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Es gibt gute Gründe, auf physisches Gold und nicht auf Gold-ETFs zu setzen

14.02.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Wie in Abb. 4 erkennbar ist, ging das Anwachsen der Gold-ETF-Bestände einher mit dem Trend fallender Zinsen. Das ist ein ökonomisch sehr plausibler Zusammenhang: Sinken die Erträge, die mit dem Halten von verzinslichen Anlagen - wie zum Beispiel in Form von Termin- und Spareinlagen bei Banken, aber auch kurzlaufenden Schuldpapieren - verbunden sind, gehen auch die Opportunitätskosten der Goldhaltung zurück. Wer also Gold hält, dem entgegen immer weniger Erträge, die er alternativ mit dem Halten von verzinslichen Papieren erzielen könnte.

Wenn das Umfeld extrem niedriger Zinsen andauert - und die Wahrscheinlichkeit dafür erscheint recht groß zu sein -, dann dürfte die monetäre Goldnachfrage - also die Nachfrage nach Barren, Münzen und Gold-ETFs - weiter zunehmen und eine preistreibende Wirkung für das Gold haben. Vor allem die Nachfrage nach Gold-ETFs wird dabei zulegen. Dafür sprechen insbesondere regulatorische Vorgaben. Viele institutionelle Investoren dürfen nicht in bewegliche Sachen investieren und können Gold nur über Fondslösungen erwerben.

Gerade also für institutionelle Investoren (wie zum Beispiel Versicherungen, Pensionsfonds und Hedgefonds), die Gold als Wertaufbewahrungs- und Versicherungsinstrument halten wollen, müssen den Weg über Gold-ETFs gehen, um in den Goldmarkt einsteigen zu können. In einem Umfeld sehr niedriger Zinsen dürften daher die Geldbeträge, die noch in Gold-ETFs und Gold-ETCs angelegt werden, weiter anschwellen - und diese Entwicklung dürfte zusätzlich noch an Fahrt gewinnen, wenn Anleger beginnen, Zahlungsausfall- und Inflationssorgen zu bekommen.


Gold-ETF-Bestände und Goldpreis

Seit 2003 bis heute lässt sich ein sehr enger und positiver Verbund zwischen den Gold-ETF-Beständen und dem Goldpreis beobachten (Abb. 5): In der Vergangenheit ging ein Ansteigen der Nachfrage nach Gold-ETFs einher mit einem steigenden Goldpreis und umgekehrt. Ausdrücklich betont sei hier, dass damit nichts über Ursache-Wirkung ausgesagt ist: Ob also die Gold-ETF-Bestände den Goldpreis beeinflussen (der wachsende Zufluss in die Gold-ETFs erhöht deren Goldnachfrage und dadurch auch den Goldpreis), oder ob das Gegenteil der Fall ist (dass ein steigender Goldpreis den Zufluss in die Gold-ETFs ermuntert).

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Quelle: Thomson Financial; Graphik Degussa.


Privatanleger sollten allerdings nicht unkritisch dem Gold-ETF-Trend folgen. Zwar sind Gold-ETFs und -ETCs eine einfache und in der Regel auch kostengünstige Möglichkeit, an der Goldpreisentwicklung teilzuhaben. Aber wer wirksame Vorsorge treffen will gegen die wachsenden Risiken im weltweiten Geld- und Kreditsystem, für den sind Gold-ETFs und -ETCs vermutlich nicht das gewünschte Produkt. Denn aufgrund ihrer komplexen Bauweise geben sie den Anlegern nicht das, was sich viele von ihnen erhoffen:

Im Notfall sicheren Zugriff auf physisches Gold zu haben. In Puncto Sicherheit geht nichts über das Halten von physischem Gold in Form von Münzen und Barren, sicher gelagert außerhalb des Banken- und Finanzsystems. Auf diese Weise lassen sich die Risiken, die mit Gold-ETFs und Gold-ETCs unweigerlich verbunden sind, umgehen, und der Anleger nimmt eins-zu-eins an der Goldpreisentwicklung teil.

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© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


(1) Siehe hierzu Degussa Marktreport, "Gold und Silber in 2020: Bullenmärkte, keine Blasenmärkte", 23. Januar 2020.


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