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Die unweigerliche Konsequenz des Notenbank-Experiments!

24.12.2019  |  Uli Pfauntsch
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Wie jedes Quartal, wurde der Bericht des IIF weitgehend von praktisch allen Politikern ignoriert. Doch man muss kein Wirtschaftswissenschaftler sein, um zu erkennen, dass das Tempo der Verschuldung im Vergleich zum Wachstum immer stärker beschleunigt. Das geht so lange gut, bis es unweigerlich zu schweren Verwerfungen kommt.

Der IIF weißt ebenfalls darauf hin, dass die Verschuldung der Emerging Markets im zweiten Quartal auf ein neues Allzeithoch von 71,4 Billionen Dollar gestiegen ist, fast 5 Billionen Dollar mehr über das letzte Jahr. Interessant ist, dass die Länder mit dem stärksten prozentualen Schuldenzuwachs über das letzte Jahr, Chile, Südkorea und Argentinien waren. Von diesen Ländern erlebt Chile beispiellose soziale Unruhen, während Argentinien mit der Rückzahlung seiner Schulden scheiterte, einen Bond-, Aktien- und Währungscrash erlebte und die Glaubwürdigkeit des Internationalen Währungsfonds erschüttert wurde.


Wir alle sind Zeugen eines historischen Geldexperiments!

Das alles passiert inmitten eines historisch einmaligen Geldexperiments, indem die Notenbanken 20 Billionen Dollar in das Finanzsystem pumpten und die Zinsen auf das niedrigste Niveau seit 5.000 Jahren senkten. Inzwischen sind die Bilanzen der Notenbanken aufgebläht wie nie zuvor. Was als Notfallmaßnahme in Reaktion auf die Finanzkrise in 2008/2009 vorgesehen war, ist nun zum Dauerzustand ohne Ausweg geworden. Es ist erschreckend - keine einzige Notenbank hat einen Exit-Plan parat!

Das Experiment hat uns folgendes klar aufgezeigt: trotz der größten geldpolitischen Stimulation aller Zeiten, verschlechtert sich das wirtschaftliche Wachstum in den führenden Ökonomien und das Produktivitätswachstum ist praktisch null.

Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Niedrige Zinsen und hohe Liquidität setzen die Überkapazitäten fort, die durch die endlose Refinanzierung unproduktiver und veralteter Sektoren entstehen. Wir erleben vor unseren Augen die "Zombifizierung" der Wirtschaft und den größten Transfer des Vermögens der Sparer und produktiven Sektoren - hin zu Überschuldeten und Unproduktiven.

Doch die Erfahrung lehrt, dass Zentralbanker, wenn diese mit niedrigem Wachstum, schwacher Produktivität und höherer Verschuldung konfrontiert sind, immer dieselbe eine Lösung sehen: Die Zinsen noch tiefer absenken und noch mehr Geld drucken. Die Entscheidung ist nie, den geldpolitischen Irrsinn zu stoppen, sondern diesen noch stärker zu beschleunigen.

Der Grundgedanke hinter negativen Zinsen ist, dass Menschen ihr Geld, anstatt es zu sparen, verkonsumieren und das Wachstum ankurbeln. Doch aufgrund der Tatsache, dass die Preise für Immobilien, Anleihen und Aktien auf absurde Höhen aufgebläht wurden und eine vernünftige und verlässliche Altersvorsorge unmöglich geworden ist, sind viele Menschen gezwungen, trotz Null- und Negativzinsen vorzusorgen.

Menschen lassen sich nicht gerne zwingen zu investieren, und der Privatsektor gibt nicht so viel aus, wie es sich die Regierung wünscht. Die zentralen Planer der Geldpolitik machen den Sparer für verantwortlich und ziehen gleichzeitig die Schlussfolgerung: wenn private Haushalte und Unternehmen nicht bereit sind, auszugeben und zu investieren, dann muss es die Regierung tun. Deshalb fordert etwa die neue Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, vehement, dass die Regierungen des Euroraums die Staatsausgaben erhöhen sollen - trotz rekordhoher und bereits untragbarer Verschuldungsniveaus.

Leider wird die nächste Welle der Zentralbank-Maßnahmen die vollständige Monetisierung der staatlichen Defizite sein. Stichworte wie der "Klimanotfall" und "Green Deals" bieten perfekte Ausreden. Doch die deutsche Regierung hat bewiesen, dass sie nicht über bessere oder umfassendere Informationen verfügt. So gilt etwa die gescheiterte Energiewende als abschreckendes Beispiel für die allermeisten Staaten dieser Welt.

Indem durch die immer stärkere Einmischung des Staates Gewinner und Verlierer künstlich ausgewählt und die positiven Kräfte des Wettbewerbs und kreative Zerstörung ignoriert werden, neigen Regierungen dazu, Innovation, Fortschritt und Wandel zu verzögern, anstatt zu beschleunigen. Aus einem einfachen Grund: Disruptive Technologien senken Verbraucherpreise und erzielen anfangs geringe Steuereinnahmen.

Darüber hinaus verringern disruptive Technologien auch die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft. Aus diesen drei Gründen, niedrigere Steuereinnahmen, geringere Inflation und weniger Kontrolle, haben Regierungen kein Interesse, echte Veränderungen zuzulassen. Deshalb ist zu befürchten, dass die massiven Staatsausgaben, die mit neuen Schulden finanziert werden, zu einer noch größeren Verdrängung des privaten Sektors führen und eine Wirtschaft mit weniger Dynamik, geringerer Produktivität und höherer Verschuldung hinterlassen.


Die unweigerliche Konsequenz des Notenbank-Experiments!

Die Funktion eines normalen Marktes ist von den Notenbankern längst außer Kraft gesetzt. Negative Nachrichten zeigen kaum noch Einfluss, während die zigfache Wiederholung von Ankündigungen, wonach im Handelsstreit mit China Fortschritte erzielt würden, die Märkte wie an der Schnur gezogen von einem Allzeit-Hoch zum nächsten treibt.


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