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Doug Casey: Eine seltene Gelegenheit am zyklischsten aller Märkte

20.09.2019  |  Presse anonym
International Man: Welche spekulativen Möglichkeiten sehen Sie an den Rohstoffmärkten?

Doug Casey: Ich handele seit Mitte der 1970er Jahre mit Rohstofffutures. Den meisten Investoren empfehle ich keine Futures. Es ist nicht, dass Rohstoffe volatiler wären als Aktien - das sind sie nicht. Vielmehr ist es so, dass es sehr einfach ist, mit der verfügbaren Gewinnspanne zu viel Fremdkapital anzuhäufen; ich würde sagen, dass etwa 95% der Leute ihr Geld verlieren. Nichtsdestotrotz können die Ergebnisse atemberaubend sein, wenn Sie richtig auf eine große Entwicklung wetten.

Doch lassen Sie mich damit beginnen, dass sich Rohstoffe - ohne Wissen der Öffentlichkeit - über die letzten 5.000 Jahre hinweg in einem Bärenmarkt befanden. Die meisten Leute behandeln sie wie wachstumsorientierte Vermögenswerte und nehmen einfach Long-Positionen ein; sie erwarten, dass ihr Wert zulegt.

Tatsächlich sind die Rohstoffpreise - egal, ob wir hier von Vieh, Weizen, Energie oder Metalle sprechen - preisbereinigt seit Beginn der Zivilisation rückläufig. Und dieser Trend wird sich fortsetzen.

In primitiven Zeiten hatten wir Äste und Steine, wilde Tiere und Pflanzen. Wenn man ein kleines Stück metallisches Eisen von einem Meteoriten fand, dann war man das Äquivalent eines Höhlenmenschenmilliardärs. Der Kadaver eines toten Rehs, um den Hungertod um eine weitere Woche aufzuschieben, machte Sie zu einem reichen Mann. Das Finden eines Beerenstrauches ist heutzutage mit dem Besitz eines Supermarktes gleichzusetzen.

Man brauchte Rohstoffe, um zu überleben - doch sie waren selten und unverarbeitet. Der gesamte Weg der Zivilisation seit dem Ende des letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren handelte von der Entwicklung neuer Technologien, die die Anzahl der Rohstoffe erhöhen und die Kosten senken sollten. Die Agrarrevolution, die das Ende der Jungsteinzeit markierte, begann den tatsächlichen Aufstieg des Menschen; um hier Jacob Bronowskis Worte zu verwenden. Rohstoffe sind die Rohmaterialien der Zivilisation.

Mit Beginn der Industriellen Revolution in den 1800er Jahren nahmen die Mengen, die wir produzieren konnten, stark zu und die Kosten stark ab. Beide Trends werden zunehmen - radikal - aufgrund von Dingen wie Gentechnologie, Robotik, künstliche Intelligenz (KI) und Weltraumerkundung. Wenn die Nanotechnologie - die Erschaffung von Maschinen auf molekularer Ebene - perfektioniert wird und etwa im nächsten Jahrzehnt in Betrieb genommen wird, dann werden die Rohstoffpreise auf triviale Niveaus absinken. Diese neuen Technologien werden die Rohmaterialien extrem üppig und extrem billig machen.

Die Rohstoffpreise werden ihren mehrere tausend Jahre andauernden Kollaps beschleunigen. Sie befinden sich essentiell auf dem Weg zur Null.

Warum sollte jemand also in Rohstoffe investieren wollen, wenn sich diese in einem ständigen Bärenmarkt befinden? Es scheint ein Paradox zu sein.

Die Antwort lautet jedoch, dass es auf diesem Weg explosive Aufwärtsrallys gibt. Rohstoffe sind hoch-zyklisch und können extrem volatil sein. Das schafft wiederum Möglichkeiten. Aktuell gibt es gutes Aufwärtspotenzial. Den langfristigen historischen Trend sollte man im Auge behalten - doch er ist nicht sonderlich relevant für das, was in den nächsten fünf Tagen, fünf Monaten oder fünf Jahren passieren wird.

