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Jahrzehnt des gefährlichen Lebens (Teil 2)

10.02.2020  |  John Mauldin
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  • Das Beginnen der Leiden: Etwas, wahrscheinlich hochrentierliche Anleihen, werden ein Liquiditätsgerangel verursachen. Dieses wird sich durch das bereits instabile Finanzsystem ziehen und eine umfangreichere Kreditkrise auslösen.

  • Kreditdürre: Zunehmende Zahlungsausfälle werden Banken dazu zwingen, ihre Kreditvergabe zu reduzieren, was zuvor stabilen Unternehmen Arbeitskapital raubt. Das wird Erträge und Wirtschaftswachstum reduzieren. Das geringere Wachstum wird zu negativem Wachstum werden und wir werden in eine Rezession eintreten.

  • Politische Gegenreaktion: Simultan mit dem Obengenannten werden Arbeitgeber Jobs automatisieren, wenn sie verzweifelt versuchen, die Kosten zu reduzieren. Leidende Arbeiter - die Wähler sind - werden höhere Ausgaben für "soziale Sicherheitsnetze" erzwingen und die Regierungsschulden werden in die Höhe schnellen. Eine populistische Gegenreaktion könnte zu Steuerzunahmen führen, die eine Rezession hinauszögern.

Ich erwarte noch immer etwas ähnliches, auch wenn es viel mehr ein langandauernder Wiederholungsprozess ist. Ich denke, dass mehrere solcher Sequenzen auftreten könnten, bevor ein letztlicher, Markt bereinigender, großer Neustart eintritt, den ich in der späteren Hälfte der 2020er Jahre erwarte.

Nach jeder Rezession/Krise und vor allem während Technologie damit beginnt, die Jobs der Mittelklasse zu fressen, sollten Sie zumindest alle vier Jahre ausgemachte, politische Unruhen erwarten. Die Politiker werden Versprechen machen und werden letztlich einfach nicht in der Lage sein, diese zu halten und eine neue Gruppe wird andere Versprechen machen, die sie ebenfalls nicht halten kann.

Die zunehmende politische Kluft existiert nicht nur zwischen links und rechts. Beide Seiten sind ebenfalls mit denjenigen frustriert, die als "Eliten" angesehen werden. Wenn Sie diesen Artikel lesen, dann würden die meisten Leute Sie wahrscheinlich in diese Kategorie einordnen. Trotzdem fühlen Sie sich nicht wie die Elite. Ich sicherlich tue das nicht. Ich bin einer der glücklichsten und gesegnetsten Männer der Welt, doch ich denke sicherlich nicht von mir selbst - zumindest angesichts meiner einfachen Anfänge - dass ich der Elite auch nur nahe komme. Diese Fehlkommunikation ist ein großer Teil des Problems.

Philippa Dunne erklärte vor kurzem in The Liscio Report, dass wir in diesem Land nicht länger einen geteilten Realitätssinn besitzen. Wir beobachten dieselben Umstände mit unserer eigenen Interpretation von Realität und fragen uns dann, warum andere Leute nicht das sehen, was wir sehen.

Ich betrachte diese Probleme jeden Tag und habe Schwierigkeiten damit, die Komplexität zu verstehen. Der durchschnittliche Laie? Ein Mann hört, was er hören möchte und ignoriert den Rest. Wir haben uns in unsere sozialen Medien und persönlichen Echokammern geflüchtet und sie zu unserer Realität gemacht, vollkommen anders von denen anderer Gruppen/Stämme.

In Online-Spielewelten "grinden" Spieler durch Dungeons und Zombies, um genügend Erfahrungspunkte zu sammeln, um im Spiel voran zu kommen. In meiner Version von The Long Now betreten wir nun diese "Grinding"-Phase. Wir bewegen uns einfach vorwärts und nehmen diejenigen Herausforderungen an, die als nächstes folgen (ob Zombies oder Zentralbankpolitik, was auch dasselbe sein könnte). Währenddessen werden sich die Schulden stapeln, das Wachstum verlangsamen, doch uns mehr Zeit zum "Grinden" verschaffen.

