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Trumps Verteidigung bröckelt, Peking macht Druck

06.11.2019  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1078 (07:30 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1064 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,04. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120,79. EUR-CHF oszilliert bei 1,09967.

Der amtierende US-Präsident Trump kommt in der Ukraine-Affaire weiter unter Druck. Sein früherer Wahlkampffinanzierer und Botschafter in der Ukraine Sondland musste eine 180 Gradwendung vollziehen. Nachdem die Mitarbeiter Sondlands einen Zusammenhang zwischen der Militärhilfe der USA und dem Ersuchen Trumps nach Ermittlungen gegen Hunter Biden hergestellt haben, kam auch der Chef selbst nicht umhin den Zusammenhang anzuerkennen. Für den US-Präsidenten wird die Angelegenheit damit noch unangenehmer als bisher gedacht.

Aus Kapitalmarktsicht stellt sich jedoch nicht die ohnehin bereits beantwortete Frage nach der Glaubwürdigkeit des US-Präsidenten. Es stellt sich die Frage nach den möglichen Folgen seines Handels. Diese jedoch würde es selbst bei eindeutiger Beweislage nicht geben. Trump wird sich als erste Verteidigungslinie darauf zurückziehen, dass er nie explizit eine Verbindung zwischen Militärhilfen und Ermittlungen gezogen habe. Die zweite Verteidigungslinie wird lauten: I am right, even if I am wrong!

Mit dieser Grundhaltung werden die eigenen Senatoren ihm nicht das Misstrauen aussprechen. Aus Sicht der republikanischen Partei würde ihr Präsident mitten im Wahlkampf gegen die Demokraten nur dafür abgestraft werden sollen, dass er gegen Machenschaften der Demokraten vorgegangen ist. Das Impeachmentverfahren wird sich am Ende nicht als Stolperstein Trumps entpuppen, sondern als Verfahren zum Schließen der republikanischen Schlachtreihen.

Unterdessen spitzt sich in Hongkong der Machtkampf weiter zu. Aus Peking ließ Chinas Vizepremier Han Zheng verlauten, dass die Bekämpfung der Aufstände mit aggressiveren Maßnahmen unterstützt werde. Die Proteste würden der Formel „ein Land, zwei Systeme“ schaden. Droht Peking damit implizit, dass die Formel nicht mehr haltbar sei? Will Peking die Formel vereinfachen auf: „Ein Land, ein System“? Die Financial Times verkündete bereits vor zwei Wochen eine anstehende Ablösung der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam, da sie die Lage nicht in den Griff bekäme.

Diese Spekulation hat sich bisher als falsch erwiesen. Es würde China auch international seine Glaubwürdigkeit und Ansehen kosten, sollte es wider die Verträge handeln und Hongkong die Unabhängigkeit nehmen. Gleichwohl werden die beiden Systeme sich immer mehr miteinander verflechten.

Erinnern Sie sich noch an den Stein, der die Protestlawine zum Rollen brachte? Die Regierung Hongkongs brachte eine Novelle zum Gesetz über flüchtige Straftäter und Rechtshilfe in Strafsachen ein, die es ermöglichen würde, Straftäter nach China auszuliefern. Vergleichen wir die Rechtslage im zusammenwachsenden Europa. Der Europäische Haftbefehl beinhaltet u.a. eine allgemeine Verpflichtung zur Auslieferung eigener Staatsangehöriger an andere EU-Staaten. Wo liegt der Unterschied? Wieso wird in europäischen Medien etwas verurteilt, was wir genauso kontrovers diskutiert und später eingeführt haben

Das spätere Vorgehen der Polizei wie auch der Demonstranten in Hongkong ist jeweils klar zu kritisieren. Der Streitauslöser ist aber demokratisch und nicht mit Gewalt zu lösen.

Für den weltweiten Konjunkturzyklus ist der Konflikt unbedeutend, an der Hongkonger Börse sind die Auswirkungen jedoch deutlich zu spüren. Die Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal im Jahresvergleich deutlich um 2,9 %, die Einzelhandelsumsätze gingen im September um 18,3 % zurück. Exporte und Importe schrumpften zuletzt um 7,3 % bzw. 10,3 %. Es droht die Abwanderung von Unternehmen aus dem Finanzsektor, sollte es nicht bald zu einer Beruhigung kommen. Tritt jedoch eine Beruhigung ein, sollten sich schnell Aufholeffekte in der Realwirtschaft, aber auch am Kapitalmarkt ergeben.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Christian Buntrock
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