Warum ich erwarte, dass die Rohstoffe einen ihrer relativ seltenen, jedoch explosiven Bullenruns beginnen? Weil die meisten nicht nur zu oder unter ihren Produktionskosten verkauft werden, sondern auch zu klaren zyklischen Tiefs. Rohstoffe sind aktuell aus rechnerischer und relativer Sicht äußerst billig.

Dies sind die eingrenzenden Abwärtsfaktoren. Anders als Aktien können Rohstoffe nicht auf Null fallen. Aktuell erreichen Rohstoffproduzenten gerade einmal die Gewinnschwelle. Die meisten verlieren Geld.

Das kann so nicht sonderlich lange weitergehen, sonst werden Produzenten Pleite gehen und die Produktion kollabieren. Als die Bausteine der Zivilisation brauchen wir sie, um zu überleben. Die Welt verbraucht jedes Jahr mehr von ihnen. Teilweise, da die weltweite Population zunimmt, und teilweise, weil die Bevölkerung reicher wird.

Andere Gründe sind die neuen Anwendungsbereiche, die man jedes Jahr für die meisten Rohstoffe entdeckt. Vor hundert Jahren wurde Gold als Geld, Kunstobjekt und in der Zahnmedizin verwendet; nun werden jährlich neue Anwendungsbereiche innerhalb der Technologie entdeckt, die von den Eigenschaften des Metalls profitieren. Die 17 seltenen Erden waren vor 50 Jahren nur eine Kuriosität; nun sind sie für hunderte von Anwendungsbereichen sehr wichtig. Es gibt 92 natürlich vorkommende Elemente innerhalb des Periodensystems. Alles im Universum besteht aus ihnen. Vor einem Jahrhundert hatte nur die Hälfte von ihnen einen Nutzen. Heutzutage tun das alle.

Doch die Entwicklung neuer Anwendungsbereiche ist nicht der einzige kurzfristige Preistreiber, den ich betrachte - dieser Faktor war von Anfang an vorhanden. Andere Faktoren sollten einen Spekulanten nun auch interessieren.

Eine Vielzahl höherer Gewalten lauert über dem Markt. Politische Verstimmungen und Kriege lassen Rohstoffpreise üblicherweise in die Höhe schnellen; es gibt eine lange Liste von Dingen in diesen Kategorien. Wetterbedingungen oder Krankheiten können Knappheiten in der Landwirtschaft auslösen; das können wir aktuell mit der afrikanischen Schweinegrippe beobachten, die bereits die Hälfte der chinesischen Schweinepopulation ausgelöscht hat und sich derzeit ihren Weg über den Globus bahnt. Dies sind makroökonomische Gründe warum ich glaube, dass die Rohstoffpreise in den nächsten fünf Jahren steigen werden.

Die Rohstoffe bildeten 2011 eine Spitze. Viele von ihnen sind noch immer um 50% gefallen. Können sie noch tiefer fallen? Alles ist möglich, natürlich - es könnte beispielsweise zu einer Deflation kommen, die durch einen Schuldenkollaps ausgelöst wurde. Doch aufgrund der heutigen massiv inflationären Geldpolitik, die Aufwärtsdruck auf alle Preise ausübt, ist das unwahrscheinlich.

Lassen Sie es mich so sagen: Als Historiker und Technologe bin ich bearisch gegenüber Rohstoffen eingestellt. Doch als Spekulant bin ich sehr bullisch gegenüber den Rohstoffen.

Ich mag es, Dinge zu kaufen, wenn sie nachweislich günstig sind und das ist aktuell bei den Rohstoffen der Fall. Sie sind der fast einzige Bereich der Finanzwelt, der sich derzeit nicht in einer Blase oder sogar Hyperblase befindet.


International Man: Was macht Rohstoffpreise und -aktien so volatil?

Doug Casey: Es gibt mehrere Gründe, warum Rohstoffpreise schwanken. Dasselbe gilt - in einem heftigeren Ausmaß - für Bergbauaktien und Rohstoffaktien im Allgemeinen. Sie müssen als Spekulationen betrachtet werden und nicht als Investitionen. Sie sind selten Erbstücke; es ist besser es mit dem Handel von Sardinen anstatt dem Essen von Sardinen zu vergleichen.


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