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Der Fluch der Londoner Goldpreisfestlegung - SocGen springt über Board

21.05.2019  |  Ronan Manly
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In derselben Zeitspanne verließen jedoch einige größere Namen - von denen einige in Kontroversen und Ermittlungen verstrickt waren - den Londoner Edelmetallmarkt. Bis Anfang 2017 waren Barclays Bank, die Deutsche Bank, Mitsui & Co. und Credit Suisse nicht länger Teil der LBMA-Marktmacher. Im Nachhinein scheinen die vielen Neuzugänge Ende 2014 bis Anfang 2016 eine Strategie gewesen zu sein, um direkte Nachfolger parat zu haben, damit die Anzahl an Mitgliedern konstant zu bleiben schien. Ähnlich eines Rauchschleiers, der es den gehenden Banken erlaubte, leise aus der Tür zu verschwinden, während die neuen Marktmacher zeitgleich auf die Bühne traten.

Denn obwohl die LBMA Neuzugänge immer mit Fanfare und Pressemitteilung willkommen heißen wird, bevorzugt sie es, die gehenden Marktmacher leise davonschleichen zu lassen und hofft, dass das niemand mitbekommt. Und niemand würde ihr das verübeln. Bereits 2014 wurde Barclays Opfer von Strafgebühren aufgrund von Goldpreismanipulationen, gegen die Deutsche Bank wurde aufgrund Edelmetallmanipulation von verschiedenen Stellen ermitteln, Mitsui wurde von den schweizer Behörden aufgrund seiner Edelmetallaktivitäten ins Visier genommen und das US-amerikanische Justizministerium ermittelte gegen Credit Suisse.

Barclays und Deutsche ließen das einstige Kartell 2014 hinter sich, wobei Deutsche sich ebenfalls aus der ehemaligen Silberauktion verabschiedete, während beide Banken den Ausgang ansteuerten und ihre Edelmetallaktivitäten reduzierten. Darauf folgte die hektische Erschaffung der ersetzenden LBMA-Silberpreis- und Goldpreisauktion Mitte 2014 und Anfang 2015, wobei Mitsui als anfänglicher Neuzugang in der Silberauktion im August 2014 Teil der Liste wurde. Im Januar 2016 verließ Mitsui die neue LBMA-Silberpreisauktion dann ebenfalls auf der Suche nach dem Ausgang und ließ seine Rolle als Marktmacher so hinter sich.

Es könnte zwar sein, dass das alles nur Zufall gewesen ist, doch es ist unwahrscheinlich, dass das Timing der Geldstrafen und Ermittlungen unwesentlich für die Banken war, die Entscheidung zu treffen, sich aus dem Edelmetallhandel zurückzuziehen.

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Zwischen Ende 2014 und Anfang 2016 schlossen sich dem Kartell fünf neue Banken an (Morgan Stanley, Standard Chartered, Toronto Dominion, BNP Paribas und ICBC Standard), während vier andere Banken verschwanden (Barclays, Deutsche, Mitsui und Credit Suisse). Obwohl die Liste der Marktmacher Anfang 2017 aus dreizehn Mitgliedern bestand und scheinbar statisch blieb, gab es dennoch viele Neuzugänge.


Scheinbar gleich, nur der Name ist anders

Das bringt uns zurück zu 2019 und das Verlassen von SocGen, was die Liste auf 12 Mitglieder reduziert. SocGen behauptet, es habe den Gold- und Silbermarkt in London als Teil einer allgemeineren Einschränkung seiner Edelmetallgeschäfte verlassen. Und sie ist nicht die erste Bank, die das behauptet, da andere Banken das gleiche verlauten ließen. Doch könnte dies der Beginn einer neuen Welle an Abgängen bedeuten? Oder könnte das eine Art brodelnden Skandal am Londoner Edelmetallmarkt signalisieren?

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Obgleich die Liste der LBMA-Marktmacher noch immer eine ernstzunehmende Macht ist und noch immer einige große Namen beinhaltet, ist deren kombinierte Macht geringer als sie einmal war; gestutzt durch Strafmaßnahmen, Geldstrafen und zunehmender Vorsicht, die Resultate niemals endender Strafverfahren und schlechter Presse sind.

Obwohl die Reisen nach Jerusalem, die an den von der LBMA kontrollierten Gold- und Silbermärkten stattfinden, immer recht interessant sind und sich die Namen der Mitglieder immer ändern, so ist es letztlich immer dasselbe Bullionbankenkartell - beaufsichtigt von der Bank of England - das den Londoner Edelmetallmarkt regiert.

Es gibt eine wichtigere Frage für die weltweiten Gold- und Silbermärkte und diejenigen, die an der Preisfestlegung interessiert sind. Es ist eine Frage, die von den Finanzmedien des Mainstreams vermieden wird: Warum erhält ein aus 12 Investmentbanken bestehendes Kartell in London (fünf US-amerikanische, zwei kanadische, eine schweizer, eine französisch und drei angloasiatische Banken) im Jahr 2019 nach einer Vielzahl an Skandalen innerhalb des Edelmetallhandels noch immer das Privileg, die internationalen Gold- und Silberpreise an einem schattenhaften und undurchsichtigen Markt festzulegen?

Doch bis diese Frage beantwortet wurde, wird das weitere Beobachten dieses Fluches interessant bleiben. Diesmal könnte HSBC betroffen sein!


© Ronan Manly
BullionStar



Dieser Artikel wurde am 6. Mai 2019 auf www.bullionstar.com und zuvor auf RT.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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