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Die Regeln werden sich ändern, aber das ist (wahrscheinlich) in Ordnung

08.05.2019  |  John Mauldin
- Seite 2 -
Diese simple Rechnung zu begreifen, ist nicht bearisch. Das ist, die Realität zu begreifen.

Es gibt Rufe nach einem Steuersatz in Höhe von 70% für Einkommen über 10 Millionen US-Dollar. Experten, die in der Zeitung The Washington Post zitiert werden, schätzten, dass es etwa 72 Milliarden US-Dollar im Jahr einbringen würde. Und Sie können darauf wetten, dass die Leute ihre Einkommenssteuerklärung bearbeiten werden, um unter diese Schwelle zu kommen. Und angesichts eines Defizits von 2,5 Billionen US-Dollar? Bringt das nicht viel, schon gar nicht, um neue Maßnahmen zu bezahlen.

Die schlichte Tatsache ist, dass höhere Einkommenssteuern für die, die wir für wohlhabend halten, uns nicht einmal ansatzweise zu einem ausgeglichenen Haushalt führen. Aber was ist mit einer tatsächlichen Reichensteuer? Ich meine 1% des gesamten Reinvermögens auf den 1% der reichsten Menschen Amerikas? Hilfsbereit rechnet der Washington-Post-Artikel das für uns vor (Hervorhebungen des Autors):

Slemrod, von der University of Michigan, sagte in einer E-Mail, dass das reichste eine Prozent der Amerikaner ungefähr ein Drittel der 107 Billionen $ Wohlstand in Amerika besitzen. Diese Gruppe besitzt gemeinsam ein Vermögen von ca. 20 Billionen US-Dollar mit über 10 Millionen US-Dollar je Haushalt.

Ab da ist die Berechnung der Reichensteuer einfach: eine Reichensteuer in Höhe von 1% auf die reichsten 1% der Haushalte über 10 Millionen $ könnten ca. 200 Milliarden $ im Jahr einbringen, oder 2 Billionen $ über 10 Jahre. Tedeschi, der ehemalige Offizielle unter Obama, stellte fest, dass eine Reichensteuer von 0,5% auf die oberen 1% höchstens 3 Billionen $ über 10 Jahre einbringen könnte.

Aber auch das würde wahrscheinlich das Verhalten der Amerikaner verändern und vielleicht dazu führen, dass sie ihr Vermögen ins Ausland verlagern, außerdem sagen Wirtschaftswissenschaftler, dass die tatsächliche Höhe der Einkünfte wahrscheinlich niedriger ist, als ihre Schätzungen andeuten. Und das alles unter der Voraussetzung, dass es keine Ausnahmen gibt, für das, was als Vermögen angesehen wird, wie Immobilienvermögen.


Ich wiederhole, ein paar hundert Milliarden im Jahr sind nicht zu verachten, aber bei dem von uns vorgelegten Tempo, würde das nur eine kleine Delle in das Defizit machen.

Das eigentliche Problem? Nicht gedeckte Sozialausgaben. Das Congessional Budget Office (CBO) prognostiziert Billionen-Dollar hohe Defizite zum Ende des nächsten Jahrzehnts nur aufgrund von nicht gedeckten Sozialausgaben. Und dann ist da noch die lästige kleine Tatsache, dass wir letztes Jahr über 500 Milliarden US-Dollar für Zinszahlungen ausgaben.

In einer Rezession und Baisse könnten die 6 Billionen US-Dollar an nicht gedeckten Rentenverbindlichkeiten in staatlichen und lokalen Bilanzen ganz leicht auf 9 Billionen US-Dollar steigen, eine Zahl, die die meisten nicht begleichen können. Entweder müssten Feuerwehrleute, Polizisten, Lehrer, ehemalige Regierungsangestellte usw. auf ihre vereinbarten Gehälter und Renten verzichten müssen oder staatliche und lokale Steuern müssten stark ansteigen; oder die US-Regierung wird eingreifen müssen.

All das wird in einem Umfeld passieren, in dem die Federal Reserve gegen eine Rezession und eine langsam wachsende Wirtschaft ankämpft, in dem Versuch, diese Assetpreise wieder aufwärts zu bewegen, um den Rentenfonds zu helfen. Also ist mein Vorschlag, dass die Bilanz der Federal Reserve bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts auf 10 Billionen US-Dollar und auf 20 Billionen zum Ende des Jahrzehnts ansteigen würde, gar nicht so ungeheuerlich. Und wir sind noch gar nicht wirklich bei japanischen Ausmaßen angelangt.

Diese Analyse ist nicht "bearisch". Ich betrachte einfach die Zahlen, mache die Rechnungen und stelle fest, dass wir uns eine Menge Geld leihen werden müssen, um unseren Verpflichtungen nachzukommen.

Ich könnte falsch liegen, wenn Politiker von jeglicher Partei mit dem Wahlversprechen ,"Ich werde die Sozialversicherung und Medicare kürzen, das Verteidigungsbudget reduzieren und viele weitere kleine, lästige Aufwendungen, die Sie wahrscheinlich mögen, streichen", die Präsidentschaftswahlen gewinnt. Ich bin mir sicher, dass das nicht geschieht.


Der Windschutzscheibe ausweichen

Der Kaiser trägt keine Kleider. Vielleicht bin ich der naive, kleine Junge, der nicht klug genug ist, um das wunderschöne Tuch zu sehen, in das unsere Staatshaushalte gehüllt sind und wie leicht wir mehr Steuern unsichtbaren Ursprungs erheben können.

Und genau wie der Kaiser im obigen Märchen, gehen wir einfach weiter und reden uns ein, dass es schon niemand bemerkt.

Der Großteil dieser Schulden wird in der Bilanz der Federal Reserve enden, genau wie der Großteil der europäischen Schulden in der Bilanz der Europäischen Zentralbank enden wird, der Bank of England und so weiter.

Genau der Weg, den die Bank of Japan bereits genommen hat.

Untersuchen wir, wie gut das für sie geklappt hat. Einerseits hat es ganz gut funktioniert. Anderseits musste sie dafür teuer bezahlen. Ist es das wert? Ich denke, viele Japaner, wahrscheinlich eine große Mehrheit, würden das bejahen.

Die Bank of Japan hat mehr als 140% des japanischen BIP in ihrer Bilanz. Ihre Gesetze lassen es zu, dass sie Wertpapiere nicht nur in Japan, sondern auch weltweit kaufen kann, und das hat sie getan. Allerdings hat die Währung ungefähr den gleichen Wert wie zu Beginn dieses Projekts der Bank of Japan.

Mir ist das persönlich sehr wohl bewusst, weil ich derjenige war, der Japan "einen Käfer auf der Suche nach der Windschutzscheibe" genannt habe. So, wie ich prognostiziere, dass eine Menge des US-Defizits in der Bilanz der Federal Reserve enden wird, sagte ich, dass das Gleiche in Japan stattfinden würde. Ich sagte auch, dass es ihre Währung abwerten würde. Ich habe sogar privat echtes Geld, nicht bloß Fiatgeld, auf diese Prognose gesetzt. Ich kaufte eine 10-jährige Yen-Put-Option. Diese Spekulation ging nicht so gut aus. Ich möchte gar nicht die Umschläge mit diesen Informationen von J.P. Morgan öffnen.


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