Letztlich werden wir den großen Neustart erreichen und das wird nicht einfach eine weitere Rezession oder sogar Depression sein. Es wird eine echte, welterschütternde, generationelle Krise sein. Mein Freund Neil Howe spricht über das Fourth Turning, eine gesellschaftliche Katastrophe, die alle 80 Jahre oder so stattfindet. Die letzte war der Zweite Weltkrieg. Mein guter Freund George Friedman hat ein Buch mit dem Titel "Die Ruhe vor dem Sturm" geschrieben. Er erwartet zwei Zyklen in der geopolitischen Welt, einer von ihnen 80 Jahre und der andere 50 Jahre, die in den späten 2020er Jahren zusammentreffen. Zufall? Vielleicht, doch es geht nur darum, wann ich denn großen Neustart erwarte.

Wir werden politische und gesellschaftliche Unruhen sehen. Der Höhepunkt: All die Schulden werden an den Markt gebracht werden, rebalanciert und der Markt wird zu einigen neuen Bewertungen "bereinigt" werden. Alle Vermögenswertpreise (und jede Schuldverschreibung ist jemandes Asset) werden zurückgesetzt werden.

Es wird Gewinner und Verlierer geben. Weil wir nicht wissen, wer irgendwann zu diesem Zeitpunkt an der politischen Macht sein wird, ist es unmöglich die Gewinner und Verlierer heute vorherzusagen. Zudem könnte die Technologie die Natur der internationalen Währungsmärkte verändern.

Doch zuerst werden wir das lange Jetzt überdauern müssen. Es wird scheinen, als könnte es ewig so weitergehen und vielleicht wird es das. Ich kenne die Zukunft nicht. Doch mein Verständnis der Geschichte, meine wahrgenommene Realität, sagt mir, dass es so nicht weitergehen kann. Es wird eine Abrechnung geben, nachdem wir echtes Wachstum und Wohlstand verzeichnen werden. Gute Zeiten liegen voraus. Zumindest glaube und hoffe ich das.

Der große Neustart wird jedem gleich schaden oder zumindest auf dieselbe Weise. Das Leid wird ungleich aufgeteilt werden. Wie ich sagte, vieles hängt davon ab, wer den Vorgang kontrolliert. Politisch gesehen erhalten Populisten auf der linken und der rechten Seite zunehmend Macht. Ihre Sorgen und Prioritäten mögen sich unterscheiden, doch beide sind anti-elitär und beide möchten, dass ihre bevorzugten Gruppen "mehr" bekommen und drücken jemand anderem die Kosten auf.

Das scheint wie die Formel für Gewalt und das ist es, doch letztlich werden die Leute des Kämpfens müde und gewillt sein, Kompromisse einzugehen. Oder die Märkte zwingen sie zu Kompromissen. Das wird der große Neustart sein - eine Art weltweiter Neuversuch. Niemand bekommt alles, was er möchte, doch jeder beginnt von Neuem. Dann werden die Karten willkürlich ausgeteilt.

Der unbekannte Teil ist hierbei, wie viel Leid wir ertragen werden müssen. Es könnte eine Menge sein...

Die guten Nachrichten lauten, dass der "Grind" des langen Jetzt uns die Möglichkeit zur Vorbereitung auf das gibt, was noch kommt. Und wir haben viele Beispiele von Ländern, die durch ihre eigenen individuellen "großen Neustarts" gegangen sind. Im Falle von Argentinien und/oder Italien, viele Male. Ich habe beide Ländern besucht und sie sind wundervolle Orte, wenn sie sich nicht in einer Krise befinden.

Das ist exakt, was - wie ich glaube - nach dem großen Neustart passieren wird. Es wird ein wundervoller Ort sein.

Sie müssen während des großen Neustarts nicht vollkommen alleine sein. Persönlich kann ich mir während einer Krise nichts Besseres vorstellen, als Teil einer engen Gruppe ähnlich denkender Leute zu sein, egal ob enge Familie oder Gesellschafts- und Geschäftskreise.

Den ersten Teil können Sie hier lesen.


© John Mauldin
www.mauldineconomics.com


Dieser Artikel wurde am 10. Januar 2020 auf www.mauldineconomics.com veröffentlicht und in Auszügen exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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