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Jetzt kommt die Geldflut

08.05.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Der "Mega-Bail-Out" und die "Rettungspolitiken" der Zentralbanken lassen die Geldmengen stark ansteigen - und es ist mit steigenden Güterpreisen und einem Kaufkraftverlust der offiziellen Währungen zu rechnen. Gold ist eine Möglichkeit, sich vor der Entwertung zu schützen.

"Banken sind gefährlicher als stehende Armeen." - Thomas Jefferson


Neues Geld für den "Mega-Bail-Out"

Mit Unsummen wollen die Regierungen und ihre Zentralbanken den Wirtschaftseinbruch bekämpfen, der durch den politisch diktierten "Lockdown" verursacht ist. Die US-Administration hat bereits ein 2 Billionen US-Dollar schweres Rettungspaket verabschiedet. Damit sollen Unternehmen und Konsumenten unterstützt werden. Es umfasst Kredite, Steuererleichterungen, Transferzahlungen und anderes mehr. Zudem hat die US-Zentralbank (Fed) den Finanzmärkten eine "Rückversicherung" (einen "Backstop") gegeben: Sie kauft Kreditpapiere, hält dadurch die Wertpapierkurse hoch und die Marktzinsen niedrig, und unterstützt so Unternehmen, private Haushalte und öffentliche Stellen.

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Quelle: Refinitiv, Degussa; Graphik Degussa. (1)Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank und umlaufendes Bargeld.


Die US-Administration verfügt jedoch nicht über das Geld, das sie ausgeben will. Daher geschieht das Folgende: Die Fed erwirbt neu ausgegebene Staatsschuldpapiere, und sie kauft zudem den Banken und Hedgefunds Kreditpapiere (Unternehmens- und Hypothekenanleiten) ab. Dadurch erhöht sie die Basisgeldmenge im Bankenapparat (Abb. 1 a). Die Banken brauchen die neue Liquidität dringend, weil ihre Kunden die Kreditlinien "ziehen": Weil Unternehmen Geld brauchen, es aber im Kapitalmarkt nicht bekommen, beschaffen sie es sich per Kredit bei ihrer Hausbank, und die Kreditbestände der Banken schwellen an (Abb. 1 b).

Das neu geschaffene Geld landet letztlich auf den Konten der Privaten. Die dadurch verursachte Geldmengenausweitung zeigt sich bereits in einem starken Anwachsen der Geldmenge M1, die Ende April um mehr als 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist (Abb. 2 a). Auch die Geldmenge M2 (M1 ist ein Teil davon) stieg überaus kräftig an: und zwar um knapp 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit Anfang der 1980er Jahre sind die Geldmengen nicht so stark gestiegen, wie es derzeit der Fall ist.

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Quelle: Refinitiv, Degussa; Graphik Degussa.


Geldmenge und Preise

Es gibt eine "Faustregel", nach der eine wachsende Geldmenge (früher oder später) die Güterpreise in die Höhe treibt. Nach dem Motto: Steigt die Geldmenge, wird alles teurer. Im derzeitigen Umfeld mag man einwenden: Der Verfall des Ölpreises, der Wirtschaftseinbruch, die hohe Arbeitslosigkeit etc. werden verhindern, dass die Geldmengenausweitung sich in höhere Güterpreise übersetzt.

Aus unserer Sicht jedoch sprechen jedoch eine Reihe Faktoren dafür, dass es künftig zu Güterpreisinflation kommen wird, dass also die Kaufkraft des Geldes fallen wird - und diese Befürchtung trifft nicht nur auf die Vereinigten Staaten von Amerika zu, sondern auch für andere Währungsräume.

(1) Die Zentralbanken pumpen neues Geld in das Banken- und Finanzsystem, indem sie Schuldpapiere aufkaufen im Tausch für neu geschaffenes Geld. Dieses Geld steht Banken nun zur Verfügung, um neue Kredite zu vergeben und damitneues Geld zu schaffen. Es wird sehr wahrscheinlich auch dazu verwendet werden, andere Vermögensgüter (im In- und Ausland) zu kaufen. Das treibt die Preise von zum Beispiel Aktien, Häusern und Grundstücken in die Höhe.

(2) Das neue Geld, das auf die Konten der Privaten gelangt, wird für Konsum und sonstige Ausgaben verwendet - denn es repräsentiert schließlich den "Ersatz" für ausgefallene Löhne und Einkommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass große Teile des neu geschaffenen Geldes gespart beziehungsweise gehortet werden (und dadurch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes absinkt und den Güterpreiseffekt abmildert), erscheint uns relativ unwahrscheinlich zu sein.

(3) Die Staaten versorgen vor allem auch Unternehmen mit neuen Krediten und neu geschaffenem Geld. Doch nicht alle Unternehmen werden die Wirtschaftskrise schadlos überleben, und es wird sich zeigen, dass ein nicht unbeträchtlicher Betrag des neu geschaffenen Geldes für unproduktive Projekte verausgabt wurde, sprich: Der Geldmengenausweitung steht kein Güterzuwachs gegenüber und wirkt daher tendenziell preistreibend.


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