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Zinssenkungen in Peking und Ankara - Google/Brexit

20.02.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0797 (06:39 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0780 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.36. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120.25. EUR-CHF oszilliert bei 1,0620.

Das Zinssenkungskarussell dreht sich weiter. Aktuell verringerte die chinesische Zentralbank weitere Schlüsselzinssätze. Die Loan Prime Rate wurde für Laufzeiten von einem Jahr von 4,15% auf 4,05% gesenkt. Der Zinssatz für 5-jährige Kredite wurde von 4,80% auf 4,75% reduziert. Das sind maßvolle Schritte, die nicht mit dem Begriff Aktionismus in Verbindung gebracht werden können, die aber sehr wohl die klare Botschaft in sich tragen, dass Zentralbank und Staat die Situation eng begleiten. Auch Maßnahmen, wie die im Raum stehende staatliche Übernahme des Mischkonzerns HNA, fallen in diese Kategorie.

In der Türkei kam es zur sechsten Zinssenkung seit Juni 2019 ausgehend von 24%. Aktuell wurde der als Leitzins bezeichnete Zinssatz für einwöchige Repo-Geschäfte von 11,25% auf 10,75% reduziert. Diese Zinssenkungen befinden sich grundsätzlich im Einklang mit der Entwicklung der tendenziell rückläufigen Verbraucherpreise. Seit Oktober 2018 ausgehend von gut 25% ergab sich hier unter Schwankungen eine rückläufige Entwicklung auf aktuell circa 12% (Tief 10/2019 bei 8,55%).

Nachdem die Federal Reserve im letzten Jahr dreimal den Leitzins senkte, verfolgt man aktuell eine Politik der ruhigen Hand. In dem Protokoll der Federal Reserve wird suggeriert, dass man kritische Themen, beispielweise das mit dem Coronavirus verbundene ökonomische Risiko im Auge hat, aber bezüglich der aktuellen Situation keinen Handlungsbedarf erkennen will.

Der Gouverneur der Federal Reserve Kashkari (Fed Minneapolis) schloss gestern auf einer Veranstaltung Zinssenkungen im Jahresverlauf nicht aus. Ich erwarte mindestens zwei Zinssenkungen und/oder eine große Steuerentlastung seitens der Regierung, da die endogenen Wirkkräfte in der US-Wirtschaft unausgeprägt sind (Strukturproblem).


Zu der aktuellen Lage bezüglich des Coronavirus:

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Quelle: https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Entspannungssignale mehren sich hinsichtlich der Coronavirus-Problematik bezüglich der unterliegenden Dynamiken.

Die Anzahl der Neuinfizierten nahm in den letzten 24 Stunden um lediglich 528 auf jetzt 75.727 Fälle zu. Die Zahl der Verstorbenen erhöhte sich um 112 auf 2.128. Erfreulich ist, dass die Anzahl der Genesungen, innerhalb der letzten 24 Stunden 1.759, deutlich ansteigt. Entwarnung kann nach wie vor nicht gegeben werden. Interessant wird der Zeitpunkt, wenn die Quarantänemaßnahmen reduziert werden. Sollte sich dann die aktuelle Tendenz fortsetzen, darf mit Zuversicht nach vorne geschaut werden.


Konsequenzen des Brexits für das UK:

Gestern wurde bekannt, dass der US-Internetriese Google die Daten seiner Kunden im UK zukünftig nach US-Recht bedienen will. Damit griffen die EU-Datenschutzrichtlinien nicht länger. Die britischen Vorschriften zum Datenschutz würden weiter gültig bleiben, betonte man bei Google. Dieser Schritt des US-Internetriesen wurde durch den EU-Austritt Großbritanniens möglich.

Die Briten kommen damit zukünftig in den Genuss der schwächeren amerikanischen Vorschriften zum Datenschutz. Auch wird es voraussichtlich wegen neuer US-Gesetze leichter für britische Behörden, auf Daten ihrer Bürger zuzugreifen.

Auch an diesem Beispiel wird deutlich, dass die Folgen des Brexits für die Menschen vor Ort markanter sein werden, als es im Vorwege unterstellt wurde. Privatsphäre ist für eine echte Demokratie unverzichtbar. "Food for thought!"


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Resilient passt als Beschreibung

Die Leistungsbilanz der Eurozone reüssierte per Dezember in der saisonal bereinigten Fassung mit einem Überschuss in Höhe von 32,56 Mrd. Euro nach zuvor 32,42 Mrd. Euro. Die Bauleistung der Eurozone sank per Dezember im Monatsvergleich um 3,10% nach zuvor +0,74% (weniger Arbeitstage/Brückentage). Der Index des Verbrauchervertrauens Belgiens stieg per Februar von zuvor -6 auf -4 Zähler. Der Index des Verbrauchervertrauens der Niederlande nahm per Februar von -3 auf -2 Punkte zu.

Die Verbraucherausgaben legten in den Niederlanden per Dezember im Jahresvergleich um 2,9% nach zuvor 1,4% (revidiert von 1,3%) zu. Die Arbeitslosenrate der Niederlande sank per Berichtsmonat Januar von zuvor 3,2% auf 3,0%. Der deutsche GfK-Konsumklimaindex sank geringfügig per März von zuvor 9,9 auf 9,8 Punkte (Prognose 9,8).

Die deutschen Erzeugerpreise stiegen per Januar unerwartet stark um 0,8% im Monatsvergleich (Prognose 0,2%). Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 0,2% (Prognose -0,4%) nach zuvor -0,2%.


USA: Starke Daten im Immobiliensektor und an der Preisfront

Die Neubaubeginne sanken per Januar in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung (annualisiert) von zuvor 1,626 Mio. (revidiert von 1,608 Mio.) auf 1,567 Mio. (Prognose 1,425 Mio.). Baugenehmigungen legten per Berichtsmonat Januar in der annualisierten Darstellung von 1,420 Mio. auf 1,551 Mio. zu (Prognose 1,45 Mio.). Die US-Erzeugerpreise nahmen per Januar im Monatsvergleich um 0,5% zu (Prognose 0,1). Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 2,1% (Prognose 1,6%) nach zuvor 1,3% (Kernrate 1,7% nach 1,1%).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.1000 - 1.1030 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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