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Eine Portion Entspannung in verspannter Lage!

20.08.2019  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1085 (07:16 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1077 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 106.57. In der Folge notiert EUR-JPY bei 118.13. EUR-CHF oszilliert bei 1.0872.

Derzeit dominieren temporär Entspannungssignale in einer ausgeprägten Spannungslage für Realwirtschaft und Märkte. Entsprechend reduzierten die Finanzmarktteilnehmer ihre zuvor ausgeprägte Risikoaversion gestern in Teilen.


Beginnen wir in den USA:
  • Lohnsteuersenkungen werden derzeit trotz der prekären öffentlichen Haushaltslage erwogen, um der Konjunktur Antrieb zu verleihen.

  • Donald Trump fordert die US-Notenbank zu einem Zinsschritt um 100 Basispunkte auf, um der Konjunktur Antriebskräfte zu verleihen.

Beide Positionen der US-Regierung belegen, dass die Folgen der eigenen Geo- und Handelspolitik die US-Wirtschaft erreicht haben, US-Narrativ hin oder her!

Ob die Wirtschaftsdaten, die uns aus den US-Statistikbehörden feilgeboten werden, wirklich die Inhaltsschwere haben, die an Märkten unterstellt wird, sei dahingestellt. Dazu verweisen wir auf das Buch "Endlich Klartext", Seiten 137 - 172.

Aus der Eurozone erreichen uns Signale der EZB. Man ist dort bereit, im Zweifelsfall Anschub zu leisten, damit die Inflationsziele der EZB auch erreicht werden (EZB, Madis Müller, Estland).

In Italien beruhigt sich die Lage. Derzeit ergeben sich auf der politischen Bühne Roms Signale, dass die Lega aus der Regierung ausgebootet wird und es zu einer Koalition zwischen der 5-Sterne Partei mit den Sozialdemokraten kommen kann. Heißt es in Kürze "Ciao Salvini!"?


China:

Huawei darf weitere 90 Tage mit einer Sondergenehmigung Produkte aus den USA importieren.

In Hongkong wird wieder friedlicher demonstriert. Rechtsbrüche der Demonstranten, die zuvor ausgeprägt waren, nahmen ab.

Die chinesische Zentralbank impliziert mit ihrer strukturellen Veränderung (Leitzins) eine Politik, die grundsätzlich die Stabilität und die Wirtschaft Chinas fördert.

Im Rahmen des Brexits liefert und die Regierung Johnson Zuckerbrot und Peitsche. Johnsons Team bemüht sich um eine Lösung zur Irlandgrenze außerhalb des vereinbarten Vertrags. Der Brief an Herrn Tusk schlägt freundliche und versöhnliche Töne an. Man will eine Verpflichtungserklärung bezüglich der Grenze zu Irland, um alternative Lösungen umzusetzen. Der freundliche Ton ändert nichts daran, dass der Kontext extrem schwach und inhaltsleer ist und für die EU nicht annehmbar ist.

Vielleicht wird aus diesem Grund an einer anderen Ecke die politische Peitsche seitens des UK bemüht. Nach dem Brexit will die Johnson-Regierung umgehend die EU-Regeln zum Einreise- und Aufenthaltsrecht kassieren. Man würde ein neues System, das keine Rücksicht auf Herkunft, sondern auf den Nutzen für das UK nimmt, einführen. Die britische Handelskammer reagierte irritiert, da damit die bisherige Leitlinie der Regierung für einen ungeregelten Brexit obsolet ist und Verunsicherung zunähme.

Ob sich Boris Johnson mit diesen in Teilen unberechenbaren Politikansätzen (Ähnlichkeiten zu Trump) belastbare Partner oder Freunde außerhalb der Gruppe der Brexiteers in Europa und der Welt machen kann, sei dahingestellt.

In der laufenden Woche erwarten uns zwei Veranstaltungen, die sowohl positive, oder auch negative Katalysatorwirkung für Realwirtschaft und Finanzmärkte entwickeln können.
  • G-7 Treffen in Biarritz
  • Jackson Hole: Treffen der Zentralbanker

Fazit: Vor dem G-7-Treffen ist unverkennbar, dass die USA isolierter und konjunkturell als auch strukturell schwächer sind als noch vor 12 oder 6 Monaten.

Es ist auch erkennbar, dass mit jedem weiteren Tag die Kosten der US-Geo- und Handelspolitik nicht nur für die Welt, sondern vor allen Dingen auch für die USA zunehmen.

Das Zurückrudern der Trump-Regierung bei Huawei, die Verschiebung mancher Zölle von September auf Dezember, die Notwendigkeit, weitere Steuersenkungen erwägen zu müssen und historisch einmalig die eigene Notenbank zu nötigen, sind Ausdruck von Stärke oder von Schwäche, von Souveränität oder Nervosität der US-Regierung?


Datenpotpourri der letzten 24 Stunden:

Eurozone:

Der Leistungsbilanzüberschuss stellte sich per Juni auf 18,4 Mrd. Euro nach zuvor 30,2 Mrd. Euro in der saisonal bereinigten Fassung. Die Verbraucherpreise sanken per Juli gemäß finaler Berechnung um 0,5% im Monatsvergleich (Prognose -0,4%) und stiegen im Jahresverglich um 1,0% nach 1,1% (Prognose 1,1%). Der Anstieg der Kernrate (das, was die EZB beeinflussen kann, nicht Ölpreise!) stellte sich im Jahresvergleich unverändert auf 0,9%. Die deutschen Erzeugerpreise legten per Juli im Monatsvergleich um 0,1% und im Jahresvergleich um 1,1% nach zuvor 1,2% zu.

Russland:

Die Einzelhandelsumsätze nahmen per Juli im Jahresvergleich um nur 1,0% nach zuvor 1,4% (Prognose 1,5%) zu. Reale Löhne verzeichneten per Juli im Jahresvergleich einen recht sportlichen Anstieg um 3,5% nach zuvor 2,9% (Prognose 2,3%). Die Arbeitslosenquote stellte sich per Juli erwartungsgemäß auf 4,5% nach zuvor 4,4%.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1020 - 40 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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