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Keynes war ein böser Fiesling

06.04.2019  |  Dr. Keith Weiner
Mein Ziel ist es, Sie wütend zu machen. Nicht auf mich (obwohl ich erwarte, mit diesem Artikel Verärgerung auszulösen), sondern auf das Böse, das im Namen des Kampfes gegen Inflation und der Maximierung von Beschäftigtenzahlen angerichtet wird. Und auf die aggressive Gleichgültigkeit gegenüber diesem Bösen, die von Kapitalisten, Goldenthusiasten und anderen Befürwortern freier Märkte praktiziert wird.

Als ich für mehrere Artikel Nachforschungen betrieb, stieß ich erneut auf alte Passagen von Keynes. Hier einige Ausschnitte:

"Denn ein wenig Überlegung wird zeigen, welch enorme, gesellschaftliche Veränderungen durch das allmähliche Verschwinden einer Ertragsrate auf angesammelten Reichtum herbeigeführt würden."

"Kurz gesagt: Der Gesamtertrag von Gebrauchsgütern über deren gesamte Lebensdauer hinweg würde, wie es bei kurzlebigen Gütern der Fall ist, nur deren Produktionskosten sowie Risikoabschlag und die Kosten von Kompetenz und Überwachung decken.

Nun, diese Sachlage wäre mit einem bestimmten Maße an Individualismus kompatibel, doch würde das den sanften Tod für den Privatier bedeuten und folglich den Tod der kumulativen, unterdrückenden Macht des Kapitalisten den Seltenheitswert des Kapitals zu instrumentalisieren."


Das schrieb Keynes in The General Theory of Employment, Interest and Money im Jahr 1936. Bevor ich diese Aussagen auseinandernehme, möchte ich zitieren, was er 14 Jahre zuvor in The Economic Consequences of the Peace geschrieben hat:

"Lenin soll deklariert haben, dass der beste Weg, das kapitalistische System zu korrumpieren, die Währung sei. Mithilfe der kontinuierlichen Inflation können Regierungen einen wichtigen Teil des Reichtums der Bürger konfiszieren, heimlich und unbeobachtet. Mit dieser Methode konfiszieren sie nicht nur, sondern konfiszieren willkürlich; und, obgleich der Prozess viele Menschen verarmen lässt, bereichert er auch wiederum andere. Diese willkürliche Neuverteilung von Reichtum greift nicht nur die Sicherheit, sondern auch das Vertrauen in die Gleichheit der bereits existierenden Reichtumsverteilung an.

Diejenigen, denen das System Geldregen verschafft, über ihre Wüsten hinaus und sogar über ihre Erwartungen und Wünsche hinaus, werden zu "Nutznießern", die Hassobjekt der Bürger werden, die durch den Inflationismus verarmt sind, nicht weniger des Proletariats. Wenn die Inflation voranschreitet und der Realwert der Währung von Monat zu Monat stark fluktuiert, geraten alle permanenten Beziehungen zwischen Gläubigern und Schuldigern, die das ultimative Fundament des Kapitalismus bilden, so durcheinander, dass sie beinahe bedeutungslos werden; und der Vorgang des Reichtumserhalt zum Glücks- und Lottospiel wird."

"Lenin lag damit sicherlich richtig. Es gibt keinen subtileren, keinen sichereren Weg die existierende Basis der Gesellschaft auf den Kopf zu stellen, als die Währung zu korrumpieren. Dieser Vorgang bezieht alle versteckten Kräfte des wirtschaftlichen Gesetzes auf Seiten der Zerstörung ein; und tut das auf eine Art und Weise, die kein Mensch unter Millionen von Menschen identifizieren kann."

"...der fatale Vorgang, den der subtile Geist Lenins bewusst konzipierte."


Im Jahr 1922 beschrieb er also klar, wie der Kapitalismus zu stürzen war. Zu dieser Zeit versteckte er sich hinter Lenins angeblichen Worten (es ist kontrovers, ob Lenin das wirklich gesagt hat). Doch es ist klar, dass er es verstanden hat, viel klarer als seine späteren Kritiker.

Im Jahr 1936 schrieb er dann von "enormen, gesellschaftlichen Veränderungen" eines "allmählichen Verschwindens einer Ertragsrate auf angesammelten Reichtum." Nicht länger versteckte er sich hinter Papa Lenin.

Und auf welche gesellschaftliche Veränderung bezog er sich? Wäre das die "Zerstörung des kapitalistischen Systems"? Und was bedeutet eigentlich "allmähliches Verschwinden einer Ertragsrate auf angesammelten Reichtum"? Das bedeutet, die Zinsen auf Null zu drücken.

Keynes wusste genau, dass sich die Vermögenswertpreise umgekehrt zur Ertragsrate entwickelten. Er verstand, dass dies bedeutete, dass die Assetpreise in die Höhe schießen würden! Und er bemerkte, dass dies "auf eine Art und Weise [geschieht], die kein Mensch unter Millionen von Menschen identifizieren kann."

"Diese willkürliche Neuverteilung von Reichtum greift nicht nur die Sicherheit, sondern auch das Vertrauen in die Gleichheit der bereits existierenden Reichtumsverteilung an." Das wird heutzutage das Problem der Ungleichheit genannt, das tatsächlich von Kapitalisten und anderweitigen Befürwortern freier Märkte verteidigt wird. Sie denken, dass diese zunehmende Disparität zwischen Anlegern und Verdienern ein Feature der freien Märkte sei! Keynes wusste es besser.

Zurück zu Keynes; er meinte, dass "alle permanenten Beziehungen zwischen Gläubigern und Schuldigern, die das ultimative Fundament des Kapitalismus bilden, so durcheinander geraten, dass sie beinahe bedeutungslos werden; und der Vorgang des Reichtumserhalt zum Glücks- und Lottospiel wird."

Ein Glücks- und Lottospiel. Huh? Wie das Spekulieren auf Aktien, ICOs, Edelmetalle, Immobilien und alles andere?

Er legte seine Zerstörungspläne aus. In klarer Sprache - das ist keine Schlafhilfe voller Differentialgleichungen und einer Sprache, die zur Verschleierung gedacht ist.

Keynes ist der Ellsworth Toohey der Volkswirtschaftslehre. Toohey, der Bösewicht in The Fountainhead, wurde als sehr intelligent dargestellt - und böse. Er verwendete seinen Intellekt dazu, die Leute so zu manipulieren, dass sie sich selbst zerstörten. Keynes tat das in noch größerem Ausmaße.


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