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Handelskrieg und Strohfeuer am Goldmarkt

04.12.2019  |  Markus Blaschzok
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Trump tönte kürzlich noch, dass ein Handelsdeal unmittelbar vor der Unterzeichnung stünde und dies der beste Deal würde, den es für die USA jemals gab. Zu Wochenbeginn äußerte sich Trump jedoch gegensätzlich, als er sagte, dass es "womöglich besser wäre mit einem Handelsdeal bis nach den US-Wahlen im nächsten Jahr zu warten“. Von "kurz bevorstehend" zu "in zwölf Monaten" ist ein Sprung, den die Märkte nicht erwartet hatten, weshalb sofort Gewinnmitnahmen einsetzten.

Auf der anderen Seite denkt die US-Regierung über eine Senkung der Einkommenssteuer nach, um den Konsum der Amerikaner noch einmal zu reaktivieren und den Konjunkturaufschwung ein letztes Mal bis in eine zweite Amtszeit hinein zu verlängern. Trumps Chancen auf einen Sieg stehen und fallen mit einem weiteren Hinauszögern der Rezession bis nach den Wahlen im November 2020.

Wir spekulieren genau darauf, dass Trump und die FED alle Strippen ziehen werden, um eine Wiederwahl zu ermöglichen. Dies impliziert einen weiterhin haussierenden Aktienmarkt und die Konjunktur stützende Maßnahmen. Die Edelmetalle, mit Ausnahme von Palladium, dürften es in diesem Umfeld schwer haben, ihre diesjährigen Höchststände zu überwinden.

Die Terminmarktdaten zeigen bereits, dass der Goldpreis seit seinem Hoch in der Spitze um fast einhundert Dollar fiel, ohne dass eine nennenswerte Bereinigung der Spekulation einsetzte. Dies bedeutet, dass das Sentiment immer noch extrem bullisch ist und bis dato keiner das Handtuch warf. Wie die Lemminge kaufen die Spekulanten am Goldmarkt jeden Rücksetzer, weshalb wir erwarten, dass der kommende CoT-Report mit Stichtag Dienstagabend, der am kommenden Freitagabend veröffentlicht wird, dies mit einer weiteren Verschlechterung zeigen wird.

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Cartoon der Woche: Man sollte am Rohstoffmarkt nie, wie die Lemminge, der Masse der Investoren blind folgen


Bundesbankpräsident warnt vor Rezession und Blasen

Der praktisch machtlose Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte vergangene Woche einerseits vor den unerwünschten Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik gewarnt und andererseits vor einer Rezession, die eine Gefahr für die Bankensystem darstellen könne. Weidmann sagte, in einer Rezession "könnten wieder mehr Kredite ausfallen und zugleich die Sicherheiten an Wert verlieren". Aufgrund der niedrigen Risikovorsorge der Banken würden die entstehenden Verluste schneller auf das Eigenkapital der Geldhäuser durchschlagen.

Das weiß die EZB längst, weshalb sie mit dem neuen QE-Programm seit November die Banken bereits stützt und die Zinsen drückt. Die Unterkapitalisierung der Banken in den USA hatte kürzlich erst zu den Problemen am Repomarkt geführt, aufgrund derer die US-Notenbank bis mindestens Mitte des nächsten Jahres die Banken und Zinsen mit Liquidität stützen will. Das Kreditgeldsystem ist zu stark gehebelt und die Null- und Negativzinsen haben zu gigantischen Fehlallokationen in der Wirtschaft geführt. Dies erkannte auch Weidmann in der vergangenen Woche und konstatierte, dass die Geldpolitik "wohl ihren Anteil" am Anstieg der Immobilienpreise haben würde.

Natürlich gibt es bei Null- und Negativzinsen auch eine Blase am Immobilienmarkt, die offensichtlich platzen muss und wird, sobald die Zinsen wieder auf normale Renditen von 6% oder deutlich darüber ansteigen werden. Ob dann immer noch so viele neue Häuser gebaut werden, wenn die Kreditzinsen bei über 10% liegen?

Es ist schon etwas merkwürdig, wenn ein Notenbanker einerseits vor Wirtschaftsrisiken und Blasen warnt und andererseits die Geldpolitik verurteilt, deren Gegengift auf diese Probleme schon immer die Druckerpresse war. Die Notenbanken werden weiter ihre primäre Aufgabe erfüllen und die Geldbasis entsprechend dem Schuldenwachstum ausweiten, um einen Bankrott des Bankensystems zu verhindern. Dies wird weiter auf Kosten der Steuerzahler geschehen und entgegen der Aussage Weidmanns, wonach die langfristigen Auswirkungen der unkonventionellen Geldpolitik nicht erforscht wären, ist das Ende dieser Politik wohl bekannt.

Auf das Drucken und das Umverteilen des Kapitalstocks folgt immer eine Wirtschaftskrise, sowie gesellschaftliche und politische Umwälzungen. Im besten Fall wird die staatliche Fiat-Währung ähnlich den siebziger Jahren um 90% real an Kaufkraft verlieren über die nächste Dekade und im schlimmsten Fall folgt aufgrund einer Interventionsspirale eine Hyperinflation, wie in Zimbabwe, Venezuela oder der Weimarer Republik. Das Ende der Reise steht fest, weshalb man Gold und Silber kaufen sollte, nur wissen wir noch nicht, wie schnell es vonstattengehen wird.



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