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Sachverständigenrat: Sachlich und pragmatisch! Merci!

31.03.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1021 (06:35 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0988 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108,25. In der Folge notiert EUR-JPY bei 119,32. EUR-CHF oszilliert bei 1,0583.

Der Sachverständigenrat hat gestern in seinem Sondergutachten viele Positionen aufgenommen, die Sie bereits aus diesem Report kennen. Insbesondere ist zu begrüßen, dass dieses Gutachten nicht emotionalisiert wie zuvor einige apokalyptische Prognosen seitens diverser Wirtschaftsinstitute. Merci an die Sachverständigen! In Krisen ist Sachlichkeit und Pragmatismus eine erfrischende und Sinn stiftende Übung.

Die Coronavirus-Krise wird Deutschland in eine Rezession führen und ein Konjunkturpaket erforderlich machen. Dem stimmen wir zu! Es ist kein nationales, sondern es ist ein supranationales Problem exogener Natur.

Vor allem im 1. Halbjahr 2020 dürfte laut der Prognose des Rats ein starker Einbruch nicht zu vermeiden sein. Die Wirtschaft wird in dem Basisszenario des Rats dieses Jahr um 2,8% schrumpfen, im schlimmsten Fall sogar um 5,4% einbrechen.

Entscheidend ist dann aber der Ausblick für 2021. In dem Basisszenario wird ein Wachstum von 3,7% unterstellt. Das bedient unser SOLVECON-Szenario mit dem Grundrauschen der Weltwirtschaft, den Aufholeffekten aus 2020, den Effekten aus den verfügten und zu erwartenden Konjunkturmaßnahmen, dem sich verstärkenden globalen Lagerzyklus, den Anpassungen der Globalisierung (Aufbau neuer Strukturen) als auch den Wirkungen des historisch niedrigen globalen Zinsniveaus (niedriger als 2009!).

Das Gutachten unterstreicht implizit die temporäre und die nicht endogene Qualität des aktuellen Abschwungs.

In dem Extremszenario werde es nach dem Einbruch um 5,4% 2021 zu einem Wachstum um 4,9% kommen. Selbst dieses Szenario bietet keine Grundlagen für Weltuntergangsszenarien, die derzeit feil geboten werden.

Bei einem Konjunkturpaket komme es aus Sicht des Rats auf das Timing an, damit es wie gewünscht wirke. Um die ökonomischen Kosten der Krise zu begrenzen, müsse die Politik Wirtschaft und Verbrauchern bald eine Perspektive für die Zeit nach den Notmaßnahmen bieten, forderten die Wissenschaftler. Es gelte, Kriterien und den Zeitplan für die gesundheitspolitischen Einschränkungen in einer Normalisierungs-strategie offenzulegen. Der Frankfurter Wirtschaftsweise Volker Wieland, den wir sehr schätzen, warnte vor zu langen Einschränkungen.

O-Ton: "Wenn sich ein solcher Lockdown über vier, fünf oder sechs Monate hinziehe, schließe man Strategien wie in anderen Ländern aus, in denen nach einer gewissen harten Phase von einigen Wochen Teile der Wirtschaft wiederbelebt werden könnten."

Genau über diese Erfordernisse sprachen wir an dieser Stelle in der letzten Woche. Perspektiven sind für die Ökonomie, die alles trägt (auch den Staat!) unerlässlich.

Sollte es im 3. und 4. Quartal 2020 keine wirtschaftlichen Aufholeffekte geben, seien zusätzliche Impulse von Finanzminister Scholz laut Sachverständigenrat angebracht. Die Sichtweise teilen wir. Das würde deutlich teurer und viele gesunde Strukturen der Ökonomie würden dieser Politik zum Opfer fallen (u.a. Gastronomie).

Der Sachverständigenrat empfiehlt die Aktivierung des ESM. Es sei nur ein Signal der Euro-Staaten nötig, bei Bedarf zusätzliche Mittel über den ESM ab sofort zur Verfügung zu stellen. Eine Kreditlinie des ESM sei eine Option, die schnell realisiert werden könne. Die Sachverständigen sind sich einig, dass alles zu tun sei, damit die Renditeaufschläge für Krisenländer nicht wieder hochgehen und eine Staatsschuldenkrise vermieden werden könne. In der Tat sollten wir den "Freunden" in New York und London (es gab auch Europäer dabei), die die Eurozone schon einmal zerlegen wollten, kein neues Spielfeld eröffnen. Das wäre masochistisch.

