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Die US-Zentralbank, das Gelddrucken, der Goldpreis

14.04.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Insbesondere denjenigen, mit denen die Zentralbank Geschäfte betreibt - dazu zählen Banken, aber auch Blackrock, Hedgefunds und Co - winkt der ganz große Gewinn: Sie können Schuldpapiere zu einem Wertabschlag im Markt kaufen und sie zu einem höheren Preis an die Fed verkaufen.


Das Gelddrucken

Wieviel neues Geld wird die Fed in Umlauf geben müssen? Das kommt darauf an: Schafft die Fed mit der Ankündigung ihres "Backstops" Vertrauen in den Finanzmärkten und beruhigt sich daraufhin die Lage, wird sie möglicherweise gar nicht so viel neues Geld in Umlauf geben müssen. Denn dann kehren die Kurse für die Schuldpapiere auf die Niveaus zurück, von denen die Marktakteure glauben, dass sie der Vorstellung der Fed entsprechen. In diesem Falle diktiert die Fed also die Finanzmarktkonditionen, ohne dass sie dafür aktiv als Käufer in großem Stil auftreten müsste.

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Quelle: Refinitiv, Degussa; Berechnungen Degussa. (1) Letzter Datenpunkt: 3. April 2020.


Ernst wird es allerdings, wenn auf die Worte in großem Stil Taten folgen müssten. Die dann erforderliche Monetisierung ausstehender und neu ausgegebener Schulden würde unmittelbar die umlaufende Geldmenge in die Höhe treiben. Und das geschieht bereits in Anfängen: Die US-Dollar-Geldmenge M2 ist um mehr als 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr angewachsen (siehe Abb. 3 a), und auch das Jahreswachstum der US-Bankkredite ist in die Höhe geschossen (Abb. 3 b). Das liegt daran, dass Unternehmen, die auf den Kreditmärkten kein neues Geld mehr bekommen, nun ihre Bankkreditlinien in Anspruch nehmen.

Ein Ansteigen der Bankkredite führt zu einer Schaffung neuen Geldes, und das lässt die Geldmenge M2 ansteigen. Wenn die Fed neue Staatsanleihen erwirbt, und die US-Administration das Geld an Unternehmen und Konsumenten auszahlt, steigt die Geldmenge ebenfalls an und steht für zusätzliche Käufe zur Verfügung.

Mit dem Anwachsen der Geldmenge ist absehbar ein Auftrieb bei den Güterpreisen verbunden. Das kann die Preise der Konsumgüter und/oder die Vermögenspreise - wie Aktien, Häuser, Grundstücke, Kunst und Oldtimer - betreffen oder eben auch die Preise aller Güterarten. In jedem Falle wird eine Geldmengenausweitung die Kaufkraft des Geldes herabsetzen; das Ausmaß ist derzeit allerdings nicht verlässlich abschätzbar.


Der Goldpreis

Die Geldmengenausweitung, die derzeit nicht nur in den USA, sondern auch anderswo auf den Weg gebracht wird, sollte den Blick des Anlegers auf das Gold lenken. Denn der Goldpreis weist - langfristig gesehen - einen positiven Gleichlauf mit der (US-)Geldmenge auf (Abb. 4): Eine im Trend steigende Geldmenge ging einher mit einem im Trend steigenden Goldpreis. Für diesen Befund gibt es ökonomisch plausible Erklärungen. Eine steigende Geldmenge führt zu allgemein steigenden Güterpreisen, und diese Wirkung erfasst natürlich auch den Goldpreis.

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Weiterhin ist zu beachten, dass das Gold in den letzten Jahrzehnten - obwohl es offiziell seinen "Geldstatus" aberkannt bekommen hat - nach wie vor "geldähnlich" auf den Märkten gehandelt wurde. Das zeigte sich vor allem dann, wenn die Vertrauenswürdigkeit der offiziellen Währungen, allen voran des US-Dollar, in Zweifel gezogen wurde. Gold wurde in diesen Phasen verstärkt nachgefragt, übernahm die Funktion des "sicheren Hafens". Mittlerweile jedoch stehen alle Währungen der Welt unter Generalverdacht: Man kann sich längst nicht mehr darauf verlassen, dass sie ein verlässliches Wertaufbewahrungsmittel sind.

Immer unverhohlener werden die Geldpolitiken, mit denen die Kaufkraft der offiziellen ungedeckten Währungen geopfert wird, um Staaten, Banken, das auf Pump finanzierte Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zu erhalten. Nicht nur in den USA, sondern auch anderswo. Seit Jahresanfang ist unser Basisszenario, dass der Goldpreis bis Ende 2020 auf 1.700 USD/oz steigt, wobei obere Bandbreite dieser Einschätzung bei 1.930 USD/oz liegt. Dass diese Obergrenze erreicht wird, ist im Zuge der Coronavirus-Pandemie beziehungsweise im Zuge der Bekämpfung der Lockdown-Effekte wahrscheinlich(er) geworden.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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