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"Melt-up Madness": Wie die Fed selbst zur größten Gefahr wird!

22.01.2020  |  Uli Pfauntsch
Seit dem vergangenen Herbst hat sich an den Märkten ein klares und verlässliches Muster herausgebildet. Unabhängig von Fundamentals, Bewertungen oder davon, was irgendwo auf der Welt passiert -, die Aktienmärkte kennen nur einen Weg - den nach oben! Schwache Wirtschaftsdaten und selbst geopolitische Konflikte wie zuletzt zwischen den USA und Iran belasten allenfalls für wenige Stunden - ehe die Indizes wie von Geisterhand auf neue Rekordhochs klettern.

Für den unnachgiebigen Anstieg gibt es eine wesentliche Ursache: die Fed pumpt Geld in einem Ausmaß in den Markt wie nie zuvor. Seit Oktober ist die Fed-Bilanz um 10 Prozent ausgeweitet worden, gleichzeitig schoss der S&P 500 um 12 Prozent nach oben und markierte sein bestes viertes Quartal seit 2013. An jedem einzelnen Handelstag hat die Fed auf den Repo-Märkten Liquiditätsspritzen bereitgestellt, um die Übernachtzinsen künstlich zu drücken und die steigende Nachfrage der Banken nach Liquidität zu befriedigen. Warum die Märkte nicht fallen?

Weil sie es vermutlich zum jetzigen Zeitpunkt nicht können. Die Liquidität, die von der Fed in den Markt gepumpt wird, ist zu überwältigend und es gibt keine Anzeichen, dass man damit aufhören möchte. Das Schicksal der US-Finanzindustrie ist vergleichbar mit einem Junkie, der immer höhere Dosen Crack benötigt und dem mit herkömmlichen Methoden nicht mehr zu helfen ist.

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Was als vorübergehende Liquiditätskrise begann, ist nun offenbar zum Dauerzustand geworden. Bislang hat die Fed ihre Bilanz seit September um rund 400 Milliarden Dollar aufgepumpt - und Monat für Monat kommen zwischen 60 und 100 Milliarden Dollar hinzu.

Was wir erleben, ist eine beispiellose Perversion der Finanzmärkte. Denn die Zufuhr von gigantischer Liquidität ist nun dauerhaft geworden und verzerrt sämtliche Vermögenspreise bis zur Unkenntlichkeit.

Das Jahr ist noch jung, doch an jedem einzelnen Tag sorgten die Repo-Milliarden dafür, dass sich die Aktienmarktblase unnachgiebig aufblähte. Mit einer Ausnahme – dem ersten Handelstag, gleichzeitig die kleinste Repo-Aktion des Jahres. Sicherlich kein Zufall.

Die Fed könnte diese Theorie testen, indem sie ihre Markteingriffe für ein paar Tage einstellt. Natürlich wird sie es nicht tun. Zu panisch sind die Zentralbanker, dass der Repo-Markt ein ähnliches Chaos wie zur Finanzkrise in 2008/2009 auslöst, das letzte Mal, als die Fed am kurzfristigen Repo-Markt intervenierte.

In früheren Zeiten galt die Fed als Nothalt (Lender of Last Resort). Doch das war einmal. Inzwischen ist die Fed zu einer unnachgiebigen, rücksichtslosen Gelddruckmaschine geworden, die überall eingreift. Und niemand weiß, was als nächstes kommt. Die Fed hat bereits Helikoptergeld in Erwägung gezogen und könnte neben Bonds auch unbegrenzt Aktien am Markt aufkaufen.

Wie das Wall Street Journal aktuell berichtet, hat die Fed offensichtlich die "Bedürftigsten" der amerikanischen Gesellschaft identifiziert, die die Milliarden am meisten nötig haben: Hedgefonds. "Vertreter der Federal Reserve erwägen, über Clearingstellen Bargeld direkt an Hedgefonds zu verleihen, um den Stress auf dem Repo-Markt zu lindern", so das Wall Street Journal. Insider glauben zu wissen, dass sowohl Hedgefonds als auch Clearingstellen, - offensichtlich die schwächsten Glieder im Finanzsystem -, die wahre Ursache sind, weshalb der Repo Markt im letzten Herbst plötzlich verrücktspielte.

Erinnerungen werden wahr an die Schieflage von Long Term Capital Management, die in 1998 die schwerste Krise seit der Großen Depression in den 1930er Jahren auslöste. Damals reichte die Pleite eines einzigen Hedgefonds aus, um die Welt ins Wanken zu bringen. Heute arbeiten Hedgefonds mit einem riesigen Kredithebel, größtenteils über Zinsderivate und andere riskante Wetten in Billionen-$-Umfang. Die Schieflage eines einzigen Hedgefonds kann eine beispiellose Kettenreaktion auslösen, die den gesamten Finanzsektor in den Abgrund reißt.

Die Fed hat sich selbst zur Feuerwehr ernannt, die jeglichen Brandherd mit gigantisch hoher Liquidität erstickt, doch sie erkennt nicht, dass sie selbst zur größten Gefahr geworden ist. Nämlich der Gefahr, massive Malinvestments und Blasen zu erzeugen, deren unvermeidliche Abwicklung eine noch sehr viel schlimmere Krise als in 2008/2009 auslösen könnte. Darüber hinaus befeuert die Geldpolitik den sozialen Sprengstoff in Form immer extremerer Ungleichheit sowie die Konflikte zwischen Linken und Rechten, Sozialisten und Kapitalisten.



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