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Jahrzehnt des gefährlichen Lebens (Teil 1)

13.01.2020  |  John Mauldin
Willkommen in den 2020er Jahren. Einige waren sich nicht sicher, ob wir es bis hierher schaffen würden, doch das haben wir. Nun sehen wir einem neuen Jahrzehnt und neuen Herausforderungen entgegen. Wie wir diesen begegnen, wird die Art von Unterhaltung bestimmen, die wir 2030 führen werden.

Diese Sorge um die Zukunft ist eines der Dinge, die Menschen von Tieren unterscheiden. Hunde sorgen sich nicht um morgen, ganz zu schweigen vom nächsten Jahr. Sie leben vollkommen in der Gegenwart und geben alles (eine Fähigkeit, die ich manchmal beneide).

Da ich ein Mensch bin, muss ich über die Zukunft nachdenken. Und da ich ein Autor bin, möchten die Leute wissen, was ich denke. Also werde ich heute und im nächsten Teil dieses Artikels hervorheben, was ich sowohl für das Jahr 2020 als auch das Jahrzehnt der 2020er Jahre erwarte.


Krise aufgeschoben

Auf gewisse Art und Weise ist "Jahrzehnt des gefährlichen Lebens" eine Fortsetzung meiner 2019-Prognose, "The Year of Living Dangerously." Ich denke allgemein, dass die 2020er Jahre hart werden. Doch ich möchte klarstellen: Meine Prognose für das Jahrzehnt ist nicht meine Prognose für das kommende Jahr.

Zusammenfassend erwarte ich, dass 2020 wie eine langsamere Version von 2018 und 2019 aussehen wird. Mein Grundargument lautet: Keine Rezession dieses Jahr, mit all den üblichen Warnungen. Doch es ist wichtig zu wissen, worauf man achten sollte. Einige wichtige Ereignisse, die im letzten Jahr begannen, werden sich 2020 fortsetzen. Einige von ihnen sind schwer zu fassen, wie ich bereits in dem Artikel von vor einem Jahr erklärte.

Allgemein erwarte ich, dass ich dieses Jahr gefährlich leben werde. Ja, ich denke an den Film von 1982 mit Mel Gibson und Sigourney Weaver, basierend auf einem frühen Roman von Christopher Koch. Es spielt in Asien und behandelt korrupte Politik, Anfänger-Journalisten, internationale Intrigen sowie einen geschlechtsverändernden chinesischen Zwerg. Wenn Sie keine Ahnung haben, wie das alles zusammenpasst, dann willkommen im Jahr 2019. Wir stecken alle in diesem Wahnsinn fest und können nur das Beste daraus machen.

Alte Prognose zu betrachten, kann demütigend sein, doch ich denke, dass sich meine Prognose für 2019 gut bewährt hat. Ich habe mehrere Risiken hervorgehoben, von denen tatsächlich alle auftraten. Glücklicherweise hatte keines von diesen ernsthafte Konsequenzen... doch noch sind sie nicht vorbei.

Risiko ist im Übrigen ein oftmals falsch verstandenes Wort. Es ist die Möglichkeit, dass etwas Schlimmes passieren wird. Dieses Risiko nehmen Sie jedes Mal in Kauf, wenn Sie in Ihr Auto steigen und irgendwohin fahren. Unfälle sind immer möglich, egal wie vorsichtig Sie sind. Die Tatsache, dass Sie heute keinen Unfall gebaut haben, bedeutet nicht, dass Sie morgen jegliche Vorsicht außer Acht lassen können. Das Risiko besteht noch immer.

Ähnlich bedeutet die Tatsache, dass wir das Jahr ohne Krise X überstanden haben nicht, dass das Risiko verschwunden ist. Das gefährliche Leben holt uns üblicherweise ein.

Meine große Sorge für 2019 war ein politischer Fehler seitens der Federal Reserve. Die Zinserhöhung im Dezember 2018 stellte sich als die letzte des Zyklus' heraus, auch wenn das damals niemand wusste. Wir beobachteten, wie die Fed sowohl die Zinsen erhöhte als auch ihre Bilanz reduzierte und die Märkte mochten das ganz und gar nicht. Ich meinte, dass man entweder das eine oder das andere tun sollte, doch nicht beides simultan. Ich erklärte, dass es hart werden würde.

Wir befinden uns in einer ernsthaften Klemme. Die außergewöhnlichen Maßnahmen, die Zentralbanken ergriffen, um uns aus der letzten Krise zu helfen, könnten die nächste noch schlimmer machen. Sie scheinen einheitlich darauf aus, ihre Bilanzen zu reduzieren. Das Vermeiden einer weiteren Liquiditätskrise wird ernsthaftes aktives Management durch den Offenmarktausschuss und auch Zentralbanken allerorts voraussetzten. Ich bin mir nicht sicher, ob sie das schaffen.

Die Liquiditätskrise, die ich befürchtete, traf tatsächlich neun Monate später ein. Der Repo-Markt verkrampfte sich, was dazu führte, dass die Fed ein QE-ähnliches Anleihekaufprogramm startete, das heute noch immer im Gange ist. Die schlechten Entscheidungen der Fed haben den Punkt erreicht, an dem alle Optionen schlecht sind.

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Ich erwarte kaum, dass die Fed ihr Repo-Programm nach den sechs geplanten Monaten beendet, da ich keinerlei Möglichkeit sehe, dass das Regierungsdefizit reduziert werden wird. (Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es sogar wachsen wird.) Oh, es ist möglich, dass sie es für eine kurze Zeit pausieren, doch dann werden wir ein weiteres Taper Tantrum beobachten können und sie werden die Schleusentore erneut öffnen. Der QE-Forever-Modus der Fed hilft den Aktienkursen und anderen Assetpreisen aktuell. Das könnte sich bis 2020 fortsetzen, doch nicht für immer.


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