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Gold geht eigenen Weg, Umverteilung kommt

09.06.2019  |  Manfred Gburek
Bevor ich heute das spannenden Thema Umverteilung in Angriff nehme, das uns alle noch viele Jahre lang beschäftigen wird, folgen hier Anmerkungen zum quicklebendig gewordenen Goldpreis: Die Bären wurden kalt erwischt, deshalb der sprunghafte Preisanstieg seit Monatsbeginn. Dass die Kurse der Minenaktien geradezu explodiert sind, untermauert diesen Eindruck.

Blickt man zwei bis drei Jahre zurück, sticht die starke Volatilität des Goldpreises wie vor allem auch der Minenaktienkurse seit 2016 ins Auge. Die Goldpreiszyklen in den vergangenen 50 Jahren dauerten aufwärts wie abwärts jeweils acht bis zehn Jahre (Ausnahme: Die Zyklus-Unterbrechung Mitte der 90er Jahre, als der Preis von offizieller Seite nach unten manipuliert wurde, nachzulesen im Buch "Geheime Goldpolitik" von Dimitri Speck.) Das letzte Preishoch liegt knapp acht Jahre zurück. Die Goldbullen werden weiterhin den Ton angeben, die Volatilität dürfte bleiben. Letzteres gilt besonders für Minenaktien. Anleger müssen jetzt also starke Nerven haben. Als Belohnung winken hohe Gewinne.

Dieses Fazit wird durch eine aktuelle Analyse des Börsendienstes wellenreiter-invest.de bestätigt; deshalb folgen hier dessen brisanteste Zitate:

"Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der CoT-Daten sind die Commercials bei Silber netto long positioniert. Zuletzt war dies Ende August 2018 der Fall, damals bildete sich ein wichtiges Preistief aus. Der schleichende Abwärtstrend dürfte geknackt werden, der Goldpreis ist aber der bullishere Vertreter." - "Die Zinsspanne 10 Jahre minus 3 Monate fiel in den letzten sechs Handelstagen von + 0,01 auf – 0,21. Ein derart scharfer Fall ist selten und signalisiert eine dramatische Entwicklung." - "Der Druck auf die Fed, den Leitzins zu senken, erhöht sich deutlich." Bleibt noch anzumerken, dass die nächste Fed-Sitzung schon für den 19. Juni anberaumt ist.

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Das ifo Institut lädt zur Konjunkturprognose am 18. Juni in Berlin ein. Schon jetzt ist absehbar, dass sein Präsident Clemens Fuest und Timo Wollmershäuser, Chef der ifo Konjunkturforschung, vor einer unlösbaren Aufgabe stehen. Nämlich zu prognostizierten, wie sich die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten entwickeln wird. Warum unlösbar? Weil gerade jetzt so viele abrupte Entwicklungen zusammentreffen, dass sich von ihnen keine allgemein gültige Aussage zur Konjunktur ableiten lässt.

Dabei geht es sowohl um schon bestehende Entwicklungen, wie Internethandel oder Immobilienboom, als auch um noch relativ neue wie diese:

Künstliche Intelligenz ersetzt Arbeitskräfte, aus der Materialwirtschaft wird die Software-Ökonomie, Elektroautos verdrängen Benziner und Diesel, Taxis werden um Fahrdienste wie Uber ergänzt, mit der sogenannten Seidenstraße stellt China die Weltwirtschaft auf den Kopf, die Geschwindigkeit der Innovationen nimmt zu, die Blockchain-Technologie setzt sich durch, die Cloud erobert eine Branche nach der anderen, Fintechs bereiten den etablierten Banken immer mehr Konkurrenz, die Biotechnologie wird auch an Menschen ausprobiert, Hackerangriffe häufen sich, in der Politik setzen sich Populisten durch, die nächste Flüchtlingsrolle kommt, die deutsche und die europäische Parteienlandschaft geraten durcheinander.

