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So ganz ohne Wertvorstellung geht es eben doch nicht

01.05.2019  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Wie beim Investieren in Einzelaktien sollte man auch beim Investieren in Aktienmarktindizes eine (hinreichend genaue) Vorstellung vom Wert der im Index enthaltenen Unternehmensaktien haben.

Beim Investieren steckt niemand gern Verluste ein. Verluste verlangen übrigens auch verstärkte Anstrengungen, um sie wieder auszubügeln. Ein einfaches Beispiel soll das zeigen (siehe dazu die nachstehende Tabelle). Nehmen wir an, Sie investieren 100 Euro in eine Aktie.

Nun fällt der Börsenkurs der Aktie, nachdem Sie gekauft haben, um 10 Prozent. Ihr Anlagebetrag beträgt folglich nur noch 90 Euro. Um den 10-prozentigen Verlust auszugleichen, muss die Aktie schon um 11,11 Prozent steigen. Bei einem Kursverlust von 20 Prozent sind bereits 25 Prozent Rendite erforderlich, um zum Ursprungsbetrag zurückzugelangen; und bei 50 Prozent Kursverlust sind es sogar bereits 100 Prozent.

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Man erkennt: Beim Investieren sollte man große Sorge dafür tragen, dass es erst gar nicht zu Verlusten kommt. Doch wie? Zunächst einmal muss sich der Investor darüber im Klaren sein, was Verluste eigentlich sind und was nicht. Es bietet sich an, zwischen Buchverlust und dauerhaftem Kapitalverlust zu unterscheiden. Der Buchverlust besteht darin, dass der Börsenkurs der Aktie (vorrübergehend) unter den Kaufpreis fällt.

Das kann durchaus vorkommen. Schließlich geht es an der Börse immer mal wieder (auch aus unerfindlichen Gründen) abwärts. Doch der Börsenkurs wird früher oder später dem Wert des Unternehmens - verstanden als Summe aller künftigen Gewinne, abgezinst auf die Gegenwart - folgen.

Deshalb sollten Buchverluste den Investor nicht per se aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Nehmen wir an, der Investor hat seine Arbeit gut gemacht und herausgefunden, dass Wert der Aktie 100 Euro beträgt. Er kauft zu diesem Kurs, aber nachdem er gekauft hat, fällt der Kurs auf 50 Euro (aufgrund einer Börsenpanik). Der Buchverlust beträgt 50 Euro; und das ist unangenehm - schließlich man hätte günstiger kaufen können.

Aber wenn der Investor versichert sein kann, dass der Wert der Aktie bei 100 Euro (und dass der Wert der Aktie in fünf Jahren bei, sagen wir, 201,14 Euro) liegt, ist man gut beraten, nicht zu verkaufen und an der Aktie festzuhalten - und, wenn möglich, noch mehr von dieser Aktie zu kaufen.

Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass man den Wert einer Aktie hinreichend genau einschätzen kann (zumindest innerhalb einer gewissen Bandbreite). Wenn man meint, dass man solch eine Bewertung nicht selbst erstellen kann (weil man sich zum Beispiel mit dem Geschäftsmodell der Firma nicht auskennt), ist man gut beraten, die Aktie nicht zu kaufen, sondern sich mit anderen Unternehmensaktien zu beschäftigen, die man bewerten kann.

Wenn man es sich ganz grundsätzlich nicht zutraut, Unternehmensaktien hinreichend treffsicher zu bewerten, sollte man in einen kostengünstigen Aktienmarkt-ETF oder -Index investieren und langfristig investiert bleiben. Das zumindest ist der Rat, den man häufig aus der Finanz- und Investment-Industrie hört. Was ist davon zu halten?

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Quelle: Thomson Financial; Berechnungen Degussa. Die gestrichelte Linie soll den Wert der im Index enthaltenen Aktien symbolisieren.


Wie bedeutsam es für den Investor ist, den Wert einer Unternehmensaktie zu kennen, soll die vorstehende Graphik verdeutlichen. Sie zeigt die Kursentwicklung des S&P 500 Aktienmarkindex von Januar 1990 bis März 2019. Wäre der Anleger von Anfang an investiert gewesen, hätte er eine Gesamtrendite von 7,3 Prozent pro Jahr erzielt (ohne Dividenden und Steuern). Zudem ist in der Graphik eine gestrichelte Linie eingezeichnet. Sie soll den Wert der Aktien symbolisieren. So entsteht das (hier gewollte) Bild, dass die Aktienpreise um ihren Wert schwanken: Mal ist der Börsenpreis über, mal unter dem Wert der Aktien, und nicht selten entsprechen sich auch Preis und Wert der Aktien.


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