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Die Ablehnung von Experten

20.02.2020  |  John Mauldin
Regelmäßige Leser wissen, dass ich oft die sogenannten "Experten" kritisiere, die üblicherweise Volkswirtschaftler oder Zentralbanker sind, deren fehlerhafte Entscheidungen den Rest von uns bestrafen. Ich finde, dass ihre Expertise nicht annähernd so verlässlich ist, wie sie zu glauben scheinen.

Zeitgleich verlasse ich mich auf die Experten, deren Urteilsvermögen ich vertraue. Ich weiß, dass sie nicht perfekt sind - üblicherweise weil sie ihre eigenen Grenzen und die Grenzen der Daten, auf die sie sich verlassen, kennen und offenlegen. Ich lasse mich von vielen Quellen inspirieren, platziere sie in meinem mentalen Mixer und produziere eine hoffentlich süffige, geschmackvolle Mixtur, die Sie in meinen Artikeln lesen können.

Der interessante Teil, der meinen Gedanken oftmals entfleucht, ist die Tatsache, dass diese Ideen dazu führen, dass viele Leser mich als Wirtschaftsexperten ansehen. Dann machen sie mich dafür verantwortlich für etwas, das ich gesagt habe, so wie ich es mit den Zentralbankern tue.

Sie liegen absolut richtig. Diejenigen von uns, die eine große Leserschaft besitzen, sollten für das, was wir sagen, verantwortlich sein. In meinem Fall wäre das nicht in juristischer Hinsicht, da diese Artikel nicht als "Investitionsratschläge" gelten, doch ich bin meinen Lesern zumindest meine besten Bemühungen schuldig. Und auch ich - entschuldigen Sie bitte, wenn Sie das schockiert - mache manchmal Fehler.

Wie Sie heute merken werden, mache ich manches Mal wirklich schlimme Fehler. Doch glücklicherweise nicht allzu oft.

Das wirft eine interessante Frage auf. Kann ein Experte sowohl inkorrekt als auch wertvoll sein? Sind wir mit ihnen manchmal besser dran als ohne?

Das denke ich. Und kürzlich hat dies jemand bewiesen; auch wenn derjenige gleichzeitig meine eigenen Fehler hervorgehoben hat.


Der fehlende Yen

Zu Beginn des Monats haben Sie Teil 1 und Teil 2 meiner Prognosen für 2020 und die 2020er Jahre gelesen, in denen ich meine Prognose von 2019 erneut betrachtet habe. Ich habe eine Menge Arbeit in diese Artikel gesteckt. So viel, dass ich meine 5-Jahresprognose, die ich vor fünf Jahren publizierte, vollkommen vergessen hatte. Diese sollte ich ebenfalls noch einmal durchgehen.

Der Finanzberater Larry Swedroe hat diese Prognose vor kurzem auf der Seite Advisor Perspectives vernichtet. Ein wenig Recherche zeigt, dass er über die Jahre hinweg viele Variationen desselben Artikels geschrieben hat. Larry glaubt, dass alle Prognosen nutzlos und alle Prognostiker inkompetent sind. Es muss gut sein, seine eigene Schlussfolgerung zu kennen, bevor man überhaupt zu schreiben begonnen hat. Ich bin ein bisschen neidisch.

Ich habe Larry jedoch genügend Material zum Kritisieren gegeben. Mehrere meiner erwarteten Ereignisse sind in den darauffolgenden fünf Jahren nicht aufgetreten. Mein grundlegender Fehler war mein Gedanke, dass der japanische Yen einbrechen würde. Ich habe nicht erwartet, dass die Bank of Japan damit davon kommen würde, so große Mengen Stimuli in die Wirtschaft zu injizieren.

Gehen wir einen Schritt zurück. Das war die Timeline, die ich andeutete, als ich "Japan Is a Bug in Search of a Windshield" schrieb. Ich erklärte korrekterweise, dass die BOJ deutliche Mengen japanischer Staatsschulden monetisieren müsse, die sich damals nahe 250% des BIPs befanden. Ihr Anleihemarkt war bis ans Äußerste ausgedehnt. Und sie monetisierten aufs Heftigste.

Ich betrachtete die eher eingeschränkte quantitative Lockerung in den USA, die in Europa noch immer durchgeführt wurde. Während unsere QE die Assetpreise explodieren ließ, so schien das den Dollar nicht wirklich deutlich zu beeinflussen. Doch ich erwartete, dass die BOJ das 6- bis 8-Fache dessen tun müsste, was die USA oder Europa taten. Ich fand keine Beispiele in der Geschichte, wo ein derartig massives Eingreifen durch die Zentralbank die Währung nicht entwertet hatte.

Nun wissen wir, was passiert ist. Sagen wir einfach, dass ich nicht dieselben Ergebnisse wie George Soros und Stan Druckenmiller erhielt, als diese damals vor einem Jahrzehnt gegen das Pfund wetteten. Seufz...

Als Konsequenz der Yen-Prognose gewann der US-Dollar nicht so deutlich an Stärke, wie ich erwartete. Das machte es China und anderen Schwellenländern möglich, "harten Landungen" zu vermeiden, die vielleicht eine US-Rezession und einen Bärenmarkt ausgelöst hätten.

Die Reihenfolge der Ereignisse war damals plausibel und ich denke noch immer, dass so etwas geschehen wäre, wenn ich bezüglich des Yens richtig gelegen hätte. Doch das tat ich nicht und dieser Fehler führte zu weiteren. Wenn man eine Reihe von Dominosteinen aufgestellt hat und der erste nicht fällt, dann werden auch die anderen stehen bleiben. Doch letztlich werden sie umfallen.

Aktuell injiziert die Federal Reserve Milliarden in den Repo-Markt, der sich aufgrund der Anleihemärkte, die langsam an den vielen und wachsenden Staatsschulden ersticken, im Aufruhr befindet. Letztes Jahr hieß es, dass dies im März beendet werden wird. Meine Prognose für 2020 lautete, dass die Fed dieses Program über den März hinaus fortsetzen wird. Diese Woche wurde es auf April ausgeweitet. Ich glaube, dass wir eine weitere Verlängerung beobachten werden oder dass man das Programm nach einer kurzen Pause rasch wieder aufnehmen wird; denn die Märkte sind vom Stimulus abhängig geworden.

Das Wall Street Journal berichtete letzte Woche, dass die Fed einen Plan in Betracht ziehen würde, die langfristigen Zinsen der Staatsanleihen einzuschränken, indem unbegrenzte Mengen an Staatsanleihen gekauft werden.


Kaufen, Halten, Beten

Larry Swedroe nutzte meinen Fehler und den vieler anderer, um zu argumentieren, dass das Aufstellen von Prognosen sinnlos ist und man Denjenigen, die das tun, keine Beachtung schenken sollte. Es sei viel besser, so denkt er, das eigene Geld passiv an Indexfonds zu allokieren und das Beste zu hoffen. Sein Unternehmen würde Ihnen dabei gerne helfen - gegen eine Gebühr versteht sich.

Ich bin nicht gegen eine Halten-und-Kaufen-Strategie. Sie verdient einen Platz in einigen Portfolios. Mein Hauptproblem damit ist die Tatsache, dass sehr wenige Leute die Abwärtsbewegungen, die alle paar Jahre stattfinden, überstehen können. Sie erklären, dass sie es durchhalten können und meinen das auch so. Man kann ihnen ordnungsgemäße Fragebögen, Persönlichkeitsprofile und jede andere Art von Test geben. Sie können ihnen versprechen, ihr Händchen in schweren Zeiten zu halten.


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