Menge vor sich. Die chinesische Wirtschaft scheint nachzulassen und jegliche ernsthafte Rezession könnte große Auswirkungen auf uns alle haben. Die politischen Unruhen in Europa könnten die Märkte ebenfalls antreiben. Was wird sich international als die nächste große Story herausstellen, die Investoren hier in den USA beeinflussen wird, Axel?

Axel Merk: Die größte Story mag nicht immer die größte Auswirkung mit sich bringen. Sie haben China richtigerweise zuerst genannt. China ist einfach so viel größter, also ist es wichtig, was dort passiert. China verzeichnete definitiv nachlassendes Wachstum. Es gibt eine Vielzahl an Anreizen, um dieses anzukurbeln. Man versucht, die Zinsen nicht tatsächlich senken zu müssen, also werden die meisten Mindestreserveanforderungen reduziert und Steuern gesenkt. Sie mögen es nicht, die Zinsen zu senken, da sie nicht zu viel mit den Wechselkursen herumpfuschen wollen.

Diese sollen relativ stabil bleiben, was auch immer das mit dem Yuan heutzutage heißen mag. Also gibt es einen kleinen Abschwung. Wenn sie "in Panik verfallen", bedeutet das, dass eine Flut an Anreizen folgen wird. Derzeit ist man jedoch relativ davon überzeugt, dass der Anreiz funktionieren wird. Die "nächste große Story" mag vielleicht der Brexit sein. Sogar Powell hat diesen angesprochen. Das gute alte Imperium macht heute weniger als 3% des weltweiten BIPs aus. Also ja, der Brexit ist wichtig, zählt jedoch nicht so sehr wie andere Dinge dort draußen.

Ähnlich war Italien eine Nebenvorstellung. Sicherlich wird es in der Europäischen Union zu Wahlen kommen und sicherlich werden die Populisten mehr Stimmen erhalten, doch nichts davon ändert die weltweiten Dynamiken. Was offensichtlich auf Weltebene geschieht, sind Handelsgespräche. Die allgemeine Auffassung ist: Es gibt Lösungen.

Diese werden sicherlich nicht schon morgen implementiert werden, doch Draghi, der Kopf der europäischen Zentralbank, meinte: "Oh, wir haben unsere Prognose nach unten korrigiert. Es ist jedoch nicht so, als würden wir negative Resultate dieser vielen Risikoszenarien erwarten." Das ist es, was Draghi meinte. Er denkt tatsächlich, dass der Großteil dieser Szenarien positive Resultate zeigen wird. Doch aufgrund der Unsicherheit wurde die Stimmung beeinflusst. Und das stellt natürlich dieselbe Gefahr wie mit dem US-Verbraucher dar: Es könnte tatsächlich schwächeres Wachstum verursachen.

All diese Risiken, die es dort draußen gibt, sind lösbar. Die meisten Leute glauben auch, dass wir das Problem des Brexits vor uns herschieben werden. Das ist es, was starke Oberhäupter scheinbar am besten können. Morgen wird die Welt immer noch existieren, während amerikanische Verbraucher weiterhin fröhlich Geld ausgeben.


Mike Gleason: Was könnte das alles für die Edelmetalle bedeuten? Können Sie uns hier eine kurze Zusammenfassung liefern, was Sie im Laufe des Jahres für den Metallmarkt erwarten?


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