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Der Markt führt die Fed... In gewisser Weise

01.09.2019  |  Steve Saville
Die Beziehung zwischen kurzfristigen Marktzinsen und den Zinsen, die von der Fed festgelegt werden, ist kompliziert. Der Markt stellt Prognosen darüber an, was die Fed tun wird und handelt dementsprechend, doch zeitgleich werden die Zinsfestlegungen der Fed durch das beeinflusst, was mit den Marktzinsen passiert. Zudem werden die Marktzinsen auch durch Faktoren bestimmt, die nichts mit dem zu tun haben, was die Fed tut oder erwartungsgemäß mit ihren offiziellen Zinszielen anstellen wird. Dementsprechend gibt es Zeiten, in denen der Markt und die Fed scheinbar auf Kriegsfuß miteinander stehen.

Zum derzeitigen Zeitpunkt gibt es keine Zweifel, dass der Markt die Fed führt. Ins Besondere wurde die Fed teilweise durch die Tatsache, dass der Markt Zinskürzungen einkalkuliert hat, zu Zinskürzungen bewegt. Das wird durch einen Vergleich zwischen den kürzlichen Bewegungen der Marktzinsen und den Veränderungen der Zinsziele der Fed etabliert; das werde ich in Kürze ansprechen. Ebenso kristallisiert sich dies heraus, wenn man die eigenen Statements der Fed betrachtet. Im Protokoll des Juli-Treffens des FOMC hieß es beispielsweise:

"Die Teilnehmer stellten fest, dass das aktuelle finanzielle Umfeld deutlich auf Erwartungen basieren zu scheint, dass die Federal Reserve ihre Politik lockern wird, um die Last auf dem Wirtschaftswachstum, die von einer schwächeren Weltwirtschaftsprognose sowie Unsicherheiten in Bezug auf den internationalen Handel verursacht wurde, zu reduzieren sowie etwas Sicherheit zu bieten, verschiedene Abwärtsrisiken anzusprechen."

Im Kern hat die Fed also zugegeben, dass sie besorgt sei, dass sich die finanziellen Umstände verschlimmern würden, wenn sie die Zinsen nicht, wie die Märkte erwarten, kürzen würde. Die Schlussfolgerung ist hierbei, dass die Fed die Zinsen kürzen wird, um eine Enttäuschung des Marktes (und das Verschlimmern der finanziellen Situation) zu verhindern, wenn dieser Zinskürzungen erwartet.

Ich habe oben erwähnt, dass die aktuelle Führung des Markets durch einen Vergleich der kürzlichen Entwicklungen der Marktzinsen mit den Veränderungen des Fed-Zinszieles etabliert werden kann. Unten finden Sie einen Chart, in dem dies dargestellt wird. Der Chart zeigt die Entwicklung der Rendite der 2-Jahresstaatsanleihe und zeigt die zwei letzten Zinsänderungen der Fed. Beachten Sie, dass:

1) Die 2-jährigen Marktzinsen zu Beginn November 2018 nach unten tendierten.

2) Die Fed ihre letzte Zinserhöhung in der zweiten Hälfte des Dezembers 2018 durchführte; die Fed befand sich noch immer im Zinserhöhungsmodus, nachdem die kurzfristigen Marktzinsen sechs Wochen zuvor begannen, nach unten zu tendieren.

3) Die Fed führte ihre erste Zinskürzung Ende Juli 2019 durch. Zu diesem Zeitpunkt waren die 2-jährigen Marktzinsen seit fast 9 Monaten nach unten tendiert.

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Es ist vernünftig, anzunehmen, dass zusätzliche Zinskürzungen durch die Fed bevorstehen. Behalten Sie sich jedoch im Gedächtnis, dass einige zusätzliche Zinskürzungen bereits in die Marktpreise einkalkuliert wurden; deshalb werden diese nicht notwendigerweise offensichtlich auf zukünftige Zinskürzungen der Fed reagieren.

Vergessen Sie zudem nicht, dass die Marktzinsen wahrscheinlich aufwärts tendieren werden, während die Fed und die anderen Zentralbanken noch immer im Zinskürzungsmodus sind.


© Steve Saville
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Dieser Artikel wurde am 27. August 2019 auf www.tsi-blog.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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