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Die nächsten 5 Jahre: Nicht gewinnen, sondern überleben

08.08.2019  |  Egon von Greyerz
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Wir leben heute in der Ära des kostenfreien oder extrem billigen Geldes, und mit den kommenden Maßnahmen der EZB und der Fed wird das Geld sogar noch billiger werden. Die Zentralbanken wissen auf jeden Fall, dass man ein Schuldenproblem nicht mit noch mehr Schulden lösen kann. Doch massenhaft billiges Geld ist die einzige Methode, die sie kennen. Und bislang scheint sie auch funktioniert zu haben.

Doch die Welt ertrinkt in kostenfreiem und bald wertlosem Geld, und noch so viel mehr wird kommen.


"Nach uns die Sintflut“

“Après nous le Déluge” - Nach uns die Sintflut, so sagte einst Madame de Pompadour, die Mätresse von König Ludwig XV. Die Franzosen hatten gerade einen Krieg gegen die Preußen (1757) verloren; der König und seine Mätresse wussten, dass dies desaströse Konsequenzen für Frankreich und die französischen Finanzen haben würde.

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Das Bild links, mit Obama und Bernanke, stammt ursprünglich aus einem Artikel, den ich 2011 geschrieben hatte. Während seiner Amtszeit druckte und lieh sich Bernanke mehr Geld als je zuvor in der Geschichte der USA gedruckt oder geliehen wurde. Doch: "We ain’t seen nothing yet." - Das war noch gar nichts.

Das Problem ist heutzutage global - die Chefs der beiden größten Zentralbanken, Powell und Lagarde, werden nun als die größten Geldschöpfer in die Geschichtsbücher eingehen. Gedeckt werden muss ein großer Teil der ausstehenden globalen Verschuldung, weil er nicht zurückgezahlt werden wird. Doch nicht nur das. Rechnet man auch noch eventuelle wie ungedeckte Verbindlichkeiten, Sozialausgaben als auch die wertlosen Derivate im Umfang von 1,5 Billiarden $ hinzu, so wird die Gesamtgeldschöpfung in die Billiarden gehen.


Hyperinflation führt zur Implosion des Finanzsystems

Das geschöpfte Geld wird natürlich vollkommen künstlich sein und keinen Wert haben. Doch bevor das gesamte Finanzsystem implodiert, wird die Welt eine hyperinflationäre Phase erleben, die sich mit der Weimarer Republik messen wird. Der große Unterschied heute: Es wird keine Vollbeschäftigung geben wie damals in der Weimarer Republik, und es wird keine Welt draußen geben, die uns retten wird. Also: Das gesamte Manöver der globalen Zentralbanken wird vollkommen nutzlos und vergeblich sein. Die kommende hyperinflationäre Phase wird womöglich kurz ausfallen, z.B. 2-3 Jahre, und zu einer deflationären Implosion des Finanzsystems führen.


Schwindendes Vertrauen - schwindende Märkte

Vor einem Lawinenabgang ist nie klar, welche Schneeflocke ihn auslösen wird. Es gibt so viele potentielle Auslöser, z.B. Schuldenausfälle irgendwo in der Welt. Normalerweise wird das ganz offensichtliche Problem, wie die Deutsche Bank, nicht zum Auslöser; die Deutsche Bundesbank und die EZB werden mit allen Kräften versuchen, die DB über Wasser zu halten. Natürlich wird auch sie am Ende untergehen.

Mit höchster Wahrscheinlichkeit wird der Auslöser mit Vertrauensschwund in Verbindung stehen. Da die meisten heutigen Märkte Mega-Blasen sind, braucht es kaum etwas, um sie zum Platzen zu bringen. Wenn wir uns die größten Aktienmärkte der Welt anschauen, sehen wir, dass jeder dieser Märkte (in US$ betrachtet) schon die Höchststände markiert hat, und der US-Markt ist der letzte Mann auf dem Feld.

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US-Märkte bereit für den Crash

Aus markttechnischer Sicht ist der S&P Index gerade dabei, ein langfristiges bärisches Keilmuster abzuschließen. Wie man in Chart unten sehen kann, weist der Momentum-Indikator Abweichung (Divergenz) zum Kurs auf. Die letzten vier S&P-Tops seit Januar 2018 waren jedes Mal von sinkendem Momentum begleitet. Das ist extrem negativ und passierte schon bei den Tops der Jahre 1999 und 2006, auf die große Einbrüche folgten. Der Unterschied zu damals: Höchstwahrscheinlich befinden wir uns am Ende eines säkularen Bullenmarkts; die Dauer und die Stärke des kommenden Falls werden dann massiv sein.


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