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EZB lässt es ruhig angehen

24.01.2020  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1084 (07:30 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,107 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,54. In der Folge notiert EUR-JPY bei 121,42. EUR-CHF oszilliert bei 1,07317.

Wie von den Marktteilnehmern erwartet, gab es nach der gestrigen EZB-Sitzung keine Änderungen in der Geldpolitik. Damit verbleiben der Leitzins bei 0% und der Spitzenrefinanzierungssatz bei -0,5%. Die Zinsen werden auf aktuellem Niveau oder tiefer bleiben, bis das Inflationsziel von knapp 2% erreicht wird. Das Interessante steckt vielmehr im Detail. Die EZB hat mit dem gestrigen Tag ihre Strategieüberprüfung offiziell begonnen, die Ende diesen Jahres abgeschlossen sein soll. Die Überprüfung wird umfassen:
  • die "quantitative Formulierung von Preisstabilität, geldpolitisches Instrumentarium, wirtschaftliche und monetäre Analyse sowie Kommunikationspolitik"

  • "Finanzstabilität, Beschäftigung und ökologische Nachhaltigkeit, sind ebenfalls Teil der Überprüfung"

Einer Frage auf die Auswirkungen auf die Sparer - insbesondere in Deutschland - wich Lagarde allerdings aus. Hier verwies sie auf die Aufgabe der EZB, Preisstabilität zu schaffen und den fraglosen Erfolg eine Wirtschaftskrise abgefedert zu haben. Ebenso forderte sie Schützenhilfe durch die Länder, sei es durch Ausgabenerhöhungen oder durch Steuersenkungen.

Der letzte Punkt war in ihren Ausführungen nicht nur neu, sondern sollte intensiv diskutiert werden. Denn während die sparende Bevölkerung in Europa durch das negative Realzinsniveau Einkommenseinbußen hinnimmt, genießen die Länder auf der anderen Seite einen Zinsvorteil in der Finanzierung ihrer Schulden. Dieser Vorteil könnte gesellschaftlich akzeptabler aufgeteilt werden, ohne dass die Vorteile der Geldpolitik verloren gehen. Die positiven Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte, die in Südeuropa besonders wichtig waren, wollen wir an dieser Stelle nicht unter den Tisch fallen lassen.

Die bestehende Assetpreisblase würde auch durch Steuersenkungen nicht aufgefangen werden. Wer leidet aber am meisten unter der Niedrigzinspolitik? Die Menschen, die in ihrem Leben keine Vermögenwerte aufbauen konnten. Also ältere Menschen aus einkommensschwachen Schichten oder junge Menschen, die schlicht keine Möglichkeiten zum Vermögensaufbau hatten. Grade letzte treten jetzt erst in den Arbeitsmarkt ein und sehen sich mit sehr hohen Vermögenspreisen konfrontiert. Eine breite Steuersenkung für die unteren Lohngruppen - und nicht eine Sonderbehandlung für politisch ausgewählte Zielgruppen, könnte einen Teil des Problems abfedern.

Frau Lagarde hat Recht, dass dies keine Hausaufgabe der EZB ist. Damit geht der Blick nach Berlin, Paris und zu den anderen Hauptstädten…

Für die Kaptalmärkte aktuell belastend ist die Frage nach den wirtschaftlichen Auswirkungen des bisher hauptsächlich in China kursierenden Coronavirus. Es bietet sich hierbei ein Vergleich mit den Auswirkungen der SARS-Pandemie 2002/2003 an. Sollte es zu einer ähnlichen Ausbreitung und Kosten kommen, könnte auch die Kapitalmarktreaktion ähnlich verlaufen. Danach mag es, je nach Markt, noch ein Abwärtspotential zwischen 5-10% geben.

Bisher scheint die chinesische Regierung jedoch schneller auf die Situation zu reagieren und auch offener gegenüber der WHO zu kommunizieren. Am wahrscheinlichsten erscheint uns aktuell eine weitere negative Reaktion an den asiatischen Märken, die sich aber bei erfolgreicher Eindämmung des Virus schnell wieder erholen dürften.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem US-Dollar favorisiert. Ein Durchbrechen der Unterstützungszone bei 1.0950 - 1.0980 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!


© Christian Buntrock
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