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Der Basel-III-Plan: Goldpreisanstieg bis in die Unendlichkeit?

18.04.2019  |  Dr. Keith Weiner
Eine Menge Leute haben prognostiziert, dass die Bankenregulierungen des Basel-III-Plans dazu führen werden, dass der Goldpreis in die Höhe schießen wird.

Wird er das? Es wäre einfach zu sagen - wie es bei allen anderen Prognosen der Fall ist, laut denen Gold bis in die Unendlichkeit und noch viel weiter steigen soll - "abwarten und Tee trinken." Doch wo bliebe denn da der Spaß? Wir würden viel lieber den Hintergrund dieser Behauptung beleuchten, betrachten wie Banken operieren und erfahren was die Regulierung tatsächlich festlegt.

Also, wer möchte die Bilanz einer Bank verstehen und wie Regulierungsbehörden das Bankenrisiko einschätzen? In anderen Worten: Wer möchte wissen, ob Gold in die Höhe schießen wird?

Wenn Sie weiterlesen, dann nehmen wir mal an, dass Sie das möchten. Wir versuchen uns kurz zu halten.


Die Bankbilanz

Eine Bank nimmt Kredite auf, um die Vergabe von Krediten zu finanzieren. Sie macht Geld, indem sie weniger Zinsen für ihren aufgenommenen Kredit zahlt, als sie für den vergebenen Kredit verlangt. Das können wir mit der Erklärung abkürzen, dass Banken Verbindlichkeiten ausgeben, um ihre Assets zu finanzieren.

Wir fokussieren uns hier nicht auf den Zinsunterschied, da dieser für unsere heutige Diskussion nicht essentiell ist. Nur eine Sache ist wichtig: Langfristige Anleihen zahlen üblicherweise einen höheren Zins als kurzfristige Wertpapiere (derzeit jedoch verläuft der Markt rückwärts. Die Renditekurve hat sich also umgekehrt, was bedeutet, dass die 10-jährige Staatsanleihe weniger Zinsen zahlt als die 1-monatige Staatsanleihe.)

Das gibt den Banken einen starken Anreiz, kurzfristige Verbindlichkeiten zur Finanzierung ihrer langfristigen Assets zu verwenden. Die Finanzierungskosten sind geringer und die Zinsen des Vermögenswerts sind höher. Doch das schafft ein Risiko. Lassen Sie uns einen Extremfall als Beispiel verwenden: Die Verwendung von Sichteinlagen, um 30-jährige Hypotheken zu finanzieren.

Laut der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) beläuft sich der nationale Durchschnitt von Girokonten auf 0,06% Zinsen. Laut der St. Louis Fed besitzt eine 30-jährige Hypothek 4,28% Zinsen. Eine Bank könnte 4,22% Zinsen machen, indem sie 30-jährige Hypotheken mit Girokonten finanziert (vor Aufwendungen). Kein schlechtes Geschäft, doch es gibt einen Haken.

Kontoinhaber können ihre Finanzmittel durch Ausstellen eines Schecks abheben!

Und das würden sie tun, falls auch nur die leiseste Ahnung besteht, die Bank könnte riskant sein. Das Problem ist nicht die Frage, ob die Bank gemäß konventioneller Maßstäbe solvent ist. Die akzeptierte Definition von solvent ist: Assets > Verbindlichkeiten. Oder vielleicht: Einnahmen > Ausgaben. Das ist nicht das Problem.

Die Bank mit den Girokontenverbindlichkeiten und den 30-jährigen Hypothekenassets ist nicht insolvent. Das Problem ist die Diskrepanz bei den Fälligkeiten. Beachten Sie, dass Verbindlichkeiten eine Finanzierungsquelle sind. Stellen Sie sich vor, dass Peter Ihnen einen Kredit gewährt, damit Sie wiederum Paul einen Kredit gewähren können (Paul zahlt Ihnen 5% Zinsen und Sie zahlen Peter 2% Zinsen). Wenn Peter sein Geld zurückverlangt, doch in Ihrem Vertrag mit Paul steht, dass Ihnen dieser den Kredit über 30 Jahre zurückzahlen kann, dann sitzen Sie zwischen zwei Stühlen.

In einer derartigen Situation würde eine Bank zuerst versuchen, die Hypothek zu verkaufen. Es gibt einen Hypothekenmarkt und wenn die Bank diese zum vollen Wert verkaufen kann, dann ist das Problem gelöst. Dann kann der Kontoinhaber bezahlt werden.

Doch wenn alle Banken in diese Art der extremen Fristentransformation verwickelt wären, dann würden zwei Dinge definitiv passieren. Erstens: Dieses Vorhaben würde in die Luft fliegen. Und zweitens: Wenn es in die Luft geht, dann wird der Hypothekenmarkt passen. Also gerade dann, wenn die Bank Hypotheken verkaufen muss, müssen andere Banken ebenfalls verkaufen. Und wahrscheinlich wird es dann keine Käufer geben.

Banken werden entweder nicht in der Lage sein, Hypotheken zu verkaufen oder werden schmerzhafte Verluste verzeichnen, wenn sie dazu gezwungen werden, jedes Angebot anzunehmen, das sie kriegen können. Das erweist sich nicht nur als Garant für einen Sturm auf eine Bank, sondern auch für eine Finanzkrise.



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