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Gold: Für Freiheit und Nutzen

16.07.2019  |  Egon von Greyerz
Open in new windowLemminge haben eine Herdenmentalität. Der Masse zu folgen, kann jedoch schwerwiegende Konsequenzen haben - z.B. von Klippen stürzen und im Ozean ertrinken.

Denselben Instinkt finden wir bei vielen Investoren. Sie folgen der Masse, sie kaufen oder verkaufen, wenn auch andere das tun. Am Ende sind die Konsequenzen wahrscheinlich nicht ganz so fatal wie bei den Lemmingen. Trotzdem: Wer der Masse folgt, wird praktisch nie eine erfolgreiche langfristige Anlage-Performance erzielen.

Die größten Investmentgewinne werden für gewöhnlich langfristig erzielt. Entscheidend dabei ist, dann zu kaufen, wenn ein Investment unterbewertet und unbeliebt ist. Das Risiko wird dabei deutlich verringert und der potentielle Gewinne somit erhöht.


Jesse Livermore - sitzen und abwarten

Geduld und das Warten auf die richtige Gelegenheit sind beim Investieren extrem wichtig. Jesse Livermore meinte dazu: "Durch Nachdenken habe ich nie viel Geld verdient, durch Sitzen und Abwarten schon."

Ich verfolge den Goldmarkt wahrscheinlich schon länger als die meisten Menschen und tue es bis heute, nachdem ich in den 1950ern meine ersten Goldmünzen bekam. Doch erst nach Nixons desaströser Entscheidung vom 15. August 1971 wurde es tatsächlich aufregend, die Wertentwicklung meiner Münzen zu verfolgen.


Lektion aus der Bergbaublase in Australien

Die Kurswelle von 35 $ 1971 auf 850 $ 1980 war natürlich spektakulär. Ich besaß zudem einige australische Bergbauaktien, da die Bank, für die ich in Genf arbeitete, damals von Adolf Lundin beraten wurde. Adolf Lundin war ein legendärer Rohstoffinvestor aus Schweden, der in Genf lebte. Leider verstarb er viel zu früh im Jahr 2006, doch seine Söhne trieben die Erweiterung der Lundin Group zu einer der weltweit erfolgreichsten Firmen im Rohstoffsektor weiter voran.

Also machte ich damals 1969 meine ersten Investitionen bei Bergbauaktien, den Empfehlungen Lundins folgend. Ich erinnere mich, dass uns Adolf Lundin aus Australien mitten in der Nacht (für uns in Europa) die heißesten Tipps per Telefon durchstellte. Damals boomte der Bergbausektor. Die berühmt-berüchtigste Firma war Poseidon, ein Nickelproduzent, deren Aktien drastisch stiegen und später einbrachen. Ich habe also schon früh über die Volatilität im Bergbausektor gelernt, die manchmal durch unehrliche Berichterstattung über Entdeckungen angeheizt wurde.


Derivate & Schulden machen Gold zu einer Notwendigkeit

Nach dem Kurshoch von 1980, als Gold und der Goldbergbausektor zu fallen begannen, war ich mit meinem Arbeitsleben beschäftigt und hörte auf, den Rohstoffsektor weiter zu verfolgen. In den 1990ern begann ich schließlich, globale Finanz- und Wirtschaftsrisiken zu analysieren; und ich kam zu dem Schluss, dass die Weltwirtschaft irgendwann sehr heftige Probleme bekommen würde. Zu jener Zeit machte ich zwei Bereiche aus, die höchstwahrscheinlich dafür sorgen würden - Derivate und Schulden.

Ich suchte nach dem besten Weg, um sich gegen diese Risiken abzusichern, und Gold war augenscheinlich die beste Lösung. Allerdings war Gold zu dieser Zeit vollkommen altmodisch, zudem reduzierten die Zentralbanken weltweit ihre Goldbestände. Vom 1980er Goldhoch bei 850 $ stürzte Gold auf knapp über 300 $ im Jahr 1982. Anschließend verlief es in einer Spanne zwischen 300 $ und 500 $, bis es durch Zentralbankenverkäufe im Jahr 1999 auf ein Tief von 250 $ geschickt wurde. Ende 2001 schien es sich schließlich am Dreh- und Angelpunkt bei ca. 300 $ stabilisiert zu haben.


Gold wurde für uns zur primären Anlage und Absicherung

An diesem Punkt trafen wir die Entscheidung, dass das Risikoverhältnis jetzt passend schien, weil Gold vollkommen unbeliebt und unterbewertet war. Wir entschieden uns also Anfang 2002, physisches Gold zu unserer Primäranlage zu machen - als sein Preis bei 300 € bzw. 200 £ stand. Unser Firmensitz war damals in Großbritannien.

Als wir 2002 schließlich in physisches Gold investierten, hatte ich auf jeden Fall schon sehr lange „gesessen und abgewartet“. Gold begann seinen derzeitigen Bullenmarkt im Jahr 1971 bei 35 $, es markierte dann 1980 vorübergehend ein Hoch bei 850 $ und verbrachte anschließend 20 Jahre mit Korrekturen. Doch der Goldbullenmarkt war keinesfalls vorbei, dafür sorgten schon die Zentralbanken. Sie führten ihre unverantwortliche Geldpolitik fort, was zu chronischer Kreditexpansion und Währungsentwertung führte - und somit auch zur permanenten Schaffung einer Untergrenze für den Goldpreis.

Auf inflationsbereinigter Basis befand sich Gold im Jahr 2000 auf dem tiefsten Punkt seit 1971, als der Goldpreis bei 35 $ pro Unze lag (Grundlage sind die Inflationsberechnungen von Shadow Government Statistics).

Im real-inflationsbereinigten Gold-Chart unten sehen wir, dass man diese großartige Versicherung heute an einem historischen Allzeittief kaufen kann. Bei aktuell 1.400 $ ist Gold billiger als im Jahr 2000, als es 280 $ kostete, und billiger als 1970, als es bei 35 $ stand, und auch billiger als 1780, als die Goldunze in London bei 4 £ gehandelt wurde.


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