Die Wirtschaftsweisen verweisen darauf, dass die EZB die Liquiditätsversorgung als auch Anleihekäufe zugesichert habe. In Verbindung mit dem ESM wäre sie in der Lage, gezielt Anleihen einzelner Staaten im Rahmen von Outright Monetary Transactions (OMT) anzukaufen. Das OMT-Programm war von der EZB 2012 auf dem Höhepunkt der damaligen Schuldenkrise, in die einigen der Reformländer rutschten, beschlossen worden. Es kam bisher nie zum Einsatz. Die Ankündigung reichte aus, um die Spekulation der Finanzmärkte gegen die Reformländer zu konterkarieren.

Fazit: Der Sachverständigenrat wird seinem Ruf gerecht. Sachlichkeit und Pragmatismus zeichnen das Gutachten aus, nicht Emotionalität und Aufmerksamkeitssyndrome! Danke!


Aktuelle Lage zur Ausbreitung:

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Quelle: https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Die verstärkten Tests sind ein Grund für die Zunahme der nachgewiesenen Infektionen. Damit sinkt tendenziell die Zahl der nicht erfassten Fälle.

Coronavirus global: Die Zahl der nachgewiesenen Infizierten legte um 62.528 auf 786.228 zu. Die Zahl der Genesungen stieg um 14.009 auf 166.041, während die Zahl der Todesfälle um 3.802 auf 37.820 zunahm. Damit liegt die Zahl der akuten nachgewiesenen Fälle bei 582.367 (Vortag 537.650).

In Europa nahm die Zahl der Infizierten um 30.662 auf 416.873 (Vortag 386.211) zu. Die Zahl der Genesungen legte um 9.229 auf 58.157 (Vortag 48.928) zu, während die Zahl der Todesfälle um 2.824 auf 27.033 (Vortag 24.209) stieg. Ergo liegt die Zahl der akuten Fälle bei 331.683 (Vortag 313.074).

In den USA hat sich die Zahl der Infizierten um 21.578 auf 164.603 (Vortag 143.025) erhöht. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 3.170 (Vortag 2.509). Insgesamt sind 5.896 (Vortag 4.856) Infizierte geheilt. Die Anzahl der aktuellen Fälle stellt sich auf 155.537 (Vortag 135.660).

In Hubei/Wuhan liegt die Zahl der Infizierten unverändert bei 67.801. Die Zahl der Genesungen stellt sich auf 63.153 (Vortag 62.882). Es kam zu einem weiteren Todesfall (aktuell 3.187). Damit gibt es derzeit noch 1.461 akute Fälle (Vortag 1.733).

In Gesamtchina liegt die Zahl der Infizierten bei 82.240 (Vortag 82.149), es kam zu 290 weiteren Genesungen (aktuell 76.194) und es sind 3.309 (Vortag 3.308) Todesfälle zu beklagen. Ergo liegt die Zahl der aktuell Infizierten bei 2.737 (Vortag 2.937).


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Stimmungseinbruch

Der Economic Sentiment Index sackte per März von zuvor 103,4 (revidiert von 103,5) auf 94,5 Punkte (Prognose 93,0) und markierte damit den tiefsten Wert seit August 2013. Die deutschen Verbraucherpreise sind gemäß vorläufiger Berechnung im Monatsvergleich per März um 0,1% gestiegen (Prognose 0,1%). Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 1,4% (Prognose 1,4%) nach zuvor 1,7%.


USA: Land unter im Fed Bezirk Dallas

Der Index anhängiger Hausverkäufe legte per Februar im Monatsvergleich um 2,4% auf 111,5 Punkte zu (Prognose -1,0%). Der Dallas Fed Manufacturing Business Index kollabierte per Berichtsmonat März von +1,20 auf -70,0 Punkte. Es kam in der uns bis 2004 bekannten Historie nie zu einem stärkeren Einbruch. Gleichzeitig erreichte der Index den niedrigsten Wert in der uns seit 2004 bekannten Historie des Index.


China: Nach stärkstem Einbruch der stärkste Anstieg!

Der von NBS ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe legte per März von 35,7 auf 52,0 Punkte zu. Der Dienstleistungsindex schoss von 29,6 auf 52,3 Zähler nach oben. Der Composite Index stellte sich auf 53,0 nach zuvor 28,9 Punkten.

Chart: Composite Index von NBS - so sieht ein "V" aus!

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Japan: Erstaunlich positiv

Die Arbeitslosenrate stellte sich per Berichtsmonat Februar unverändert auf 2,4%. Die Einzelhandelsumsätze nahmen per Februar im Jahresvergleich um 1,7% zu (Prognose -1,2%). Die Industrieproduktion stieg per Februar im Monatsvergleich um 0,4% (Prognose 0,1%) nach zuvor +1,0% (Jahresvergleich -2,2% nach -2,3%). Neubaubeginne sanken per Februar im Jahresvergleich um 12,3% nach zuvor -10,1%.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0750 - 1.0780 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund & viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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