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95% minus am Aktienmarkt und ein Riesenproblem, das sich nicht aufschieben läßt

25.04.2019  |  Egon von Greyerz
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Was wird also mit Alfred und seinen Ersparnissen passieren, die er eigentlich den nächsten Generationen weitergeben wollte? Aktien werden wahrscheinlich, effektiv betrachtet, um 95% sinken. Das mag nach Angstmacherei und höchst unglaubwürdig klingen. Wir müssen uns aber wieder vor Augen führen, dass der Dow von 1923 bis 1932 90% verloren hatte und dass es ganze 25 Jahre dauerte, bis der Index wieder den Stand von 1923 erreichte - und das mit Inflation!

Heute hat sich die Situation in den USA und weltweit exponentiell verschlimmert - ob wir nun den Verschuldungsgrad, die Anlageblasen, die Währungen oder Derivate betrachten. Folglich ist ein effektiver Einbruch um 95% durchaus sehr wahrscheinlich. Natürlich heißt das auch, dass viele Aktien auf null fallen und die meisten stark fremdkapitalfinanzierten Unternehmen nicht überleben werden.

Kein Anleger ist auf einen 95 %igen Verfall vorbereitet, auch Alfred nicht. Armer Alfred: Wenn sein 14 Millionen $-Portfolio um 95% fällt, wird es nicht mehr als 700.000 $ wert sein. Doch das ist nicht das Schlimmste - seine Rentenansprüche, die er über 50 Jahre aufgebaut hat, werden wahrscheinlich wertlos sein. Und denken Sie nicht, dass Alfred dann noch Hilfe vom Staat bekommen wird. Dazu wird dieser offensichtlich nicht mehr in der Lage sein, da die Steuereinnahmen ebenfalls minimal sein werden.

Auch wird der Staat nicht mehr in der Lage sein, maßgebliche Schuldverschreibungen zu emittieren. Die Kreditwürdigkeit eines bankrotten Darlehensnehmers ist negativ, also wird auch niemand weitere Schuldeninstrumente kaufen, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen, selbst wenn die Verzinsung 20% betragen würde (was wahrscheinlich ist). Zudem wird praktisch niemand mehr Geld für Investitionen haben, weil man selbst alles im Crash verloren hat.

Vielleicht braucht Alfred gar nicht viel Geld, da sein Haus bezahlt ist und sein 700.000 $-Portfolio vielleicht ausreicht, um mit einem sehr bescheidenen Lebensstil gerade so über die Runden zu kommen.


Aktien müssen um 1.900% steigen, um einen 95%igen Einbruch wettzumachen

Gäbe es also irgendeine Möglichkeit, dass Alfred oder seine Erben den Ausgangswert des Portfolios teilweise oder sogar ganz wiederherstellen könnten? Sehr unwahrscheinlich, würde ich sagen. Wie der Chart unten zeigt, würde ein 95 %iger Wertverlust des Portfolios bedeuten, dass die anschließende Wertsteigerung 1.900% betragen müsste, um den Ausgangswert wieder zu erreichen. Man darf nicht vergessen, dass die Welt einen schwerwiegenden Neustart hinter sich haben wird, der mit einer Dezimierung der globalen Wirtschaft und Produktionskapazität einhergeht. Auch Schuldenfinanzierung wird sich in diesem Umfeld extrem schwierig gestalten.

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Schuldenimplosion und Erosion der Produktionskapazität

Die Welt wird also eine verheerende Vermögens- und Schuldenimplosion erleben, die mit einer Erosion der Produktionskapazität einhergeht. Ob das sehr schnell oder über längere Zeit hinweg geschieht, werden allein die zukünftigen Historiker der Welt erzählen können.

Was auch immer die Regierungen und Zentralbanken zur Rettung der Welt unternehmen werden, sie werden damit dieses Mal scheitern; und das Leid in der Welt wird gewaltig sein. Neben allen finanziellen Notlagen könnten wir zudem soziale Unruhen, Bürgerkrieg und Krieg erleben.

All das klingt extrem verängstigend und deprimierend und das ist es auch, wenn es so kommt. All das hat aber auch ein paar echte Vorteile. Erstens hätte die Welt niemals wieder gesund wachsen können - auf einem Fundament aus Schulden und Derivativen im Umfang von 2 Billiarden $. Nur durch die Auslöschung dieser toxischen Schulden kann sich die Weltwirtschaft überhaupt erst wieder erholen. Es wird wie ein riesiges Feuer sein, das mit dem Totholz aufräumt und dafür sorgt, dass wieder grüne Triebe durchbrechen können.



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