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Bank of Japan im Wartemodus

30.07.2019  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1137 (07:30 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1113 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108,603. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120,9545. EUR-CHF oszilliert bei 1,104342.

Die Bank of Japan (BoJ) hat auf ihrer jüngsten Sitzung keine Maßnahmen beschlossen. Damit verbleibt der Leitzins bei -0,1%. Argumente für Zinssenkungen wären vorhanden:
  • Die Industrieproduktion ist im Juni mit -3,6% schwächer ausgefallen als von Analysten (-1,7%) erwartet.
  • Das Wirtschaftswachstum wird in Q2 2019 im Quartalsvergleich bei 0,1% liegen.
  • Die Inflationserwartungen wurden für das Fiskaljahr nach unten auf 1% angepasst. Das Ziel von 2% wird weit verfehlt.
  • Die steigenden Spannungen zwischen Japan und Südkorea sorgen für Unsicherheit zwischen den Investoren.

Ein einschlägiges Gegenargument lautet, dass die bisherigen quantitativen Maßnahmen nicht geholfen haben. Es sind daher Zweifel an dem Erfolg zukünftiger Maßnahmen angebracht. Dieses Argument wird die BoJ, die das Land in Liquiditätsfalle geführt hat, aber nicht bewegt haben. Stattdessen wartet sie - wie die EZB - auf eine Erstreaktion der Fed, um dann ihre Reaktion anpassen zu können. Höchstens noch offizielles Ziel ist es, die Inflation Richtung 2% zu bewegen. Aus eigener Kraft kann dieses nicht erzielt werden.

Verfolgt wird vielmehr ein Management der Wechselkursentwicklung gegenüber dem US-Dollar. Diese hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit des japanischen Exportsektors.

Die USA sind der zweitwichtigste Handelspartner nach China, so beträgt das Exportvolumen aus Japan in die USA 142 Mrd. USD, die Importe liegen bei "nur" 83 Mrd. USD. Dementsprechend nervös reagierte schon in der letzten Woche die japanische Politik auf eine mögliche durch Wechselkurssteigerungen sinkende Wettbewerbsfähigkeit.

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Quelle: Bloomberg, SOLVECON INVEST.


Spätestens bei einem Unterschreiten der 100 USD/Yen Marke fordert die japanische Regierung eine Reaktion der BoJ. Dies sollte aber die US-Administration auf den Plan rufen, die ohnehin beständig Währungsmanipulationen befürchtet.

Aktuell steht aber nicht Japan, sondern Vietnam auf der Überprüfungsliste der USA. Diese stören sich am Handelsüberschuss des Landes gegenüber den USA. Dieser betrug 36 Mrd. USD in 2018. Für 2019 ist mit einer weiteren Steigung aufgrund der handelsumleitenden Effekte durch die Konfrontation zwischen den USA und China zu rechnen. Manche Lieferketten wurden schnell zolloptimiert neu aufgestellt, dazu kommen handelsumlenkende Effekte zu neuen Anbietern, so dass sich ein Teil des Handelsdefizits von China nach Vietnam verschiebt.

Das Verhalten der USA erinnert an ein Whac-A-Mole Spiel. Bei diesem Spiel aus den 80er Jahren musste man Maulwürfen, die mit dem Kopf aus einem Loch schauen, mit einem Hammer auf den Kopf hauen, so dass sie sich zurückzogen, um an anderer Stelle geschwind wieder aufzutauchen. Wie dem Spieler des Whac-A-Mole Spiels ergeht es den USA: bekämpfen sie ein Handelsdefizit in einem Land, kommt es zu einer Handelsverschiebung und sie vergrößern ihr Defizit gegenüber einem anderen Land. Solange die Wirtschaftsstruktur sich nicht ändert, ändert sich das Gesamtdefizit nicht.

Mit jedem Import entscheidet sich ein amerikanischer Konsument für den Kauf eines ausländischen Produktes! Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene sogar kreditfinanziert, denn Leistungsbilanzdefizite wollen per Kapitalimport finanziert werden. Das Problem liegt im kreditfinanzierten heimischen Konsum der USA und nicht in der Verkaufsbereitschaft anderer Länder. Lösen würde sich das Problem, wenn die USA keine Kredite mehr aus dem Ausland erhielten.

Es entfällt damit die Grundlage zur Finanzierung des Konsums. Der dann fallende Dollar sorgt im Anschluss sofort für eine ausgeglichene Leistungsbilanz. Das ist kein schöner Weg, die Türkei hat ihn im letzten Jahr getestet. Somit bleibt als Lösung nur das Anpassen von Strukturen, werden sie angepasst, ändert sich auch die Leistungsbilanz.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone 1,1100 - 30 negiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!


© Christian Buntrock
Solvecon Invest GmbH



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