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Fed senkt den Zins erneut - und in 2020 geht der Feldzug gegen den Zins weiter

30.10.2019  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auf seiner heutigen Sitzung hat der Offenmarktausschuss der US-Zentralbank (Fed) beschlossen, den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte zu senken. Das neue offizielle Zinsband liegt nun bei 1,50-1,75 Prozent.

Die Zinssenkung - die dritte in Folge - war im Vorfeld allseits erwartet worden. So gesehen gab es heute keine Überraschung. Was aber waren die Gründe für die neuerliche Absenkung der Kreditkosten?

Zur Begründung verweist die Fed auf die globalen Entwicklungen und die gezähmte Inflation der Konsumgüterpreise. Mit einer weiteren "zyklischen Zinsanpassung" soll, so die Fed, einer möglichen Konjunkturschwäche zuvorgekommen werden. Das zeigt, wie willkürlich die Geldpolitik bereits geworden ist: Man reagiert nicht mehr auf „harte Daten“, sondern auf Zukunftserwartungen, die die Zentralbankräte hegen.

Irgendwie scheint die Zinssenkung aber auch den Fingerabdruck von US-Präsident Donald J. Trump zu tragen: Der mächtigste Mann der Welt setzt schließlich die Fed heftig unter Druck, die Zinsen zu verringern.


Wie macht die Fed weiter?

Ganz besonders wichtig am heutigen Tag ist die Frage: Wie macht die Fed denn nun weiter? Eine Zinspause auf der nächsten Sitzung im Dezember ist wahrscheinlich; diesen Schluss legen die Äußerungen des Fed-Vorsitzenden, Jerome H. Powell, auf der Pressekonferenz nahe.

Im neuen Jahr jedoch wird aus unserer Sicht der Feldzug gegen den Zins sehr wahrscheinlich weitergehen - und der Fed-Zins wird vermutlich in Richtung 1,0 Prozent abgesenkt, so denken wir. Das US-Finanzsystem braucht nämlich immer niedrigere Zinsen, es kann ganz bestimmt keine Liquiditätsverknappung mehr vertragen.

Das zeigt sich beispielsweise daran, dass die Fed seit Ende August 2019 bereits ihre Bilanzsumme um knapp 209 Mrd. USD ausweiten musste, um den Interbankenmarkt ("Repo"-Markt) zu stützen.

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Die Folgen

Mit der weiteren Verbilligung der Kredite greift die Fed der US-Konjunktur und damit auch der Weltwirtschaft zwar unter die Arme; die Chancen steigen, dass die konjunkturelle "Scheinblüte" so in Gang gehalten wird. Jedoch werden dadurch auch bestehende Ungleichgewichte verstärkt und neue heraufbeschworen.

Zum Beispiel schläfert die laxe Geldpolitik die Kreditausfallsorgen der Investoren ein. Dadurch werden in den Kreditverträgen die Risiken nicht mehr ausreichend abgegolten; die Risiken im Kreditsystem nehmen zu. Auch hält der Zinsniedergang die Vermögenspreisinflation in Gang - also das fortgesetzte Ansteigen der Preise von zum Beispiel Aktien, Häusern und Grundstücken - und das setzt die Kaufkraft des Geldes herab.

Die künstlich niedrigen Zinsen begünstigen nicht zuletzt auch Überkonsum, Kapitalfehllenkungen und vor allem das Schuldenwachstum – Entwicklungen also, die sich früher oder später in Krisen entladen werden.


Wirkung auf Gold und Silber

Der fortgesetzte Zinsniedergang macht das Halten von Gold und Silber attraktiv(er): Bankeinlagen und kurzlaufende Schuldpapieren werfen ja nichts oder kaum noch etwas ab. Auch wird der US-Dollar als Weltwährung, als "sicherer Hafen" weniger attraktiv (siehe hier). Immer stärker empfiehlt sich hingegen das Gold als liquides Mittel, das die Wertaufbewahrungsfunktion noch erfüllen kann.

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Das könnte übrigens auch erklären, warum die die Nachfrage der Exchange Trade Funds (ETFs) nach Gold wieder merklich ansteigt und den Goldpreis in die Höhe treibt. Dieser Trend dürfte in einem Umfeld niedriger oder fallender Zinsen anhalten.

Anleger sollten sich bewusst machen, dass die Zentralbankräte - nicht nur in den USA, sondern vor allem auch im Euroraum - Geldpolitiken betreiben, die das Halten der offiziellen Währungen zusehends zum Verlustgeschäft machen werden.

Die offiziellen Währungen - nicht nur der US-Dollar, sondern auch der Euro, der japanische Yen etc. - sind längst keine verlässlichen Wertaufbewahrungsmittel mehr.

Gold und Silber sind Alternativen für beispielsweise Termin- und Spareinlagen. Und aus unserer Sicht sind die derzeitigen Preise für Gold und Silber für langfristig orientierte Anleger weiterhin attraktiv, um Edelmetallpositionen auf- und auszubauen.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH



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