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Niedrigere Zinsen führen zu schwächerem Wachstum

07.12.2019  |  Steve Saville
[Dieser Artikel ist ein Ausschnitt, der ursprünglich auf www.speculative-investor.com erschienen ist]

In einer wichtigen Hinsicht ist der durchschnittliche Zentralbanker wie der durchschnittliche Politiker. Beide tendieren dazu, sich auf die direkten und/oder kurzfristigen Auswirkungen zu konzentrieren und ignorieren die indirekten und/oder langfristigen Auswirkungen der politischen Maßnahmen. Im Falle des Politikers ist das verständlich, wenn auch nicht verzeihbar. Denn schließlich ist die vorrangige Sorge des durchschnittlichen Politikers, die nächste Wahl zu gewinnen. Der Wunsch, beliebt zu sein, beeinflusst auch die Entscheidungen der Zentralbanker, doch es gibt einen tiefgreifenderen Grund für die Kurzsichtigkeit der Mitglieder dieser Gruppierung. Dieser Grund ist deren unerschütterliche Hingabe zur keynesianischen Wirtschaftslehre.

Alle Zentralbanker sind im Herzen Keynesianer (wenn sie das nicht wären, wären sie keine Zentralbanker), und die keynesianische Wirtschaftstheorie dreht sich um alles Kurzfristige und Oberflächliche. Es geht um die politischen Entscheidungsträger in der Regierung und der Zentralbank, die die Wirtschaft "verwalten", indem die Nachfrage unter einigen Bedingungen stimuliert und unter anderen Bedingungen eingedämmt wird. Wobei die Bedingungen anhand von aktueller oder vergangener Wirtschaftsaktivität bestimmt werden.

Wenn beispielsweise bestimmte Statistiken eine arbiträre Distanz in eine Richtung zurücklegen, dann wird ein Versuch unternommen, die "Gesamtnachfrage" anzukurbeln. Dass das Konzept der "Gesamtnachfrage" Unsinn ist, wird niemals anerkannt. Denn eine Anerkennung der Tatsache, dass die Wirtschaft aus Millionen Einzelpersonen besteht anstatt einer unorganisierten Masse, würde die gesamte Grundlage der zentralen Geld- und Zinskontrolle in Frage stellen.

Kurzfristig scheint die Manipulation von Geld und Zinsen oftmals zu funktionieren. Vor allem das Einfließen von Geld und das künstliche Drücken der Zinsen unterhalb des Wertes, auf dem sie sich normalerweise befinden würden, kann zu verstärkter Wirtschaftsaktivität in Form von mehr Konsum und mehr Investitionen führen. Doch stattdessen sorgen falsche Signale dafür, dass die Leute Fehler machen.

Ein Problem ist, dass die Leute Anreize durch billigen Kredit erhalten, mehr zu konsumieren, als sie sich leisten können, was einen reduzierten Konsum in der Zukunft garantiert. Das größere Problem ist jedoch an der Investitionsfront zu finden. Projekte und Geschäfte, die zu freien Marktzinsen nicht finanzierbar wären, werden künstlich als wirtschaftlich machbar dargestellt. Das könnte zeitweise eine gute Sache sein, doch es bedeutet auch, dass eine Menge Ressourcen für Dinge verwendet werden, die letztlich scheitern werden.

Es bedeutet auch, dass die Unternehmen, die in einem nicht manipulierten Zinsumfeld machbar gewesen wären, unter der Kompression von Gewinnmargen leiden. Alles aufgrund der Fähigkeit - geschaffen durch den Überfluss and künstlich billigen Krediten - es relativ ineffizienten und/oder nicht profitablen Konkurrenten zu erlauben, weiterhin im Geschäft zu bleiben.

Zusätzlich führt die konsistente Abwärtsmanipulation der Zinsen zu großen Rentenfondsdefiziten. Doch zunehmende Deckungslücken der weltweiten Rentenfonds sind ein großes wirtschaftliches und politisches Problem. Die massiven nicht fundierten Rentenverbindlichkeiten, die aufgrund der Zinsunterdrückung verursacht wurden, könnten die Ausrede für neue politische Maßnahmen sein, die noch zerstörerischer sind, wie Politik basierend auf der modernen Geldtheorie (MMT).

Zusammenfassend: Die Politik der Zinsunterdrückung unterstützt das Verschwenden von Ressourcen und die allgemeine Kompression von Gewinnmargen. Demnach reduziert sie das Wirtschaftswachstum langfristig. Des Weiteren ist es nicht so, als würden Zentralbanker langfristige Nachteile gegenüber kurzfristigen Vorteilen abwiegen und sich für letztere entscheiden; es ist vielmehr so, dass es ihr gewählter theoretischer Rahmen nicht erlaubt, langfristige Nachteile überhaupt in Betracht zu ziehen. So kann der Vorsitzende der EZB mit unbewegter Miene argumentieren, dass mehr Zinsunterdrückung notwendig ist, um die Wirtschaft zu unterstützen, obwohl die Zinsen bereits weit ins negative Territorium manipuliert wurden.


© Steve Saville
www.speculative-investor.com



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Dieser Artikel wurde am 2. Dezember 2019 auf www.tsi-blog.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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