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Zentralbanker - Kein Spielraum mehr und die Zeit läuft ab

14.12.2019  |  Michael Pento
Man müsste schon an Einhörner, Bigfoot, Kobolde und die Zahnfee glauben, um zu denken, dass das aktuelle Wirtschaftskonstrukt nachhaltig ist. Man müsste zudem auch jämmerlich unwissend der Geschichte sein. Tatsächlich gab es keine Nation, die massive Schuldenmonetisierung durchgeführt hat und nicht letztlich mit Hyperinflation, Depression und massivem Chaos konfrontiert wurde. So etwas wie Magie gibt es einfach nicht und eine Wirtschaft kann nicht auf Grundlage von Schulden, Assetblasen und unbegrenzter Fiatgelddruckerei aufgebaut werden.

Vielleicht ist der Grund, warum der Markt bisher noch nicht implodiert ist, die Tatsache, dass die entwickelte Welt diese sogenannte "Strategie" des hemmungslosen Zentralbankwahnsinns koordiniert hat, um permanente Negativzinspolitik und QE zu betreiben. Demnach wurde eine Währungskrise bisher abgewendet.

Doch nun, da diese Gelddrucker aufs Ganze gehen, kann die nächste Rezession oder Stillstand an den Kreditmärkten nicht durch einen taubenhaften Umschwung der Geldpolitik abgewendet werden, da Regierungen bereits das geldpolitische und fiskalpolitische Gaspedal durchgetreten haben.

Die Welt hat nun 255 Billionen Dollar Schulden und die USA alleine fügen jedes Jahr eine Billionen Dollar zu diesem Berg hinzu. Die Fed betreibt wieder QE, gemeinsam mit der EZB und der BOJ. Und keine Zentralbank der entwickelten Welt hat noch länger Spielraum, die Zinsen zu senken, um Verbrauch anzukurbeln.

In den letzten Monaten haben wir eine Invertierung der Renditekurve, einen Stillstand der Kreditmärkte, zunehmende Repo-Raten, feststeckendes Weltwirtschaftswachstum, Gehaltsrezession und Aktiencrash beobachten können. Die Fed bekam Panik und ging von ihrer Praxis der Zinserhöhungen und QT-Programm zu drei Zinssenkungen und einer Rückkehr zu QE über (60 Milliarden Dollar im Monat.) Diese dramatische Änderung der Geldpolitik ist der Hauptgrund dafür, dass der Markt auf beinahe Rekordhochs gestiegen ist.

Demnach ist die Frage für Investoren, ob sich die Wirtschaft in einem Abschwung Mitte des Zyklus wie 1995 befindet, in dem die Fed die Zinsen einige Male senkt und die Aktien bis zum Ende des Millenniums um fast 200% steigen (Das ist es, auf das Powell hofft und Sie glauben lässt). Oder ob wir uns in einem Zinssenkungszyklus 2000/2007 befinden, in dem die Bemühungen der Fed, die Kreditkosten der Banken um mehr als 500 Basispunkte zu reduzieren, bedauerlicherweise inadäquat gegenüber der Reflation der Wirtschaft und der Aktien war. Und tatsächlich gar nichts dazu beigetragen wurde, ein absolutes Blutbad der Assetpreise bei beiden Alternativen zu vermeiden.

Es ist sehr wichtig, diese Frage korrekt zu beantworten, da man nicht Short gegenüber den Aktien positioniert sein und das massive Blow-Off Top verpassen möchte. Ähnlich möchte man nicht passiv kaufen und Aktien halten, wenn sie kurz davor sind, erneut mehr als die Hälfte ihres Wertes zu verlieren.

Es ist jedenfalls wichtig, hervorzuheben, dass die Fed nur in der Lage war, den unausweichlichen Crash einige Jahre in der Schwebe zu halten. Doch das verschlimmerte den letztlichen Untergang nur. Also befinden wir uns tatsächlich auf dem Weg zu einem epochalen Crash; doch wie tief werden wir fallen?

Da sich der Wert der Aktien bereits in der Thermosphäre befindet, ist eine weitere Zunahme der Aktienkurse, wie wir Ende der 1990er Jahre beobachten konnten, außer Frage. Die weltweiten Zinsen befinden sich auf einem Rekordtief, während die Schuldenniveaus auf Rekordhochs sind. Und die Zentralbanker der gesamten entwickelten Wert befinden sich bereits in einer Art QE-Zustand. Deshalb ist der geldpolitische und fiskalpolitische Brennstoff einfach nicht verfügbar, um Assetpreise von hier aus weiter anzukurbeln.

