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Das ist keine Druckerpresse

27.10.2019  |  Peter Schiff
René Magrittes Gemälde von 1929 "La trahison des images" (wörtlich: "Der Verrat der Bilder") zeigt eine Tabakpfeife mit der Unterschrift "Ceci n'est pas une pipe." (Französisch für "Das ist keine Pfeife"). Jeder, der schon einmal einen Kurs für moderne Kunst besucht hat, weiß, dass dieser Widerspruch von Magritte einen Unterschied zwischen einem realen Gegenstand und dessen Abbild aufzeigen sollte. Vielleicht sollten wir dem Vorsitzenden der Federal Reserve, Jerome Powell, ein Barett und eine Staffelei schicken, da er eine ähnlich surreale Interpretation der Goldpolitik versucht.

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Das ist keine Druckerpresse


Anfang letzter Woche gab der Vorsitzende ein neues, bisher unbenanntes Fed-Programm bekannt, mit dem die Bank nun regelmäßige Mengen kurzfristiger US-Staatsschulden kaufen wird. Um dem Grollen entgegenzuwirken, dass eine neue Form der quantitativen Lockerung ein Eingeständnis dafür sei, dass die Wirtschaft in Schwierigkeiten wäre, versicherte Powell während des jährlichen Treffen von NABE (National Association for Business Economics) am 8. Oktober: "Das ist nicht QE. In keiner Weise ist das QE." In anderen Worten: "Ceci n'est pas QE."

Am Freitag gab die New York Fed weitere Informationen bekannt. Sie legte dar, dass das Programm bis mindestens Ende des zweiten Quartals des nächsten Jahres monatlich Schatzanweisungen im Wert von 60 Milliarden Dollar kaufen wird. Außerdem wird die Fed bis einschließlich Januar 2020 weiterhin zweimal die Woche Übernacht-Rückkaufgeschäfte in Höhe von 75 Milliarden Dollar und Rückkaufgeschäfte mit längerer Frist in Höhe von 35 Milliarden Dollar durchführen.

Infolgedessen soll Schätzungen zufolge die Bilanz der Fed im zweiten Quartal 2020 rund 4,2 Billionen bis 4,3 Billionen Dollar betragen. Da es natürlich sein kann, dass der tatsächliche Umfang der Repo-Geschäfte, der nötig ist, um Zinssatzanstiege zu verhindern, viel größer sein könnte, könnte die Bilanz der Fed ebenfalls wesentlich größer ausfallen.

Letzte Woche veröffentlichte die Fed sogar eine Seite mit häufig gestellten Fragen. Sie stellte unter anderem heraus, wie sich die derzeitigen Schritte von der ursprünglichen Version von QE im Jahr 2008 unterscheiden. Sie betont, dass die alte Version von QE entworfen wurde, um Wirtschaftswachstum in einer trägen Wirtschaft anzukurbeln, wohingegen die derzeitigen Schritte lediglich dazu dienen, die leckenden Rohre auf dem Finanzmarkt zu reparieren, die kaum etwas mit der Realwirtschaft zu tun haben.

Eine Aussage auf der FAQ-Seite lautet: "Diese Operationen haben keine bedeutenden Auswirkungen auf die Richtung der Geldpolitik" und sollten keine "bedeutsamen Folgen" für Haushalts- und Unternehmensausgaben oder die allgemeine Konjunktur haben. Stattdessen will die Fed nur sicher stellen, dass genug Bargeld im System herumschwappt - denn in letzter Zeit gab es ja nicht genug.

Doch wie die verlässliche amerikanische Volksweisheit schon sagt: Wenn etwas "wie eine Ente aussieht, wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt, dann ist es wahrscheinlich eine Ente." In diesem Fall kann Powell das neue Fed-Programm nennen, wie er will, aber es quakt gewiss wie QE.

Laut der ursprünglichen Definition von vor ein paar Jahren, war QE der Versuch der Zentralbanken, Staatsschulden zu kaufen und zu halten, um die Zinssätze zu senken und Liquidität in angespannte Finanzmärkte zu injizieren. Gut, passt beides. Der einzige Unterschied zwischen damals und heute besteht darin, dass die Fed zwischen 2008 und 2014 das längerfristige Ende des Anleihemarktes ins Visier nahm und dieses Mal visiert sie das kurzfristige Ende an … zumindest bisher. Doch die Dauer der Anleihefrist spielte eh keine große Rolle in der Definition, also scheint das nicht wirklich von Belang zu sein.

Ein weiterer Unterschied, den Powell macht, ist, dass das aktuelle Programm einen kleineren Umfang hat als die ausgewachsenen QE-Programme zwischen 2009 und 2014. Daten der St. Louis Fed zufolge vergrößerten sie die Fed-Bilanz um mehr als 4 Billionen Dollar (wovon die große Mehrheit bis heute in ihrem Besitz ist).

Es ist zwar wahr, dass die 180 Milliarden Dollar oder so, die die Fed im letzten Monat in die Märkte gepumpt hat, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist verglichen zu dem, was sie Anfang dieses Jahrzehnts angehäuft hat. Doch bedenken Sie, dass die Fed erst angefangen hat … lassen Sie ihr Zeit! Tatsächlich ist 180 Milliarden Dollar in einem Monat eine viel höhere Rate, als was auf dem Höhepunkt der QE-Ära beobachtet wurde (als maximal 85 Milliarden Dollar im Monat erreicht wurden).


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