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Interview mit Chris Powell: Die Goldpreismanipulation

13.08.2019  |  Frank Holmes
Schon seit 20 Jahren haben es sich Chris Powell - Sekretär/Schatzmeister des Gold-Anti-Trust-Committee (GATA) - und GATA zur Aufgabe gemacht, die gemeinsamen Absprachen zwischen internationalen Finanzinstituten bei der Kontrolle des Goldpreises und -angebots zu enthüllen. Unten finden Sie die Highlights meines Interviews mit ihm.


Erzählen Sie uns doch etwas über GATAs Hintergrund und was die Organisation tut.

GATA wurde 1999 gegründet, um die langjährige Goldpreisdrückung der westlichen Zentralbanken zu enthüllen und anzufechten. Zuerst waren wir uns nicht sicher, ob es wirklich die westlichen Banken waren, die dies taten. Doch nach einem Jahr, das wir mit Recherchen und Untersuchungen zubrachten, schlussfolgerten wir, dass die Bullionbanken heimlich als Broker für Regierungen agierten und so ihre Einmischung am Goldmarkt verschleiern.

Zu dieser Zeit gab uns eine Anwaltskanzlei den Rat, dass diese Manipulation sehr wahrscheinlich durch den Gold Reserve Act von 1934 autorisiert sein könnte. Demnach könnte es keinerlei rechtliche Gründe geben, die Regierung direkt aufgrund von Goldpreismanipulation anzuklagen.

Open in new windowWir haben 2001 trotzdem eine Klage erhoben, im US-Amtsgericht in Boston. Wir hatten einen Berater - der Jura an der Harvard University studiert hatte und Goldinvestor war - der einen Fall gegen die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), das US-amerikanische Finanzministerium und verschiedene Bullionbanken vorgebracht hatte.

Eine dieser Anhörungen, die ich in diesem Jahr besuchte, sorgte für ein erstaunliches Eingeständnis eines Assistenzanwalts. Obgleich die Regierung die Anschuldigung nicht bekräftigte, so erklärte sie dennoch, dass sie die Macht und Autorität besäße, all die Dinge, die ihr vorgeworfen wurden, tun zu können - in anderen Worten: den Goldpreis zu manipulieren. Ich habe diese Erklärung protokolliert und in eine Pressemitteilung geschrieben. Die Klage wurde vom Richter letztlich abgewiesen.

Da wir ein wenig die Hoffnung verloren hatten, die Regierung direkt anklagen zu können, beschlossen wir, einen Versuch zu unternehmen, unsere Rechercheergebnisse zu veröffentlichen. Wir sind davon überzeugt, dass der Gold Reserve Act der US-Regierung, und vor allem dem Finanzministerium und dem Exchange Stabilization Fund (ESF), die uneingeschränkte Autorität verleiht, in jeden Markt dieser Welt einzugreifen und diesen heimlich zu manipulieren. Unsere Aufgabe ist es nun, diese Agenda so vielen Leuten wie möglich klar zu machen.


Wie läuft eine derartige Manipulation in der Praxis auf globaler Ebene ab?

Größtenteils findet sie an den Futures-Märkten statt; ebenso am Londoner Over-the-Counter-Markt (OTC-Markt). Die verwendeten Mechanismen sind Goldswaps und -leasing zwischen Zentral- und Bullionbanken, zudem auch der Verkauf von Futureskontrakten.

Wir haben einige Blitzeinbrüche des Goldpreises erlebt, doch in letzter Zeit treten sie alle paar Wochen auf. Irgendjemand wird Goldfutures im Wert von einer Milliarde Dollar oder mehr an der New Yorker Börse los. Das kann nur von jemandem getan werden, der unendliche Ressourcen und Geld besitzt und natürlich starkes Interesse daran hat, den Goldpreis zu drücken. Niemand, der daran interessiert ist, Geld zu machen, würde derartig viel Gold auf einmal verkaufen. Man würde es vielmehr nach und nach über eine bestimmte Zeitspanne hinweg verkaufen. Ich denke, dass diese Blitzeinbrüche unbestreitbarer Beweis für die Preisdrückung sind.

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Gibt es irgendwelche öffentlichen Dokumente, die auf all das hindeuten?

Ja, in den Archiven des Finanzministeriums und der Federal Reserve gibt es allerhand Dokumente über Goldpreisdrückung als US-Politik. Jelle Zijlstra - ehemaliger Präsident der niederländischen Zentralbank, der zeitgleich als Präsident der BIZ diente - schrieb in seinen Memoiren, dass der Goldpreis schon immer auf Geheiß der Vereinigten Staaten mithilfe von internationalen Handlungen gedrückt worden sei. Man kann dabei zurück in die 1960er Jahre reisen, als der Londoner Goldpool existierte und die Kontrolle des Goldpreises via internationaler Handlungen öffentlich dokumentiert und von der Bank of England (BoE) durchgeführt wurde.

Es gibt ein äußerst erstaunliches Transkript von einem Treffen im April 1974 zwischen Außenminister Henry Kissinger und Thomas Enders, assistierender Staatssekretär für Wirtschaft. Enders erklärte Kissinger, dass es die politische Agenda der US-Regierung sei, Gold aus dem weltweiten Finanzsystem zu treiben und europäische Regierungen daran zu hindern, das Metall auf irgendeine Art und Weise erneut zu monetisieren. Der Zweck dieser Agenda sei es, den US-Dollar als weltweite Reservewährung zu unterstützen und - wenn nicht den Dollar - dann die Sonderziehungsrechte (SDR) des Internationalen Währungsfonds (IWF).


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