Damit soll es zunächst genug sein. Doch weil der Umsturz in der deutschen Politik gerade auf den Höhepunkt zustrebt, seien hier noch zwei besonders treffende Sätze aus dem lesenswerten, im vergangenen Jahr erschienen Buch "Zukunftsblind" von Benedikt Herles zitiert: "Hierzulande manövrieren sich die Volksparteien durch ihre Zukunftsblindheit ins Aus ... Den Bevölkerungsschichten, die am meisten unter den Folgen von Globalisierung und digitaler Transformation zu leiden haben, fehlt es an einer politischen Lobby."

Damit sich das ändert, legt Herles einen Zehn-Punkte-Plan vor, der Aussicht hat, bei entsprechender politischer Führung zumindest in einigen Teilen realisiert zu werden: Kapital und Löhne gleich belasten, Erbschaftsteuer anheben, bürgerliches Engagement dokumentieren und entlohnen, Belegschaften an Unternehmergewinnen teilhaben lassen, Lehre und Inhalte zeitgemäß gestalten, einen Staatsfonds gründen, mithilfe dessen in führende Technologie-Unternehmen investiert werden soll, Steuerzahlungen nachvollziehbar machen, eine Fortschrittsbehörde schaffen, Künstliche Intelligenz und kritische Software überwachen, eine EU-Agentur für Biotechnologie gründen, internationale Kontrollinstitutionen gründen.

Herles entstammt dem Jahrgang 1984. Damit gehört er noch zur jungen Generation, die immer häufiger durch die Straßen zieht, wenngleich überwiegend einseitig auf das Klima ausgerichtet. In entscheidenden Teilen setzt sein Plan sich für die Umverteilung ein, etwa bei der Forderung nach gleicher Belastung von Kapital und Löhnen oder nach einer höheren Erbschaftsteuer. Zur Umverteilung wird es zweifellos kommen, und zwar ganz gleich, welche Parteien aus der nächsten Wahl zum Bundestag als Sieger hervorgehen.

Das mag man als Sparer und erst recht als Besitzer eines Aktiendepots oder als Vermieter zwar überhaupt nicht gut finden. Aber die Umverteilung wird gerade in diesen beiden Fällen leicht politisch durchzusetzen sein, weil Aktionäre und Vermieter eine nur unzureichende Lobby haben.

Was alles in den nächsten Jahren umverteilt wird, hängt natürlich auch von der Durchsetzungskraft des jeweiligen Bundeskanzlers ab. Basta-Kanzler Gerhard Schröder ragte da auf eine gewisse Weise heraus, weil er die Hartz IV-Reform systematisch und trotz innerparteilicher Opponenten geduldig anging. Das lässt sich von Angela Merkels Energiewende nicht gerade behaupten. Denn diese bis heute längst noch nicht abschließend vollzogene Aktion entstand eher aus einer opportunistischen Laune heraus: Als Auslöser diente eine folgenschwere Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima, die Folge war - und ist weiterhin - unter anderem ein anhaltender starker Strompreisanstieg, für den wir alle zahlen müssen.

Welchen Weg der/die nächste Kanzler(in) wählen wird, lässt sich zwar nicht vorhersagen. Aber dass ihm/ihr letztlich nur die Wahl zwischen der Methode Schröder und einem Schnellschuss à la Merkel bleibt, ist mangels genügend weiterer Alternativen absehbar. Eine - wie auch immer geartete - systematische Methode, zum Beispiel angelehnt an den Zehn-Punkte-Plan von Herles, würde ein enormes Durchsetzungsvermögen und lange Debatten erfordern. Dagegen ließe sich ein Schnellschuss im Nu abfeuern, zum Beispiel ausgelöst durch einen Konjunktureinbruch oder durch einen Crash an den Aktienbörsen.

Die oben aufgezählten Entwicklungen fordern nicht nur Unternehmen, sondern auch Politiker heraus. Das heißt, sie müssen von Beginn an gemanagt werden. Dazu sind die meisten deutschen Politiker derzeit nicht in der Lage, weil sie sich in erster Linie mit ihren eigenen Problemen beschäftigen. Bis eine neue Bundesregierung steht, dürfte noch viel Zeit vergehen. Daraus erwächst Nervosität nicht nur an der Börse, sondern auch in der gesamten Wirtschaft. Spätestens die neuen Daten des ifo Instituts zur deutschen Konjunktur werden es am 18. Juni zeigen.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Hochspannung am Immobilienmarkt


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