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Bewegungen bei Gold & Silber wie 1970er mit Siebenmeilenstiefeln

15.05.2019  |  Egon von Greyerz
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Obwohl ich aufrichtig hoffe, dass Gold nicht auf 10.000 $ oder mehr steigen wird, so bin ich doch vollkommen überzeugt, dass es höchstwahrscheinlich so kommen wird. Das nächste Mal wird der Goldpreis nicht nur die Inflation und sinkende Währungswerte wie in den 1970ern abbilden, sondern Ausdruck einer sehr viel ersteren oder sogar katastrophalen Situation sein - in den USA und weltweit.

Schauen wir uns also ein mögliches Szenarium für die kommenden Jahre an. Hierbei handelt es sich natürlich nicht um eine Prognose, sondern um einen groben Abriss dessen, was passieren könnte:


2002-2011 von 300 $ auf 1.920 $ - nur die Startbewegung

Jetzt will ich mich etwas aus dem Fenster lehnen. Ich weiß, dass Prognosen sehr gefährlich und irgendwo auch schwachsinnig sind. Seit 2001 habe ich hinsichtlich der Risiken in der Welt und der Schutzfunktion von Gold vor diesen Risiken richtig gelegen. Anfang 2002 stiegen wir umfangreich in den physischen Goldmarkt ein - für uns selbst und für diejenigen, die wir damals berieten. Die Bewegung von 300 $ im Jahr 2002 auf 1.920 $ im Jahr 2011 war spektakulär.

Der Anstieg des Goldpreises war aber nur eine Bestätigung jener Risiken, die wir ausgemacht hatten und die zur Finanzkrise von 2007-09 führen sollten. Im Jahr 2008 war das Weltfinanzsystem nur Minuten von seinem Untergang entfernt, es wurde jedoch mit zweistelligen Billionenbeträgen gerettet, die von der Fed und anderen Zentralbanken der Welt gedruckt wurden.

Die Welt wurde damit nicht gerettet, sondern der letztlich anstehende Zusammenbruch nur aufgeschoben. In einem langen Leben mit Erfahrungen auf den unterschiedlichsten Gebieten lernt man, dass Dinge manchmal länger brauchen, als man denkt. Es besteht immer die Gefahr, zu glauben, dass sich ein großes ökonomisches Problem, das man ausgemacht hat, in kürzester Zeit auch bemerkbar machen wird. Wir haben jetzt gelernt, dass die Dinge manchmal viel länger brauchen, als man erwarten würde. Folglich ist Geduld eine sehr wichtige Tugend - eine Lektion aus einem langen, erfahrungsreichen Leben.

Heute, zehn Jahre nach dem Höhepunkt der Großen Finanzkrise, ist der Optimismus größer als je zuvor. Aktien, Anleihen und Immobilienmärkte stehen auf Höchstständen oder sind diesen nah. Doch die Welt hat nichts gelernt. Die Ursache des Problems der Jahre 2007-09 waren Schulden verschiedener Art, einschließlich Derivate. Und heute, nach einer Verdopplung der globalen Verschuldung seit 2006, ist diese explosive Risikoposition exponentiell gewachsen. Zudem hat der Goldpreis die jüngste Geldschöpfung noch gar nicht abgebildet.

Open in new windowAuslöser der Krise von 2007-09: Synthetische CDO sind zurück

Der Auslöser beim letzten Mal waren Derivate auf Hypotheken. Ganz offensichtlich hat die Welt aber ein kurzes Gedächtnis, denn der synthetische CDO-Markt (besicherte Schuldverschreibungen) steht wieder in voller Blüte. Die Menge synthetischer US-CDOs ist in diesem Jahr um 40% angewachsen. Dieses Mal sind es keine besicherten Schuldverschreibungen auf Hypotheken, sondern auf Unternehmensschulden.

Verglichen mit Hypotheken-CDOs gilt dieser Markt als deutlich sicherer, nach Aussage der Emittenten - also Banken wie Citigroup, Barclays, BNP Parisbas und Societe Generale. Gut, das sagen sie ja immer. Schauen wir uns die Unternehmensschulden an: Im Verhältnis zum BIP stehen sie heute auf einem Allzeithoch von 73% - 1971 waren es noch 45%. Synthetische CDOs sind stark gehebelte Instrumente, die Mehrfachwetten auf dieselben Kredite beinhalten können.

Diese CDOs sind also ein weiteres Beispiel für "je mehr sich die Dinge ändern, umso mehr bleiben sie sich gleich."

Mit anderen Worten: Die globale Verschuldung steht auf einem Allzeithoch und die gefährlichen Derivate, die wir beim letzten Mal gesehen hatten, sind wieder zurück.


2007-09 war nur eine Probe - das richtige Ereignis steht noch aus

Die Krise von 2007-09 war nur eine Probe für das, was wir demnächst noch sehen werden. Das Gummiband ist jetzt maximal gespannt und die Blasen sind überall. Oberflächlich hat die Welt doch in den letzten 10 Jahren nach der Krise funktioniert, warum sollte es also nicht noch 10 Jahre so weiter funktionieren? Ja, in der Theorie könnte das so sein, aber ab einer bestimmten Phase erreichen wir den Punkt, wo dieser kleine Junge sagt, "der Kaiser hat doch gar keine Kleider". Es gibt auf jeden Fall Grenzen, wie lange die Naturgesetze gebrochen werden können und wie lange die Welt von Luft oder fabriziertem Geld leben kann, das einen Wert von null hat, weil es ohne jegliche Gegenleistung geschöpft wurde.


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