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Goldkonfiszierung - Könnte so etwas erneut passieren?

21.05.2020  |  John Paul Koning
Am 5. April 1933 erschien eine merkwürdige Ankündigung in den US-amerikanischen Zeitungen. Aufgrund der Präsidentschaftsverfügung Nr. 6102 war jeder, der in den USA lebte - ob Bürger oder Ausländer - dazu verpflichtet alle Goldbullion, Goldmünzen und Goldzertifikate vor dem 1. Mai 1933 an die Regierung abzugeben. Dasselbe galt für Geschäfte und Unternehmen.

Das war keine ausgemachte Goldkonfiszierung. Auch wenn die Leute dazu verpflichtet waren, ihr Gold abzugeben, so versprach die Regierung für jede Unze den offiziellen Preis von 20,67 Dollar zu bezahlen. Doch eine Missachtung der Verfügung konnte mit 10 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Die Präsidentschaftsverfügung Nr. 6102 umfasste einige Ausnahmen. Schmuck, industrielle Bestände wie Goldbestände von Zahnärzten und seltene Sammlermünzen waren ausgenommen. Des Weiteren konnte die Bevölkerung noch immer eine symbolische Menge des gelben Edelmetalls (oder Goldzertifikat) besitzen, im Wert von bis zu 100 Dollar. Doch größtenteils war es in Amerika nun illegal, Gold zu besitzen.

Heutzutage fragen sich die Leute, die Gold besitzen, oftmals, ob es jemals eine Wiederholung dieses Ereignisses vom 5. April 1933 geben wird. Könnte eine demokratische Regierung die Bürgerschaft erneut dazu zwingen, ihre Gold Eagles und Krügerrand aufzugeben? Werden die Leute dazu gezwungen werden, ihre Gold-ETF-Einheiten gegen Dollar zu verkaufen oder ihre in Tresoren gelagerten Bullion gegen Euro aufzugeben?

Um das Risiko angemessen evaluieren zu können, müssen wir verstehen, warum die US-Regierung tat, was sie tat. Die einfachste Theorie besagt, dass Regierungen von Natur aus konfiszierend sind. Und somit könnte April 1933 jeden beliebigen Tag wiederholt werden.

Dem stimme ich nicht zu. Eine bessere Erklärung, warum dieses Ereignis eintrat, beleuchtet die spezielle Rolle der Regierung als geldpolitische Obrigkeit. Unter diesem Licht betrachtet war die Verfügung Nr. 6102 ein Mittel der Regierung, das Geldsystem - zu dieser Zeit ein Goldstandard - anzupassen, um extreme Wirtschaftsereignisse handhaben zu können. Da wir nicht länger unter einem Goldstandard leben, ist eine Wiederholung dieses Ereignisses von 1933 unwahrscheinlich.


Der goldene Dreh- und Angelpunkt

Vor der großen Depression befand sich die Welt unter einem Goldstandard. Jede Währung der Welt wurde entweder durch eine bestimmte Menge physisches Gold definiert oder an eine andere Währung gekoppelt, die eine Golddefinition besaß; üblicherweise an den US-Dollar oder den britischen Pfund Sterling.

Somit unterschied sich der Goldmarkt von allen anderen Märkten. Wenn beispielsweise die Nachfrage nach Kupfer zunahm, so stieg nur der Kupferpreis an. Dasselbe galt für Fahrzeuge, Häuser oder Salat. Doch wenn die Nachfrage nach Gold stieg, so fielen Millionen anderer Preise. Anders gesagt: Die massive Sammlung an Preisen innerhalb der Weltwirtschaft sah den Goldmarkt als Dreh- und Angelpunkt.

Als die Arbeitslosenzahlen 1930 bis 1931 in die Höhe schossen und die Preise kollabierten, setzten Länder wie Kanada, Japan, Australien, das Vereinigte Königreich und Schweden ihre Verpflichtungen gegenüber dem goldenen Dreh- und Angelpunkt aus. Dabei wurde das Versprechen beendet, ihre Währungen gegen Gold oder mit Gold gekoppelter Währung einzutauschen. Indem die Verbindung zwischen Goldmarkt und Preisen gekappt wurde, hoffte man, einen Teil des wirtschaftlichen Schadens abzuschwächen.

Als der US-amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt also im April 1933 bekanntgab, dass alles Gold, das in den USA gehalten wurde, an die Regierung ausgehändigt werden müsse, so folgte er dem Pfad, der bereits lange Zeit von anderen Regierungen geebnet worden war. Wie seine Vorgänger nagte er an der Rolle des Goldmarktes als Dreh- und Angelpunkt.

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Regierungsverfügung Nr. 6102


Im Speziellen verunglimpfte Roosevelts Verfügung das "Horten" oder das Abheben von Gold von "anerkannten und üblichen Handelskanälen." Indem das gesamte Gold der Nation an die Regierung übertragen wurde, hoffte er, mehr Kontrolle über den Goldmarkt zu erlangen.

Heute gilt Gold nicht länger als Dreh- und Angelpunkt. Wir haben seit 1968 in einer Welt des Fiatgeldes gelebt. Während Gold im Jahr 1933 als etwas Besonderes angesehen wurde, so ist es 2020 wie jedes andere Handelsgut in der Wirtschaft. Und somit existieren die Gründe für eine derartige Goldkonfiszierung nicht länger. Wenn die weltweiten Regierungen einer Depression gegenüberstehen und nach einer geldpolitischen Reaktion suchen, befinden sich Gold-spezifische Maßnahmen einfach nicht auf ihrem Radar. Es ist wahrscheinlicher, dass sie Maßnahmen wie quantitative Lockerung oder Negativzinsen anwenden werden.

Kurz gesagt: Sie brauchen sich keine Sorgen um eine Wiederholung eines derartigen Ereignisses zu machen.


Hat sich irgendjemand an die Verfügung Nr. 6102 gehalten?

In "A Monetary History of the United States" bemühte sich der Volkswirtschaftler Milton Friedman darum, zu messen, wie viele Goldmünzen tatsächlich als Reaktion auf die Verfügung von Roosevelt ausgehändigt wurden.

Vor der Ankündigung gab es ausstehende US-Goldmünzen im Wert von etwa 571 Millionen Dollar. Bis Januar 1934 gab es laut offiziellen Statistiken noch zirkulierende Goldmünzen im Wert von 287 Millionen Dollar. Mutmaßlich waren also Goldmünzen im Wert von 284 Millionen Dollar an die Regierung gemäß Verfügung Nr. 6102 ausgehändigt worden. Laut Friedman schrieben die geldpolitischen Obrigkeiten die restlichen 287 Millionen Dollar Verlust, Zerstörung, Export und numismatischen Sammlungen zu.


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