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Das Lockdown-Virus infiziert das Schuldgeldsystem

24.04.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Wenn es nicht gelingt, dem "Lockdown" sehr rasch zu entkommen, droht der Weltwirtschaft ein düsteres Szenario - und das liegt nicht zuletzt am Schuldgeldsystem. Wir empfehlen langfristig orientierten Anlegern, Gold im Portfolio zu halten; denn Gold dürfte sich auch weiterhin als risikoreduzierend und zugleich ertragsbringend erweisen.

“Wer andern gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken; wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken.“
- Wilhelm Busch


Unwissenheit und Angst

Die anfängliche Unwissenheit über die Verbreitung des Coronavirus, die die Lungenkrankheit COVID-19 verursacht, sowie vor allem auch die damit verbundenen Ängste, haben weltweit die Gesellschaften vor gewaltige Herausforderungen gestellt - und werden es über den Tag hinaus tun.

Die Reaktion vieler Regierungen - vor allem gestützt auf Ratschläge von medizinischen Wissenschaftlern - war, einen Stillstand ("Lockdown") des Wirtschaftslebens zu diktieren. Die damit verbundenen kolossalen Kosten - Einschränkung der Freiheitsrechte, Produktions- und Beschäftigungsverluste - führen zur einer drängenden Frage: Ist der Lockdown wirksam, lässt sich feststellen, dass er die Virusverbreitung verhindert beziehungsweise eindämmt?

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Quelle: Issac Ben-Israel, 13. April 2020.

(1) Siehe Isaac Ben-Israel, The end of exponential growth: The decline in the spread of coronavirus, The Times of Israel, 19. April 2020.


Eine einhellige Antwort auf diese Frage - und das ist nicht verwunderlich - gibt es derzeit nicht. Blickt man auf die internationale Datenlage, so zeigt sich das Folgende (siehe Abb. 1): Das Coronavirus hat sich nur anfänglich, in den ersten 4 bis 5 Wochen nach Ausbruch (Ersterkennung), exponentiell verbreitet. Danach hat sich die Ausbreitungsrate abgeschwächt und - wenn sich der Verlaufstrend fortschreiben lässt - kommt nach etwa 70 Tagen nahezu zum Erliegen.1 Dieser Verlauf zeigt sich - und das gilt es zu betonen - sowohl in Ländern, in denen strikte Eindämmungsmaßnahmen (bis hin zum Lockdown) ergriffen haben, als auch in Ländern, die wenig oder keine derartige Restriktionen eingeführt haben.

Ob man (irgendwann) daraus eine allgemein akzeptierte Lehre ziehen kann? Die Hoffnung dafür ist leider nicht sehr groß. Denn man bewegt sich hier auf dem Terrain der "Kontrafaktizität": dem Gegensatz zwischen Realität (Dingen, die man beobachten kann) und Behauptungen (Gedankenmodellen), die (noch) keine Entsprechung in der Realität haben.

Im Reich der Kontrafaktizität finden Befürworter und Gegner des Lockdown daher in der Regel reichhaltige Argumente, um ihre eigene Position zu stützen und die ihrer Gegner zu schwächen - so dass die Wahrheit wohlmöglich nie ans Licht kommt. Immerhin: Abb. 1 sendet eine positive Botschaft: Die Zahl der täglich hinzukommenden Neuinfektionen nimmt (in den betrachten Ländern) bereits seit etwa Mitte April 2020 (im Trend) ab.

Weil das aber vermutlich noch nicht ausreicht, die Regierungen auf ein Ende des Lockdown zu verpflichten, stellt sich die zentrale Frage: Wann ist ein Ende des Lockdown zu erwarten? Der Druck, ihn zu beenden, steigt aufgrund der verheerenden wirtschaftlichen Schäden. Angesichts der wachsenden Kritik am Lockdown ist allerdings zu vermuten, dass die Regierungen eine "gesichtswahrende Ausstiegsstrategie" wählen werden: Das Argument, dass die Unsicherheit nach wie vor groß ist, nimmt in der Abwägung, wie der Ausstieg zu gestalten ist (sofortige oder schrittweises Beendigung), ein relativ hohes Gewicht ein im Vergleich zu den wirtschaftlichen Argumenten. Und das kann leider die Kosten der Lockdown-Episode noch gewaltig ansteigen lassen.


Geld aus Schulden

Denn der weltweite Produktionseinbruch - die Folge des politisch verordneten Lockdown - hat eine Folge, die häufig übersehen wird: Er bringt das ungedeckte Geldsystem, das weltweite Schuldgeldsystem ins Wanken, kann es sogar zum Einsturz bringen. Dazu muss man wissen, dass die Zentralbanken, in enger Kooperation mit den Geschäftsbanken, die Geldmenge per Kreditvergabe ausweiten. Es handelt sich dabei um ein Geldmengenvermehren aus dem Nichts (oder: "ex nihilo"): Neues Geld wird in Umlauf gegeben, dem keine "echte Ersparnis" gegenübersteht. Dass solch ein ungedecktes Geldsystem für Krisen sorgt, ist un-ter den Ökonomen nur zu gut bekannt.


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