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Deutschland in Schieflage

23.02.2020  |  Manfred Gburek
Es fällt schwer, nach dem brutalen Attentat von Hanau zum politischen Alltag zurückzukehren. Trotzdem führt kein Weg daran vorbei. Denn im Lauf der Zeit, einer erfahrungsgemäß kurzen Zeit, werden die - zum Teil von Politikern im eigenen Interesse geschürten - Emotionen in den Hintergrund treten, wird das politische Kalkül anderweitig in die Schlagzeilen zurückkehren - und damit das Geschacher von Thüringen, ergänzt um die Frage, wer denn wohl am besten als CDU-Chef und wer als Kanzlerkandidat taugen mag.

Ein politischer Skandal wie in Thüringen kann sich in ganz Deutschland wiederholen. Das "verdanken" wir "unserem" Parteienstaat - und einem Großteil der Medien, die sich als Oberlehrer aufspielen, wie der Medienwissenschaftler Norbert Bolz aus guten Gründen kritisiert. Tröstlich zu wissen, dass es da noch Leute mit Humor gibt. Wie die von der Internetseite neuemedienmacher.de, die im vergangenen November zum zweiten Mal die "Goldene Kartoffel" verliehen haben - nein, nicht an einen Biobauern, sondern an die Talkshows "hart aber fair, maischberger, Anne Will" (alle drei ARD) und "maybrit illner" (ZDF). Begründung: "unterirdische Berichterstattung".

Dazu mag man im Detail stehen, wie man will, eines stimmt allemal bedenklich: die willkürliche Rollenverteilung vor der Talkshow. Das heißt, der oder die eine bekommt die Rolle als Angreifer(in) zugewiesen, der oder die andere als Verteidiger(in), als Rechte(r), Linke(r), Neutrale(r), Sozialhilfeempfänger(in), Spaßvogel oder sonst was - bei ARD und ZDF auf Kosten der Bürger, die ja schließlich die öffentlich-rechtlichen Kostgänger subventionieren.

Norbert Bolz wartet auf der Internetseite achgut.com noch mit vielen weiteren Beispielen zur Beeinflussung der Bundesbürger durch die Medien auf. Einige von ihnen seien hier zitiert, weil sie einen besonders schlimmen Teil der Manipulations-Bandbreite veranschaulichen:

"Die politische Einheit Europas ist gut, das Interesse an nationaler Souveränität ist schlecht. Wer die Welt so sieht, wird von der Medienelite zur guten Gesellschaft zugelassen. Alle anderen sind Rechtspopulisten. Die Journalisten des linken Mainstream belehren lieber als zu berichten. Dass sie dabei zum Größenwahn neigen, zeigen täglich Sendungen wie die 'Tagesthemen' und das 'heute-Journal', die eine Art Volkspädagogik höherer Ordnung betreiben - meist genügt schon ein Stirnrunzeln der Moderatorin - und wöchentlich Blätter wie 'Der Spiegel', der vorgibt, ein Nachrichtenmagazin zu sein, aber zum Beispiel den Wahltriumph Trumps mit einer Titelgeschichte über den Untergang der Welt kommentierte."

Was läuft sonst noch schief? Eine ganze Menge. Kommen wir zunächst auf den eingangs erwähnten Parteienstaat zurück: Seit sich herumgesprochen hat, dass Bundestagsmandate nicht nur politisch, sondern auch finanziell attraktiv sind, peilen immer mehr potenzielle Politiker - sei es mit qualifizierter Ausbildung, sei es ohne - ein Mandat an in der Hoffnung auf ein gut abgesichertes Leben.

Besonders die Grünen dürften es leicht haben, ihrem Ziel, der Kanzlerschaft, gehörig näher zu rücken. Und zwar mit kräftiger Unterstützung durch einen Teil der Journalisten. Dazu das folgende Beispiel: Der weit verbreitete Werbespruch der wohl bekanntesten Partnerbörse lautete: "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship." Kenner des Medienbetriebs machten daraus: "Alle 11 Minuten verliebt sich ein(e) Journalist(in) in Robert Habeck."

Die Grünen können sich auch darüber freuen, dass Greta & Co. ihnen den Boden für politische Erfolge bereitet haben. Wer wie Greta die ökologische Apokalypse beschwört und ständig anmahnt, es sei fünf vor zwölf, arbeitet damit zweifellos den Grünen zu. Doch ganz so leicht, wie es von daher gesehen den Anschein hat, wird es ihnen vor der nächsten Bundestagswahl wahrscheinlich doch nicht gemacht, weil CDU/CSU, SPD und FDP in Konkurrenz zu den Grünen auf Gefälligkeitsgutachten zurückgreifen dürften.

Eine entscheidende Frage wird vor dem kommenden Bundestags-Wahlkampf sein: Wo bleibt und wen wählt die konservativ-liberale bürgerliche Mitte, manchmal etwas verschwommen als Mittelstand bezeichnet? Wer dem Volk - pardon - aufs Maul schaut, bekommt auffallend oft einen Satz zu hören, der etwa so beginnt: "Man darf doch wohl mal sagen dürfen ....." Stimmenpotenzial für die AfD? Möglich, doch aus heutiger Sicht noch nicht konkret zu beantworten.

In Talkshows werden Leute aus der bürgerlichen Mitte nur selten eingeladen - sie bringen halt nicht so hohe Quoten wie Politiker, die sich schon mal gern mediengerecht anschreien. Letzten Endes bleibt den verunsicherten Bundesbürgern der Stimmzettel zur geheimen Wahl, um ihre Meinung kundzutun. Dieses Verhalten samt sonstigen Folgen - Radikalisierung, Spaltung der Gesellschaft - beschreibt Douglas Murray treffend in seinem neuen Buch "Wahnsinn der Massen“. Sein zuvor erschienenes Buch trägt übrigens einen Titel, der treffender nicht sein könnte: "Der Selbstmord Europas" - mit Deutschland in Schieflage als Vorkämpfer.

Zum Glück hat unser Land schon mehrfach Nehmerqualitäten bewiesen. Nur ist es dafür dieses Mal höchste Zeit wie lange nicht mehr.

Die Ursachen liegen auf der Hand: Bundeskanzlerin Angela Merkel im mehr bremsenden als beschleunigenden Vorruhestand, der Kampf um die CDU-Spitze, das Thüringen-Dilemma, das ungelöste Migrationsproblem, die Brüsseler Bürokratie, die unglaubwürdig gewordene EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Gefahr einer Rezession und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der das Vakuum in der deutschen Politik geschickt nutzt, um sich an die Spitze Europas zu setzen - eines Europas, das den folgenschweren Fehler begangen hat, vor der politischen Einigung den Euro als Bindeglied für ein Sammelsurium von heterogenen Ländern einzuführen.

Der letzte Punkt rückt wieder in den Vordergrund, seit der Euro gegenüber dem Dollar wie vor allem auch gegenüber dem Goldpreis gefallen ist. Was bleibt, ist die Hoffnung, alles möge sich zum Besseren wenden. Doch darauf zu warten, führt an den im vorigen Absatz aufgezählten Ursachen vorbei. Also gilt es, die weitere Entwicklung in der Politik wie auch in Wirtschaft und Finanzen laufend zu verfolgen, daraus für sich Schlüsse zu ziehen - und den eingangs erwähnten Medien in Oberlehrer-Funktion mehr denn je zu misstrauen. Denn eine eigene Meinung war noch nie so wichtig wie heute.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Tückische Bau-Trends


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