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Axel Merk: Coronavirus, etc. - Die Menschen gewöhnen sich an Krisen

17.02.2020  |  Mike Gleason
Mike Gleason: Es ist mir nun ein Privileg, Axel Merk bei uns begrüßen zu dürfen, Präsident und Chief Investment Officer von Merk Investments sowie Autor des Buches Sustainable Wealth. Axel ist ein bekannter Marktkommentator und Geldverwalter und ist gern gesehener Gast bei Finanzkonferenzen und Nachrichtensendungen weltweit. Es ist immer eine Freude, ihn hier bei uns zu haben.

Axel, es ist mir eine Freude, Sie wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Willkommen.


Axel Merk: Es ist gut, hier zu sein.


Mike Gleason: Nun, ich möchte mit Ihrer Meinung über den Coronavirus beginnen, da dieser in den letzten Tagen die Schlagzeilen dominiert hat. Es gibt eine Menge Spekulationen darüber, wie die Märkte vielleicht reagieren könnten. Einige Leute denken, dass es ein Sturm in einem Wasserglas sein könnte, andere glauben, dass uns die Apokalypse bevorsteht. Jeder muss sich auf die Daten aus China verlassen, was schon immer ein riskantes Unterfangen war. Doch was ist Ihre Meinung zum Virus und was könnte er in den kommenden Wochen und Monaten für die Finanzmärkte bedeuten?

Open in new windowAxel Merk: Sie haben Glück. Ich habe gerade meine Kristallkugel bei mir, also kann ich Ihnen exakt sagen, wie sich das Ganze entwickeln wird. Ich meine damit, dass essentiell niemand von uns eine Ahnung hat. Wichtiger ist, dass die Menschen das Unbekannte fürchten. Und uns fehlen eine Menge Variablen. Wir wissen jedoch, dass wir uns historisch betrachtet an derartige Dinge gewöhnt haben und vor allem Krisen.

Und egal, wie sich das alles entwickeln wird, wir werden wahrscheinlich einen Weg finden, damit fertig zu werden. Zeitgleich bedeutet das jedoch nicht, dass der Virus nicht zerstörerisch sein kann. Und so schreibe ich jeden Tag, so wie viele andere auch, die neuen bekannten Fälle und Infektionen, etc. in meine Tabelle und versuche eine konsistente Quelle zu betrachten. Ich versuche also zu sehen, ob es eine Veränderung der Änderungsrate gibt, die sich auf etwas auswirkt.

Und dann, wenn ich etwas auf Mikroebene betrachte, dann fällt auf, dass die US-Wirtschaft abgeschotteter ist. Unsere Verbraucherausgaben haben sich nicht verändert. Wir wissen, dass die verschiedenen Regierungen das sehr, sehr ernst nehmen. Und das sollte die Verteilung sowie Ausbreitung des Virus beeinflussen. Allgemein bin ich also eher im Lager derjenigen, die meinen: Ja, das ist ein Schock. Falls es ein massivster Schock ist, dann wird er Auswirkungen haben, doch falls nicht, dann werden wir diese Sache überstehen. Ich gehöre also eher dem Lager an, das das Glas halbvoll sieht. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich von diesem Szenario überzeugt bin. Das ist nur der Idealfall.


Mike Gleason: Das alte Sprichwort besagt: Wenn die USA niesen, bekommt der Rest der Welt eine Erkältung. Ich denke, dasselbe könnte man über China sagen, wenn man bedenkt, wie groß dessen Wirtschaft in den letzten paar Jahren geworden ist. Wenn wir zum August 2015 zurückgehen, so hatten wir deutliche Schockwellen am chinesischen Aktienmarkt und das verursachte beinahe eine weltweite Finanzkrise, die abgewendet werden konnten.

Doch nichtsdestotrotz hatte Chinas Einfluss deutliche Auswirkungen auf den Rest der weltweiten Finanzmärkte. Sprechen Sie doch darüber, wie das die Dinge hier beeinflussen könnte. Beginnen wir, Auswirkungen davon mitzubekommen, dass die chinesische Wirtschaft den Virus zu spüren bekommt?


Axel Merk: Nun, bevor der Coronavirus bekannt wurde, verzeichneten wir Rückenwinde, die vom Phase-1-Handelsabkommen stammten; die Dinge kehrten sich zum Guten. Wenn Sie einen Blick auf die weltweiten Produktionsindustrien werfen, dann fielen deren Daten vor den Neuigkeiten über den Virus alle positiv aus. Wir wissen nun also auch, dass die chinesische Regierung eine sehr starke Hand besitzt und eine Stadt isolieren kann, wenn sie das möchte.

Wir wissen zudem, dass sie anfangs langsam reagierten, doch wenn man sich nicht innerhalb einer freien Gesellschaft befindet, dann kann man Dinge einführen, die man in anderen Ländern nicht einführen könnte. Auf vielerlei Weise glaube ich also, dass sie das Ganze in den Griff bekommen werden. Wird das notwendigerweise für jeden angenehm? Das weiß ich nicht. Wird das die Wirtschaft teilweise beeinflussen? Ja, sehr wahrscheinlich.

Kurzfristig wird das also ein Schock werden. Die Märkte sind offensichtlich ein diskontierender Mechanismus gegenüber dem, was in Zukunft passieren wird. In diesem Kontext werden sie also einen Weg nach vorne finden. Ich erwarte hiervon keine Revolution. Ich denke nicht, dass sich das System in China vollkommen verändern wird. Es ist also eine Störung.

Ich werfe einen sehr genauen Blick auf einige der großen Produzenten, um zu sehen, was sie tun können. Und letztlich wird es wahrscheinlich wie jede andere Krise auch. Wenn man ein großes Unternehmen ist, dann findet man wahrscheinlich einen Weg, damit klarzukommen. Und wenn man ein kleines Unternehmen ist, dann könnte man Pech gehabt haben. Das kann sich offensichtlich auf das Wirtschaftswachstum auswirken und ja, wenn sie niesen, dann könnte der Rest der Welt eine Erkältung haben. Und fürchten Sie sich nicht; eine Zinssenkung könnte diesen Virus wahrscheinlich auch heilen. Das war im Übrigen sarkastisch gemeint, falls Sie das nicht mitbekommen haben.


Mike Gleason: Wir haben uns zuletzt im September unterhalten. Seitdem war Boris Johnson in der Lage, eine wichtige Wahl bezüglich des Brexits zu gewinnen und führt nun das Vereinigte Königreich aus der EU. Nachdem dieses Ereignis Jahre aufgeschoben wurde, obsiegten Bexit-Befürworter letztlich. Diejenigen, die dem Brexit negativ gegenüberstanden, argumentieren, dass es ein Desaster für die Wirtschaft des UK wäre.

EU-Gegner dachten, dass der Brexit womöglich einen brechenden Damm repräsentieren könnte und dass es der Anfang vom Ende der EU darstellen würde, wenn andere Nationen dem UK nachfolgen. Nun, da der Brexit offiziell im Gange ist, möchte ich Ihre Gedanken dazu hören, was der Brexit bedeuten wird. Haben Sie bereits bedeutende Auswirkungen auf die Märkte beobachten können? Teilen Sie Ihre Meinung mit uns, Axel. Ich weiß, dass Sie die Ereignisse in Europa genau beobachten.



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