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Die Welt kehrt zum Gold zurück

29.04.2020  |  Lars Schall
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In der Eurozone wird es große Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden geben, da Italien, Spanien und Frankreich sehr viel höher verschuldet sind als die Niederlande und Deutschland. Die Länder des Südens wollen ihre Schuldenlast mit den Niederlanden und Deutschland teilen, aber ich weiß nicht, ob die Wähler in Nordeuropa zur Zusammenarbeit bereit sind. Es bleibt abzuwarten, ob der Euro diese Krise überleben wird.

Wenn der Euro überlebt, müssen die Schulden der Südstaaten umgeschichtet oder weginflationiert werden, und dasselbe gilt für die Vereinigten Staaten. Viele Jahrzehnte lang war die ganze Welt bereit, US-Staatsanleihen zu kaufen, aber das scheint ein Ende gefunden zu haben, so dass die Federal Reserve als Käufer der letzten Instanz übrig bleibt.

Das von der US-Regierung betriebene Defizit ist atemberaubend, und die Fed kauft bereits Staatsanleihen und bald auch Schrottanleihen in noch nie dagewesenen Mengen. Ich habe keine Ahnung, wie die Fed diese Positionen jemals kontrolliert auflösen kann. Ich glaube auch nicht, dass sich diese Anlagen jemals entwickeln werden. Was die Fed tun kann, ist, Gold neu zu bewerten, um so die Verluste in ihrer Bilanz auszugleichen.

Kurz gesagt, ja, ich rechne mit einer Währungskrise in den USA und im Euroland.


Was die europäischen Rettungspakete betrifft, wo ist das Geld, das nach Griechenland geschickt wurde, wirklich hin? Wer wurde tatsächlich gerettet?

Der größte Teil des Geldes ging an Griechenlands Gläubiger, hauptsächlich an deutsche und französische Banken, die griechische Staatsanleihen hielten. Darüber hinaus ging ein großer Teil über den griechischen Finanzstabilitätsfonds an griechische Banken. Nur 5 Prozent der insgesamt 284 Milliarden Euro wurden für den griechischen Staatshaushalt verwendet.

Im Grunde diente die ganze Operation dazu, die Banken zu retten und die griechischen Schulden vom Privatsektor auf Institutionen des öffentlichen Sektors wie den Europäischen Stabilitätsmechanismus zu übertragen. Die Rettungsaktionen waren ein kolossales Scheitern. In 10 Jahren ist das BIP Griechenlands um 22 Prozent geschrumpft, von 238 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf 185 Milliarden Euro im Jahr 2018. Anfang 2009 lag die Schuldenquote Griechenlands bei 109 Prozent des BIP. Jetzt liegt sie bei 181 Prozent. Die 244 Milliarden Euro, die Griechenland seinen europäischen Partnern noch schuldet, werden niemals zurückgezahlt werden.


Sie sind skeptisch, dass die Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds den Dollar als Weltreservewährung ersetzen können. Bitte erklären Sie dies.

Der Grund dafür ist, dass die SZR keine Währung sind und es keinen freien Markt für den Umtausch von SZR gibt. Viele Menschen glauben, dass die SZR aus einem Währungskorb bestehen, aber das stimmt nicht. Die SZR sind ein möglicher Anspruch auf "frei verwendbare Währungen" wie Euro und Dollar. Das SZR ist durch nichts abgesichert und stellt auch keine Forderung an den IWF dar.

Da SZR nur von Zentralbanken gehalten und nicht zum Kauf von irgendetwas verwendet werden können, sind SZR kein Tauschmittel. Die Schaffung von mehr SZR schafft also keine Liquidität. Darüber hinaus können SZR nur in der SZR-Abteilung des IWF in verwendbare Währungen umgetauscht werden, und auch nur dann, wenn es eine andere Zentralbank gibt, die bereit ist, SZR zu kaufen. Der Handel in der SZR-Abteilung ist sehr illiquide.

