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Jahrzehnt des gefährlichen Lebens (Teil 2)

10.02.2020  |  John Mauldin
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Im November schätzte das IIF, dass die weltweiten Schulden die 255 Billionen Dollar bis zum Jahresende übertreffen würden. Wenn das stimmt, dann wäre das ein Anstieg von 4,8% für das Kalenderjahr. Das ist mehr als das BIP-Wachstum der gesamten Welt oder der meisten Industrieländer. Es ist ebenso höher als das Bevölkerungswachstum an den meisten Orten.

Lassen Sie uns einen Augenblick über diese Zahl nachdenken. Diese Wachstumsrate, bei der es allen Grund gibt, an eine weitere Beschleunigung zu glauben, bedeutet, dass wir bis 2030 weltweite Schulden von 400 Billionen Dollar erwarten können. Und das bezieht noch nicht einmal die 120 Billionen Dollar nicht fundierter US-Regierungsschuldverschreibungen ein.

Mein Freund Larry Kotlikoff glaubt, dass diese näher bei 200 Billionen Dollar liegen und ich denke, dass die Annahme verhältnismäßig ist, dass sich Europa in dieser Größenordnung bewegt. Dort hat man ebenso soziale und Rentenversprechungen gemacht, die ihre Budgets nicht ohne deutliche Defizite (und demnach mehr Schulden) bieten können. Und allgemein sind deren Steuersysteme bereits bis aufs Äußerste angespannt.

Während langfristige Leser wissen, dass ich gegen höhere Steuern bin, so kann ich für die USA Rechnungen anstellen. Wir werden die Steuern erhöhen müssen, wenn wir auch nur in Rufreichweite der fiskalpolitischen Vernunft bleiben möchten.

Das, was nicht fortgesetzt werden kann, wird das nicht. Es ist einfach nicht möglich, dass die Prokopfschulden stärker zunehmen als das Wirtschaftswachstum des Landes, in dem die Gläubiger leben. Es gibt Grenzen. Kürzliche Erfahrungen deuten an, dass diese deutlich entfernter sind, als wir dachten; doch sie sind da draußen.

Ein letzter Gedanke. Wenn es zu einer Rezession kommt - was wahrscheinlich nach der Wahl der Fall sein wird (der einzig bedeutende Datenpunkt zwischen Jetzt und dem Ende des nächsten Jahres) - wird das Defizit auf über 2 Billionen Dollar im Jahr explodieren und, ohne bedeutsame Reform, keinen Blick zurück werfen. Das belässt die US-Schulden bei mehr als 35 Billionen Dollar bis Ende 2029.

Hier ein Chart, den Patrick Watson und ich vor einigen Monaten erstellt haben und der die Defizite zum Ende der nächsten Rezession darstellt. Wir beziehen uns auf Ausgabeprognosen des Congressional Budget Office (die wahrscheinlich niedrig sind) und nehmen an, dass die Steuereinnahmen um denselben Prozentsatz fallen wie in der letzten Rezession.

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Unproduktiv und Nicht-Linear

Wir sorgen uns - zu Recht - um die US-Regierungsschulden, doch das ist nur der Anfang. Unternehmen haben sich bis aufs Äußerste fremdfinanziert und ein Großteil dieser Schulden könnten einfach zu Regierungsschulden gemacht werden.

Die letzte Finanzkrise drehte sich um Hypotheken und zugehörige Derivate. Millionen lernten die harte Lektion und brachten das nächste Jahrzehnt mit dem Schuldenabbau zu. Ja, die Leute stürzen sich noch immer in Situationen, denen sie nicht gewachsen sind, doch das ist nun deutlich seltener.

Doch die fehlenden Hypothekenschulden wurden durch zusätzliche Regierungsschulden ersetzt. Das allgemeine Schuldenbild verschlechtert sich stetig. Aktuell ist es nachhaltig, weil die Wirtschaft wächst (wenn auch schwach, doch zumindest kontrahiert sie nicht).

Lacy Hunt von Hoisington Investment Management hat ein Auge auf einem Wert, der uns allen Schauer über die Rücken jagen sollte. "Schuldenproduktivität" ist die Zahl neuer Schulden, die mit einer gewissen Menge BIP-Wachstum assoziiert sind. Im letzten Quartal fand er heraus, dass jeder Dollar weltweiter Schulden nur 0,42 Dollar weltweiten BIP-Wachstums generiert. Das ist ein Rückgang von 11,1% im Vergleich zum letzten Jahrzehnt.


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