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Diskussionen in EU und USA über die Risiken durch Geld- und Fiskalpolitik

21.11.2019  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1077 (07:30 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1053 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108,57. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120,26. EUR-CHF oszilliert bei 1,09729.

Auf beiden Seiten des Atlantiks wird aktuell intensiv über die Geld- und Fiskalpolitik debattiert. Der spanische EZB-Vizepräsident Luis de Guindos sieht negative Auswirkungen der lockeren Geldpolitik der Notenbanken. Das Niedrigzinsumfeld treibe die Risikobereitschaft an. Dies beobachte die EZB weniger bei Banken, sondern vielmehr bei Investmentfonds und Versicherungen mit einer Tendenz zu riskanteren Anlageentscheidungen. Erwartet wird von ihr eine "kontinuierliche und gründliche Kontrolle der Risiken". Was fordert er mit diesem Debattenbeitrag?

Guindos selbst führt an, dass die Banken in Europa nicht profitabler, sprich wettbewerbsfähiger geworden sind, dafür aber widerstandsfähiger. Das stimmt, einer der Gründe hierfür liegt in der Einmischung in die Anlageentscheidungen der Banken per Regulierung. Die Banken sind faktisch gezwungen europäische Staatsanleihen zu kaufen, ob sie wollen oder nicht, da diese als "sicher" definiert sind. Die Rendite der Anlagen mag leiden, die regulatorisch definierte Sicherheit aber nicht. Entspricht die regulatorisch definierte Sicherheit aber auch der realen Sicherheit?

Wo entsteht die größte Fehlbewertung, an der Stelle des Markteingriffs oder in den Randbereichen des Eingriffs?

Interessanterweise fliehen die Anleger genau da hin, wo der Markt zwar teuer, aber weniger reguliert ist.

Wenn Guindos von Kontrolle der Risiken spricht, scheint er vielmehr das "Controlling" davon zu meinen. Controlling ist das Sammeln, Aufbereiten und


Analysieren von Daten zur Vorbereitung zielsetzungsgerechter Entscheidungen

Anders formuliert: Es wird andiskutiert, ob der nächste Markteingriff sich nicht auf die Fehlsteuerung aus dem Letzten richten könne. Wir sind gespannt auf die nächsten Vorschriften wie Anleger - ganz zu ihrem Schutz - zielsetzungsgerecht ihr Geld anzulegen haben.

Unterdessen findet auf der anderen Seite des Atlantiks im Haushaltsausschuss des US-Repräsentantenhauses eine Debatte über die angemessene Höhe des Budgetdefizits statt. Aktuell liegt die Neuverschuldung mit ca. 5% p.a. bei 2,3% BIP-Wachstum. Ein Verhältnis, dass sich die USA langfristig nicht leisten sollten. Bemerkenswert ist der argumentative Spagat der Demokraten. Diese sehen die USA durch die Republikaner auf einem kritischen und finanziell nicht nachhaltigen Weg, um zugleich signifikant höhere Konsumausgaben zu fordern. Nur eben für ihre Klientel.

Nach demokratischer Sichtweise "sind die US-Zinsen stetig gefallen, obwohl der Schuldenstand nahe Rekordständen steht.", so die Argumentation aus den Anhörungen im Vorfeld zum Ausschuss. Die Demokraten führen zugleich Ökonomen ins Feld, die den Zusammenhang zwischen steigender Staatsverschuldung und steigenden Zinsen in Frage stellen. Diese Ökonomen - unter anderem Randall Wray des Bard College - hängen der sogenannten Modern Monetary Theory (MTT) an.

MTT ist für Politiker in etwa das, was für einen Junkie eine Drogenunbedenklichkeitsbescheinigung ist: Ein Freifahrtschein auf Kosten des Staats-/Körpers so lange zu feiern, bis er eben zusammenbricht. Ignoriert werden die bisherigen Markteingriffe der Notenbanken, ohne die niedrigen Zinsen undenkbar wären. Gesehen wird nur das, was man sehen will.

So auch bei den Republikanern, die sich auf dem Papier für einen schlanken effektiven Staat aussprechen und in der Praxis Wahlgeschenke per Neuverschuldung finanzieren.

Fakt ist, dass die Ausfallquote bei US-Junkbonds in 2018 bei nur 1,8% lag. Der Anteil an Zombieunternehmen, also Unternehmen die über drei Jahre hinweg nicht einmal das Geld für ihre Zinszahlungen aufbringen konnten, liegt je nach Studien der BIZ bei ca. 10%.

Wir rechnen für 2020 weiter mit einer eindeutig expansiven Fiskal- und Geldpolitik, die nächste Rezession wird so schmerzhaft, dass sie um jeden Preis vermieden werden soll.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Christian Buntrock
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