Ein Modell zu haben, das 20 ausgewählte Bestandteile analysiert und signalisiert, wann es Zeit ist, Long-Positionen in Aktien aufzugeben, in Bargeld zu investieren, Netto-Short gegenüber Aktien zu sein und eine Investition in Gold zu erhöhen, ist sehr wichtig. Die Aussicht für Erträge und das BIP-Wachstum verschlechtert sich weiter und deutet auf Schwierigkeiten hin. Doch bisher erwarten wir keinen Breakdown des Markts der hochrentierlichen Schulden. Die Breakeven- und LIBOR-Spreads sind noch immer untätig. Und wichtiger noch: Obwohl die Renditespanne der 10- bis 2-jährigen Staatsanleihe erneut zu kontrahieren begonnen hat, nachdem sie sich im letzten Jahr umgekehrt hatte, hat sie bisher keine Alarmglocken läuten lassen - doch beinahe.

Wenn diese Spread unter 10 Basispunkte fällt oder sogar noch einmal invertiert, wird das sehr sicher bedeuten, dass die Anpassungen der Fed Mitte des Zyklus bedauerlicherweise inadäquat waren und wir uns auf eine weitere große Rezession/Depression sowie einem Crash der Aktienkurse zubewegen. Alternativ ist eine Erweiterung der Renditespanne aufgrund einer steigenden 10-jährigen Staatsanleihe ein Zeichen zunehmender Wirtschaftsstärke, wenn auch auf temporärer Basis.

Ende des letzten Jahres preisten Investoren eine Rezession ein und der Aktienmarkt befand sich im freien Fall. Doch bisher hat die Fed diese Ängste einer Rezession beruhigt und dafür gesorgt, dass die meisten Investoren eine weltweite Wirtschaftserholung vollständig einpreisen. Nun liegt die Last auf der Materialisierung dieser Erholung. Andernfalls steht den Investoren eine große Enttäuschung bevor, wenn man die Tatsache bedenkt, dass die Aktienbewertungen niemals höher gegenüber der zugrundeliegenden Wirtschaft waren.

Investoren müssen die Daten betrachten, anstatt sich durch das Mantra der Wall Street über ewiges Wachstum und faire Bewertungen beeinflussen zu lassen. Das Ziel sollte es sein, Geld während aller Wirtschaftszyklen zu machen und das umfasst Depression, Stagflation und alles dazwischen. Das ist einzigartig an der Wall Street, da 95% der Vermögensverwalter einfach versuchen, den S&P 500 nachzuahmen und eine heftige Gebühr dafür verlangen.

Ich beende diesen Artikel mit einer Warnung von Vanguard, dem größten Anbieter von Mutual Funds und dem zweitgrößten Anbieter von börsennotierten Fonds in der Welt. "Während das Weltwirtschaftswachstum 2020 weiter zurückgeht, sollten Investoren periodisch Volatilität an den Finanzmärkten erwarten, angesichts zunehmender politischer Unsicherheiten, Spätzyklenrisiken und überdehnten Bewertungen. Unsere kurzfristige Prognose für die weltweiten Aktienmärkte bleibt verhalten und die Wahrscheinlichkeit eines großen Rückgang der Aktienkurse und anderer High-Beta-Assets bleibt weiterhin hoch und deutlich höher als in einem normalen Marktumfeld... Erträge im nächsten Jahrzehnt sollen bestenfalls moderat bleiben."

Der durchschnittliche Investor wird Glück haben, überhaupt Erträge im nächsten Jahrzehnt - und mit den deutlichen Abnahmen während dieser 10 Jahre - zu verzeichnen. Angesichts dieses außergewöhnlichen Setups könnten Investoren planen wollen, Short-Positionen gegenüber dem Markt einzunehmen, wenn der sekuläre Abschwung beginnt. So werden sie Kapital besitzen, nachdem die Panik vorbei ist.


© Michael Pento
www.pentoport.com



Der Artikel wurde am 9. Dezember 2019 auf www.pentoport.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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