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Der Goldbulle ist gesund und munter

21.08.2019  |  Egon von Greyerz
Open in new windowMaecenas war ein bekannter Wohltäter im alten Rom, er war unter anderem der Gönner von Horaz. Sein Name selbst steht heute in vielen Sprachen für "Wohltäter" - der Mäzen.

Der Verlust eines Wohltäters kann für all jene, die von ihm Unterhalt beziehen, eine sehr erste Angelegenheit sein. Über ein Jahrhundert lang hatte es die Welt mit der großzügigsten Gruppe von Gönnern überhaupt zu tun. Diese Wohltäter haben immenses Vermögen in der Welt geschaffen. Noch besser: Sie taten dies ohne große Anstrengungen. Es brauchte dazu nicht mehr als eine Druckerpresse und etwas Buchhaltungszauberei.

Jetzt gibt es allerdings ein Problem: In Kürze werden diese Zauberer als die größten Schwindler der Geschichte entlarvt werden. Durch Geldschöpfung und Kreditexpansion haben sie ein 2 Billiarden $ schweres Pyramidensystem entstehen lassen - aus Schulden, Derivaten und ungedeckten Verbindlichkeiten.


Eine Welt des Scheinvermögens

Es ist nicht schwer zu erkennen, wen ich meine. Es sind Staaten und Zentralbanken, die eine Welt des Scheinvermögens geschaffen haben. Ein System, das hauptsächlich durch Kreditausweitung gedeiht, anstatt durch harte Arbeit und Investitionsgewinne, die aus Ersparnissen hervorgehen, hat kein solides Fundament. Wenn die Schulden implodieren, so werden auch die meisten anderen Vermögenswerte implodieren, die schuldenfinanziert sind.

Vermögenswerte, die durch gedrucktes Geld oder Kredit generiert wurden, können per definitionem nichts wert sein, da das Geld, das sie erschuf, kostenloses Geld war, das über NULL intrinsischen Wert verfügt. Geld hat nur dann intrinsischen Wert, wenn es das Resultat einer Dienstleistung oder eines produzierten Gutes ist. Es hat jedoch überhaupt keinen Wert, wenn es gedruckt oder nur per Buchungseintrag generiert wurde. Also: Wertlos, was REINGEHT und wertlos, was RAUSKOMMT!

Und genau das wird die Welt bald feststellen müssen. Das Rettungspaket von 2006-09 von rund 25 Billionen $, gefolgt von einer Verdoppelung der globalen Verschuldung von 125 Billionen $ 2006 auf heute mehr als 250 Billionen $, wird auf Jahrzehnte hinweg oder sogar länger die letzte Aktion gewesen sein, bei der wertloses Geld aus dem Nichts geschöpft wurde, das man der Welt noch als reales Vermögen verkaufen konnte.


Die meisten Zinssätze sind zuerst negativ - später weden sie ins Unendliche gehen

Die nächste Runde aus Stimuli in Form von Geldschöpfung, Zinssatzmanipulation oder Gratisgeld, Schuldenexpansion und Defizitfinanzierung wird definitiv nicht funktionieren. Die Weltwirtschaft steht jetzt am Ende der Straße, und alle zusätzlichen Schulden (selbst wenn sie kostenfrei sind oder einen Negativzins haben) werden überhaupt keinen Effekt haben. Die dreistelligen Billionen $-Schuldensummen, die man wahrscheinlich in den nächsten Jahren drucken wird, werden einen Zusammenbruch des Schuldenbergs unter seiner eigenen Last auslösen.

Ebenfalls implodieren wird die aktuelle Superblase bei den Anleihekursen - und zwar im Umfeld von Zinssätzen, die in den Zehnerbereich steigen werden, wie in den 1970ern/ Anfang der 1980er. Am Ende wird ein großer Teil des Anleihemarktes ausfallen und die Zinssätze werden ins Unendliche gehen. Doch zuvor könnten wir ein paar Jahre mit Null- oder Negativzinsen sehen, wenn die Zentralbanken darum kämpfen, das Finanzsystem vor dem Untergang zu bewahren.

Wenn es dazu kommt, wird die Geldschöpfung schon für Hyperinflation und den Zusammenbruch der Währungen gesorgt haben, wie ich im Artikel von letzter Woche erläutert habe.

Mittelfristig wird die Schuldenmenge mit Negativzins wahrscheinlich sehr deutlich ansteigen; ihr aktueller Umfang beträgt 15 Billionen $. Die Folgen sind so verrückt wie erstaunlich. In der Schweiz bieten Versicherungsunternehmen aktuell 10-Jahre-Hypotheken für 0,64% an. Oder man schaue sich nur die 100-Jahre-Anleihe Österreichs an, die Zinserträge von 0,8% bietet. Es muss wohl eine der schlechtesten Investitionen überhaupt sein, denn Anleihepreise wie Währungen werden kollabieren.

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Deus ex Machina wird nicht zur Rettung erscheinen

Also: Vermögen im Umfang von Hunderten Billionen $, die weltweit seit der Geburt der Fed im Jahr 1913 erschaffen wurden, haben den Investoren glauben gemacht, dass Kaufen&Halten die tollste Anlagemethode sei - denn die Märkte steigen immer. Gut, falsch lagen sie damit natürlich nicht, denn alle, die es mit Markt-Timing versucht hatten, werden weniger Geld verdient haben.


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