Im Jahr 2009 hat der IWF weitere 182,7 Milliarden an SZR geschaffen. In den folgenden 12 Monaten wurden jedoch nur 3,2 Milliarden SZR in nutzbare Währung umgetauscht. Das ist sehr wenig. Ich glaube nicht, dass die Schaffung von mehr SZR in der gegenwärtigen Krise irgendetwas lösen wird. Der IWF wird es gleichwohl versuchen.


Wenn es um die Frage der Akzeptanz der Sonderziehungsrechte geht, würde es helfen, sie mit Gold zu unterlegen? Der IWF ist offiziell ein großer Goldhalter, nicht wahr?

Wenn Gold dem Währungskorb, der zur Berechnung des SZR-Tageswertes herangezogen wird, hinzugefügt würde, würde das immer noch nicht bedeuten, dass jemand SZR in Gold umtauschen kann. Auch hier gilt, dass SZR durch nichts abgesichert sind. Natürlich kann der IWF ändern, was ein SZR ist, wie er es schon viele Male getan hat, aber das unterstreicht nur seine Schwächen. Denken Sie darüber nach: Welche Währungsbehörde würde einen erheblichen Wert in einem Vermögenswert halten wollen, der alle fünf Jahre geändert werden kann und hochgradig illiquide ist? Der IWF kann dem Korb Gold hinzufügen, aber er würde lediglich die tägliche Bewertung des SZR ändern.


Warum haben Sie begonnen, über Gold zu schreiben? Und warum ist das jetzt wichtig?

Ich fing an, über Gold zu schreiben, weil ich 2013 entdeckte, dass die Chinesen dreimal mehr physisches Gold kauften, als im Westen allgemein angenommen wurde. Ich habe einen Blog begonnen, um über diese Entwicklungen zu schreiben und die Welt zu informieren. Ein Jahr später erkannten die Journalisten, dass ich Recht hatte. Zuerst glaubte mir niemand. Dann wurde mir eine Stelle als Goldanalyst bei einem Goldbarrenhändler angeboten.

Der ehemalige Gouverneur der Bank von England, Mervyn King, schrieb 2017 - selbstredend nachdem er zurückgetreten war, da kein Zentralbanker im Amt ehrlich sein kann - ein Buch mit dem Titel "Das Ende der Alchemie". Er schrieb, dass sich jeder Wirtschafts-Teilnehmer stets der "radikalen Unsicherheit" bewusst sein sollte. Das Leben im Allgemeinen, Geschäfte machen und Investitionen tätigen sind mit Risiken verbunden.

Politiker können nur die Dinge nur ein Stück weit kontrollieren, obwohl sie, um Ihre Stimme zu bekommen, Ihnen gerne sagen, dass sie für alles eine Lösung haben. Wie dem auch sei, meiner Meinung nach besteht in manchen Zeiten ein größeres Risiko als in anderen, aber in der gegenwärtigen Krise befindet sich die "radikale Unsicherheit" auf einem Höhepunkt. Gold hat von allen Währungen die längste Erfolgsbilanz bei der Erhaltung der Kaufkraft, daher sehe ich es als einen wesentlichen Bestandteil des Spar- oder Anlageportfolios eines jeden Menschen an.


Ich danke Ihnen für Ihre Zeit, Jan.


© Lars Schall



(1) Anfang 2010 sagte George Soros: "Wenn die Zinssätze niedrig sind, haben wir die Voraussetzungen für die Entstehung von Vermögensblasen, und sie entwickeln sich derzeit. Die ultimative Vermögensblase ist Gold." Vgl. James Quinn: “George Soros buys gold despite dubbing it 'ultimate bubble'“, veröffentlicht im The Telegraph vom 17. Februar 2010 unter www.telegraph.co.uk.

Das folgende Interview wurde zuerst auf der Website des Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) in den USA veröffentlicht.


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